La paranza dei bambini (2019)

La paranza dei bambini (2019)

  1. 105 Minuten

Filmkritik: «I wanna be a Gangsta!»

«Und dann die Hände zum Himmel, komm' lasst uns gewalttätig sein.»
«Und dann die Hände zum Himmel, komm' lasst uns gewalttätig sein.»

Im neapolitanischen Stadtviertel Sanità muss der 15-jährige Nicola (Francesco Di Napoli) immer wieder mitansehen, wie seine Mutter (Valentina Vannino), die eine Reinigungsfirma besitzt, Gangstern Schutzgeld abdrücken muss. Das findet der Junge alles andere als gut. Allerdings möchte er auch am liebsten wie die Gangster in Saus und Braus leben, kostbare Uhren sowie Designerkleider tragen und die teuersten Tische in den Clubs bekommen.

Thug Life!
Thug Life!

Das wollen auch Nicolas engste Freunde und sie alle scheinen ihrem Ziel ein bisschen näher zu kommen, als sie Agostino (Pasquale Marotta) kennenlernen. Dessen Familie hatte früher im Viertel das Sagen, doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Nicola ist allerdings ein cleverer Junge und weiss, wo er anheuern muss, um eine Karriere als Gangster einzuschlagen. Je länger sich Nicola in den Kreisen von Kriminellen aufhält, umso näher kommt er seinem Traum, ein Viertel zu schaffen, indem niemand mehr Schutzgeld bezahlen muss. Dafür sind dem Jungen und seinen Freunden jedes Mittel recht.

Das Gangster-Drama La paranza dei bambini zeigt, wie 15-Jährige mit Waffengewalt die Verhältnisse in ihrer Heimat ändern wollen und dadurch in eine Spirale der Gewalt geraten. Das ist zwar nicht gerade die ausgefallenste Geschichte, doch aufgrund des Settings im heutigen Neapel und dem tollen Hauptdarsteller Francesco Di Napoli entsteht daraus durchaus packende Unterhaltung.

Claudio Giovannesi (der berührende Fiore stammt von ihm) erzählt seine Geschichte, welche auf dem Roman von «Gomorrha»-Autor Roberto Saviano basiert, konsequent aus der Sicht der jungen Protagonisten. Erklärungen gibt es nicht viele, wir sehen nur das, was auch die 15-Jährigen sehen. Als bei einer Party eines hohen Gangster-Tieres plötzlich die Polizei hineinplatzt, bleibt der Blickwinkel beim nicht unmittelbar vom Geschehen betroffenen Protagonist Nicola. Dieser weiss jedoch genau, dass sich ihm hier eine Chance auftut, freilich ohne wirklich zu realisieren, was sie für Folgen haben wird. Er und seine Jungs agieren zielgerichet und naiv zugleich; sie wollen sich und ihrer Umgebung eigentlich nur ein besseres Leben ermöglichen. Das muss zwangsläufig schiefgehen, denn auch La paranza dei bambini folgt den klassischen Pfaden eines so gearteten Dramas.

Doch diesen verfolgt man mit Interesse. Vor allem der charimatische Hauptdarsteller Francesco Di Napoli zieht einen mit seinem Spiel in den Bann. Sein Nicola ist eigentlich ein guter Junge, der unter anderem seine Mutter von Schutzgeldzahlungen schützen möchte. Es ist das gleiche Prinzip wie zum Beispiel bei Breaking Bad: Wir folgen einer eigentlich guten Person in eine brutale Welt und verfolgen gebannt, wie die sich dort schlägt und dabei verändert. Auch wenn es falsch ist, was Nicola tut, schaut man zu und wundert sich, wie weit er kommt und fragt sich, wie weit er noch kommen mag.

Es ist erschreckend und beunruhigend, wie scheinbar leicht ihm das alles fällt. An einem Abend machen die Kollegen noch Selfies und flirten mit Frauen, am nächsten händigen sie sich die Kalaschnikows aus und ziehen in den Krieg. Aufgrund dieser scheinbaren Leichtigkeit hört diese Spirale der Gewalt niemals wirklich auf. Denn es wird immer jemanden geben, der zu glauben scheint, dass man mit Waffengewalt etwas erreichen kann. Geschichte wiederholt sich bekanntlich und das ist auch hier der Fall. So erzählt La paranza dei bambini denn auch nicht die originellste oder neuartigste Story. Dass sie Giovannesi und Saviano aber in die heutige Zeit transferieren und sie mit vielen kleinen Details füllen (das Bedienen einer Waffe wird zum Beispiel mittels YouTube gelernt), macht dieses Teenie-Gangster-Drama letzten Endes sehenswert.

/ crs