Out Stealing Horses (2019)

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Filmkritik: Norwegian Woods

69. Internationale Filmfestspiele Berlin 2019
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1999: Kurz vor dem Millennium lebt der 67-jährige Trond (Stellan Skarsgård) in den schneebedeckten norwegischen Wäldern. Hier lebt er isoliert in einer Hütte und hängt der gemeinsamen Zeit mit seiner Frau nach, die vor drei Jahren starb. Als Trond seinem Nachbarn Lars (Bjørn Floberg) begegnet, werden alte Erinnerungen wach.

Lars ist auch mit dabei
Lars ist auch mit dabei

Trond und Lars kennen einander aus ihrer Jugendzeit. Über 50 Jahre ist dies nun her. Damals verbrachte Trond zusammen mit seinem Vater (Tobias Santelmann) einen Sommer in den Wäldern. Es war der Sommer, in dem Trond erwachsen wurde und nach dem nichts mehr sein sollte, wie es war.

Regisseur und Drehbuchautor Hans Petter Moland (Kraftidioten, A Somewhat Gentle Man) nimmt die Zuschauer mit in die idyllischen norwegischen Wälder. Nach anfänglich zähen Szenen und mit einigen Längen entwickelt sich Out Stealing Horses im Laufe seiner Spielzeit zu einem einfühlsamen Drama über eine komplizierte Vater-Sohn-Beziehung.

Out Stealing Horses basiert auf dem preisgekrönten Roman des norwegischen Autors Per Petterson. Dass der Film eine Buchadaption ist, zeigt sich unter anderem an dem überflüssigen Voice-over, in dem Trond seine Gedankengänge und Gefühlsregungen umschreibt. Aus "Show don't tell" wird hier "Show and tell". Zudem kommt die Geschichte schwer in Gang. Fast befürchtet man, der anhaltende Slow-TV-Trend wäre nun auch auf die skandinavische Kinolandschaft übergeschwappt.

Nach dem langsamen Start entwickelt sich Out Stealing Horses dann aber zu einem zärtlichen Drama, dessen Bedeutung sich erst am Ende vollständig entfaltet. Das Aufeinandertreffen mit Lars zwingt Trond dazu, sich mit der Beziehung zu seinem Vater auseinanderzusetzen. In Rückblenden erleben die Zuschauer Stück für Stück, wie der Junge (Jon Ranes) seinen Vater in einem neuen Licht zu sehen beginnt und sich das Verhältnis zwischen den beiden drastisch ändert, als Trond Gefühle für Lars' schöne Mutter (Danica Curcic) entwickelt.

Der kalte Winter von 1999 wird dem warmen Sommer im Jahre 1948 entgegengestellt. Eisige Landschaften weichen grünen Wiesen und beblätterten Bäumen. Die Natur spielt in dem Film eine genauso grosse Rolle wie die Figuren. Kameramann Rasmus Vidbæk fängt die skandinavische Flora und Fauna gekonnt ein, sodass das Material ebenso gut in einer Naturdoku verwendet werden könnte. So ist Out Stealing Horses schön mitanzusehen, richtig mitreissen kann der Film die Zuschauer aber nicht.

10.02.2019 / swo