On the President's Orders (2019)

On the President's Orders (2019)

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  3. 72 Minuten

Filmkritik: License to Kill

Zurich Film Festival 2019

Im Sommer 2016 erklärte der philippinische Präsident Rodrigo Duterte den Drogen und allen, die damit zusammenhängen, den Krieg in seinem Land. Mit einem Zitat, bei dem er sich selbst mit Hitler vergleicht, sorgte er bereits zuvor national wie international für Furore. Schliesslich vergleicht sich kaum jemand freiwillig mit Hitler. Unter seinen Massnahmen litten aber nicht in erster Linie die grossen Drogenbarone und -banden, sondern kleinkriminelle Dealer, Drogenkonsumenten und Unbeteiligte. Die Zahl der Opfer betrug nach drei Jahren knapp 20'000 Personen.

Die Filmemacher James Jones und Olivier Sarbil begaben sich auf die Philippinen und kamen da in Kontakt mit einem lokalen Polizeichef, der den Drogenkrieg humaner führen sollte. Ausserdem treffen sie Angehörige von Opfern in den Slums von Manila sowie einen Bestatter, der täglich mit den Konsequenzen der Polizeigewalt konfrontiert wird. Bald zeigen sich in den Treffen und Recherchen, dass hier nur oberflächlich ein Krieg gegen die Drogen geführt wird, sondern vielmehr ein Krieg gegen die Armen.

On the President's Orders zeigt den Drogenkrieg auf den Philippinen anhand einiger spannender Persönlichkeiten vor allem von der emotionalen Seite. Ohne Sensationsgeilheit, bodenständig und nüchtern beleuchtet der Film die Situation, ohne sie zu verharmlosen. Allerdings werden die grossen Themen nur angeschnitten und einige der Personen scheinen vor der Kamera nicht sich selbst zu sein. Dafür ist die Kamera-Arbeit mit spannenden Winkeln und gut eingesetztem Licht Weltklasse. Letztendlich ein solides Portrait, aber ohne viel emotionalen Zug.

Die beiden Filmemachen James Jones und Olivier Sarbil arbeiteten bereits an mehreren Dokumentarprojekten zusammen und wählen stets politisch brisante Themen. Diesmal ist es der Drogenkrieg auf den Philippinen. Zwar haben andere Länder wie Kolumbien oder Mexiko eine höhere Drogenkriminalität als die Philippinen, aber Präsident Dutertes gezielter Angriff - nicht nur auf Drogendealer, sondern vor allem auf Abhängige - machte weltweit Schlagzeilen.

Der entstandene Dokumentarfilm On the President's Orders ist nicht daran gross daran interessiert, Neues über den Drogenkrieg zu erzählen. Er bewegt sich auf emotionaler Basis, spricht mit Betroffenen auf beiden Seiten. So ergibt sich bald ein relativ eindeutiges Bild: Der Krieg gilt nicht nur den Drogenabhängigen, sondern vor allem der in Armut lebenden Bevölkerung. Leider werden die Themen wie der Klassenkampf oder die Polizeigewalt nur touchiert. Dies dürfte mitunter an der sehr kurzen Laufzeit von gerade einmal 72 Minuten liegen. Zudem wirken einige der gewählten "Protagonisten" aufgesetzt, als würden sie sich vor der Kamera etwas zu wohl fühlen. So kommt beim Zuschauer ungewollt ein Gefühl der Unechtheit an. Dennoch mag der Film durchaus zu packen.

Zum einen hilft da die nüchterne, humane und bodenständige Herangehensweise, die ohne Boulevard-eske Sensationsgeilheit auskommt. Dabei würde sich das Thema durchaus dafür anbieten. Das bedeutet aber nicht, dass On the President's Orders davor zurückscheut, die Gräueltaten der Täter darzustellen. Zum anderen ist die Kamera-Arbeit ganz grosse Klasse. Kameramann Olivier Sarbil wählt spannende Winkel und arbeitet stark mit Silhouetten. Ausserdem geht er gekonnt mit dem wenigen zur Verfügung stehenden Licht um und kreiert extrem anschauliche Bilder.

/ nna