Paddleton (2019)

Paddleton (2019)

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  2. 89 Minuten

Filmkritik: Bedingungslose Freundschaft

1. OutNow Film Festival 2020
Pizza und Filmgucken
Pizza und Filmgucken © Netflix

Michael (Mark Duplass) erhält eine eindeutige Diagnose: Er hat Krebs im Endstadium. Es bleibt ihm nur noch wenig Zeit zu leben und er blickt Tagen oder Wochen des Siechtums entgegen. Das möchte er vermeiden und selbst den Zeitpunkt seines Todes bestimmen. Dafür bekommt er von seinem Arzt ein Rezept für ein entsprechendes Medikament, das aber nur in wenigen Apotheken des Landes eingelöst werden kann. Mit seinem Freund Andy (Ray Romano) macht er sich also auf einem letzte gemeinsame Reise.

Michael und Andy auf ihrer letzten Reise.
Michael und Andy auf ihrer letzten Reise. © Netflix

Andy ist Michaels Nachbar und einziger Freund. Von der Entscheidung, seines Freundes Selbstmord zu begehen, ist er erschüttert, trotzdem möchte er Michael auch in dieser Situation beistehen. Für die beiden bietet sich ein letztes Abenteuer, das ihnen erlaubt, Abschied zu nehmen. Die Autofahrt und der Aufenthalt im Motel warten mit einigen Hindernissen auf, führt ihnen aber auch vor Augen, was sie aneinander schätzen.

Alex Lehman hat ein Buddy- und Roadmovie zugleich inszeniert, der sich auf sensible Weise mit dem Thema Tod und Krankheit auseinandersetzt. Dialoge und Handlung sind etwas einfach geraten. Der Film kommt nur langsam in Gang, und es fehlt ihm entschieden an neuen Ideen. Es ist die starke Leistung der beiden Hauptdarsteller, die ihn aber doch sehenswert macht. Der Verzicht auf einen sentimentalen Tonfall, den man angesichts des Themas hätte befürchten können, kann man dem Film ebenfalls zugute halten.

Es geht in Paddleton um eine Männerfreundschaft, keine besonders spektakuläre, einfach eine langjährige und ganz offensichtlich tiefe Freundschaft. Es bedarf nicht vieler Worte, um diese zu beschreiben. Männer von vielen Worten sind die beiden Freunde ohnehin nicht. Dafür haben sie verschiedene gemeinsame Rituale: zum einen ihren Lieblingssport Paddleton, der dem Film seinen Namen gibt. Oder sie backen sich eine Tiefkühlpizza auf und essen sie vor dem Fernseher, auf dem ihr Lieblingsfilm läuft, in dem es um ostasiatischen Kampfsport geht und von dem sie alle Dialoge aus dem Gedächtnis nachsprechen können. Und auch sonst sind die beiden gut aufeinander eingespielt.

Der US-amerikanische Regisseur Axel Lehman hat den Versuch gewagt, der Filmgeschichte ein neues originelles Duo hinzuzufügen. Die Vorbilder von mehr oder weniger dumm, sarkastisch-zynisch quatschenden oder sich anschweigenden Zweierfiguren sind zahlreich. Man denke im neueren Filmzeitalter an Jay und Silent Bob (aus den Kevin Smith-Filmen), an Vincent und Jules in Pulp Fiction oder Ruby und Quentin aus Tais-toi! um nur einige bekanntere zu nennen. Obwohl Mark Duplass und Ray Romano ihre Rollen durchaus ansehnlich spielen, ist die Charakterzeichnung zu flach, dass sich daraus Figuren ergeben hätten, die man nicht mehr vergessen würde.

Es sind einzelne Szenen, die das Interesse an der Geschichte wachhalten. Herausragend ist die Interaktion der beiden Freunde mit dem Apotheker, der ihnen einerseits die Regeln zum tödlichen Präparat vorlesen muss und andererseits die typische (amerikanische) höfliche Art des Dienstleisters wiedergibt, indem er sie fragt, wie es ihnen geht und am Schluss eine gute Zeit wünscht.

Hier zeigt der Film eine Andeutung eines Subtextes, die auf eine sozialkritische Stimme zielt. Über den Tod zu sprechen, ist ein Tabu. Über Selbstmord, dazu noch einen «erleichterten», ist noch unangenehmer. Ausgangspunkt der Handlung ist der Umstand, dass sich offenbar die meisten Apotheken weigern, ein solches Medikament, das den eigenen Tod herbeiführen kann, überhaupt zu verkaufen. Einmal mehr kommt hier, auch wenn nur marginal, die prüde Seite der US-amerikanischen Gesellschaft zum Ausdruck.

/ ter