The Operative (2019)

The Operative (2019)

Die Agentin
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Filmkritik: Die Spionin, die liebte

69. Internationale Filmfestspiele Berlin 2019
Plötzlich Agentin: Rachel
Plötzlich Agentin: Rachel © Kolja Brandt

Für den Führungsagenten Thomas (Martin Freeman) scheint Rachel (Diane Kruger) die perfekte Agentin zu sein. Sie lebte bereits in England, den USA, Kanada und Israel, spricht mehrere Sprachen und hat keine sozialen Bindungen. Ihr wurzelloses Dasein erregt die Aufmerksamkeit des Mossad, und der israelische Geheimdienst rekrutiert sie für einen Einsatz in Iran. Hier soll Rachel - unter falscher Identität - ein Elektronikunternehmen infiltrieren, über das der Mossad defekte Nuklearkomponenten an den iranischen Geheimdienst verkaufen möchte.

Rachel erhält einen australischen Pass und wird nach Teheran geschickt. Thomas (Martin Freeman) ist ihr einziger Kontakt zur westlichen Welt. In Iran gibt Rachel sich als Sprachlehrerin aus und baut sich dort schnell ein Leben auf. Als Teil ihrer Mission stellt sie Kontakt zu Unternehmer Farhad Razavi (Cas Anvar) her und entwickelt unerwartet Gefühle für ihn. Thomas droht die Kontrolle über seine Agentin zu verlieren.

In seinem zweiten Spielfilm präsentiert der israelische Regisseur Yuval Adler eine Agentenstory aus weiblicher Sicht. Rachels Reise führt von Isreal über Deutschland nach Iran, und Diane Kruger ist in der Rolle der multilingualen Protagonistin passend besetzt. Bis auf die weibliche Perspektive fügt The Operative dem Genre allerdings nichts Neues hinzu.

Der Film basiert auf dem Buch "The English Teacher" des ehemaligen israelischen Geheimdienstmitarbeiters Yiftach Reicher Atir. Dessen beruflicher Vergangenheit ist es zuzuschreiben, dass The Operative ein realistischeres Bild des Spionagealltags zeigt, als manche Zuschauer es von Hollywood-Blockbustern gewohnt sind. Das Drehbuch verzichtet auf Verfolgungsjagden und Schiessereien und fokussiert stattdessen auf den emotionalen Tribut, den das Leben als Geheimdienstmitarbeiter fordert. Rachel ist keine kaltblütige Killerin. Je mehr sie sich in Teheran einlebt, desto schwerer fällt es ihr, die nötige Distanz zu wahren.

The Operative sticht zudem dadurch hervor, dass der Film eine weibliche Agentin in den Vordergrund stellt. Dies bringt ganz eigene Komplikationen mit sich. Erbittert muss Rachel feststellen, dass sie für den Mossad lediglich Mittel zum Zweck ist. Der Geheimdienst hat keine Skrupel, sie in - vor allem für Frauen - prekäre Situationen zu bringen. Doch auch Rachels Motive sind nicht immer klar. Ihre Vergangenheit lückenhaft. Die Zuschauer dürfen lange miträtseln, ob sie ein doppeltes Spiel spielt.

Diane Kruger füllt die Rolle der Rachel zuverlässig aus. Nach ihrem herzzerreissenden Part in Fatih Akins Aus dem Nichts schaltet sie in The Operative einen Gang zurück. Wie seine Hauptfigur kommt allerdings auch der Film etwas blass daher - visuell wie inhaltlich. Kameramann Kolja Brandt präsentiert das Material in gedämpften Farben. Der Stoff selbst bietet mit Blick auf herausragende Agentenserien der letzten Jahre (z.B. The Americans) wenig Neues. Zwar mag Rachels Mission näher an der Realität eines Geheimagenten sein als die Jason Bourne-Reihe, dafür bietet sie aber auch weitaus weniger Spannung und Tempo.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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