Paradise Hills (2019)

Paradise Hills (2019)

  1. 95 Minuten

Filmkritik: Haute Couture, der Film

1. OutNow Film Festival 2020
Spieglein, Spieglein, an der Wand ...
Spieglein, Spieglein, an der Wand ... © MANOLO PAVON

Als die junge Uma (Emma Roberts) eines Morgens in einem unbekannten Zimmer aufwacht, schwant ihr Übles: Zwar scheint es auf der Insel, auf die man sie gegen ihren Willen verfrachtet hat, nicht an Luxus zu mangeln, doch handelt es sich bei «Paradise Hills» tatsächlich um eine streng bewachte Umerziehungsklinik. Hier werden junge Frauen, deren Verhalten ihren reichen Familien gegen den Strich geht, wieder auf den «richtigen» Weg gebracht. Dafür sorgt die Duchess (Milla Jovivich), die Leiterin dieser Institution, mit viel Pomp und hübschen Kostümen - für eine Menge Geld, versteht sich.

Lady Gaga, der Film
Lady Gaga, der Film © MANOLO PAVON

Uma freundet sich bald mit drei anderen Rebellinnen an, die ebenfalls von der Duchess zurechtgerückt werden sollen: Chloe (Danielle Macdonald) soll gehörig abspecken, die verschlossene Yu (Awkwafina) soll angemessenes Verhalten erlernen und die Sängerin Amarna (Eiza González) ist auf Entzug. Uma selbst soll bei der Entscheidung geholfen werden, den Heiratsantrag eines steinreichen Industriellen anzunehmen. Doch Uma liebt längst einen anderen. Während die jungen Frauen verschiedene «emotionale Heiltherapien» über sich ergehen lassen müssen, fallen ihnen aber immer mehr Ungereimtheiten auf. Gibt es eine Möglichkeit, von diesem nur scheinbar so paradiesischen Ort zu entkommen?

Mit opulenten Bildern, in denen junge weissgekleidete Frauen durch paradiesisch-labyrinthische Kulissen wandeln, inszeniert die spanische Regisseurin Alice Waddington ihr Spielfilmdebut, das allerdings weder inhaltlich noch visuell richtig zu zünden weiss. Zu wenig Zeit wird aufgewendet, um die Figuren auszuarbeiten oder die dystopische Welt zu entwerfen, die kaum durch mehr als Stichworte umrissen wird. Spannung kommt zwar in der zweiten Filmhälfte auf, wenn das Ganze einen netten Schwenk Richtung B-Movie macht. Letztlich wird jedoch zu viel zusammengewürfelt und auch die Bildsprache verspricht anfangs mehr, als am Ende wirklich eingelöst werden kann.

Schon von der ersten Szene an - einer pompösen Hochzeitsszene, die genauso gut im Capitol aus The Hunger Games hätte stattfinden können - ist klar, auf welche Karte Paradise Hills setzt: Aufwändige Kostüme, prächtig Kulissen und ganz viel Dekor stehen im Zentrum dieser dystopischen Story um junge Frauen, die auf den Pfad der Tugend zurückgebracht werden sollen. Kaum überraschend setzt der Film schwerpunktmässig die Opulenz der Kostüme und die paradiesische Kulisse dem repressiven Ansinnen hinter dem mysteriösen Inselressort einander gegenüber. Wir kennen das: Aussen hui, innen pfui.

Leider schafft der Film es nur selten, diesen Gegensatz effektiv umzusetzen. Dies mag einerseits daran liegen, dass die Bildsprache im Grunde genommen wenig aussagekräftig ist. Man kann junge Darstellerinnen zwar in teure Haute Couture stecken und sie schwammig von Uppers und Lowers sprechen lassen - Ersatz für Figurenzeichnung oder eine ausführlichere Zeichnung dieser Welt, in der es offenbar so vielen so furchtbar schlecht gehen soll, ist dies jedoch nicht.

Andererseits schwächelt der Film, bei dessen Drehbuch übrigens auch Nacho Vigalondo (Colossal) mitgeschrieben hat, wohl auch schlicht an den eigenen Ambitionen. Paradise Hills versucht eine Selbstfindungs- und Befreiungsgeschichte junger Frauen zu inszenieren, ertrinkt dabei aber beinahe in den sorgfältig gebüschelten Kostümen, Frisuren und im pseudo-futuristischen Schnickschnack. Erst in der zweiten Filmhälfte, wo das Geheimnis hinter dem mysteriösen Institut allmählich aufgelöst wird, kommt auch endlich mal so etwas wie Spannung auf und man beginnt mit den jungen Frauen mitzufiebern. Besonders das zweiteilige Finale, das eine schöne Prise B-Movie enthält und Emma Roberts‘ Hauptfigur endlich zu sowas wie einer sympathischen Figur macht, macht fast schon Spass.

Schade, dass davor so viel Leerlauf enthalten ist und am Ende einfach zu viel zusammengewürfelt wurde. Zu viele Gegner und nur angerissene Vorgeschichten, ein höchstens rudimentärer Weltentwurf und mehrere blinde Motive machen Paradise Hills zwar zum interessanten Gedankenexperiment, lassen aber auch den ambitioniert angelegten Science-Fiction-Film dahinter erkennen, welcher der Film mit etwas mehr filmischer Finesse hätte sein können.

/ pps

Trailer Englisch, 01:40