Official Secrets (2019)

Official Secrets (2019)

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  3. 112 Minuten

Filmkritik: The Good Gun

Zurich Film Festival 2019
Ist das jetzt A-Post?
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Im Jahre 2003 erhält die Übersetzerin Katherine Gun (Keira Knightley), welche für den britischen Geheimdienst GCHQ arbeitet, eine Email mit fragwürdigem und bedenklichem Inhalt. Vom amerikanischen Auslandgeheimdienst NSA werden Katherine und ihre Kollegen aufgefordert, Uno-Diplomaten auszuspionieren. Dabei soll belastendes Material zusammengetragen werden, um diese zu erpressen und ihre Zustimmung zum Irakkrieg zu erzwingen. Prime Minister Tony Blair und US Präsident George W. Bush sind auf die Einigung mit der Uno angewiesen, um gegen den Irak in den Krieg zu ziehen. Ihre Absicht begründen sie mit der Annahme, dass Präsident Saddam Hussein im Irak Massenvernichtungswaffen versteckt hält. Dies, obwohl britische und amerikanische Inspektoren keine eindeutigen Hinweise darauf finden können.

Observers beim Observer
Observers beim Observer

Katherine kann das Vorhaben der Regierung nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren und übergibt einer ehemaligen Arbeitskollegin und Pazifistin ein Dokument mit dem Inhalt der Email. Die brisanten Informationen landen schliesslich beim Journalisten Martin Bright (Matt Smith) und werden von ihm im «Observer» publiziert. GCHQ eröffnet umgehend die Jagd nach dem Whistleblower.

Mit seinem neusten Werk Official Secrets präsentiert der südafrikanische Regisseur Gavin Hood einen solide inszenierten, mitreissenden Politthriller über die mutige Whistleblowerin Katherine Gun, welche ihr eigenes Wohl riskierte, indem sie versuchte, den Irakkrieg zu verhindern. Dramaturgisch folgt der Film den Normen des Genres und bietet wenig Originelles. Dafür überrascht das Drehbuch mit erstaunlich viel gutem Humor, etwas gar viel sogar. Keira Knightley brilliert in der Hauptrolle, und als verzweifelte Gerechtigkeitskämpferin kommt ihr schauspielerisches Talent stark zur Geltung.

Gavin Hood hat bereits ein beachtliches Repertoire an Filmen vorzuweisen. Unter anderem beinhaltet dieses die erfolgreichen Werke Eye in the Sky, Ender's Game, X-Men Origins: Wolverine und Tsotsi. Letzterer wurde im Jahre 2006 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

In Official Secrets widmet er sich nun einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der britischen und US-amerikanischen Politik. Die Empörung über den Irakkrieg war in der ganzen Weltbevölkerung riesig. In London gingen Hunderttausende Menschen auf die Strasse, um zu demonstrieren.

Hoods Fokus liegt auf einer ganz besonderen Kriegsgegnerin, die viel Mut bewies und deren Handeln inspirierend ist. Katherine Gun nutzte ihre Position als Geheimdienstmitarbeiterin und versuchte, einen Krieg zu verhindern, indem sie das unrechtmässige Vorgehen ihrer Regierung publik machte. Ihre Arbeit sah sie nicht darin, ihre Regierung gut dastehen zu lassen, sondern im Dienste des Volkes und der Gerechtigkeit zu handeln.

Keira Knightley bietet in ihrer Interpretation der Gerechtigkeitskämpferin eine vorzügliche Performance. Je komplizierter Katherine Guns Lage wird, desto besser kommt Knightleys schauspielerische Leistung zur Geltung. Verzweiflung aber zugleich auch Unbeugsamkeit bringt sie mit ihrer Mimik stark zum Ausdruck. Dem Publikum bietet sie zudem eine gute Identifikationsfigur, da sie nicht wie eine Snowden-Typ-ähnliche Whistleblowerin mit einer durchgeplanten Mission daherkommt, sondern instinktiv handelt und von einer herkömmlichen, bescheidenen Seite gezeigt wird. Zu Beginn des Films ist sie beispielsweise zu Hause auf dem Sofa in Schlabberhosen zu sehen, während sie sich wie ein Normalbürger über Tony Blairs Aussagen aufregt.

In dramaturgischer Hinsicht funktioniert Official Secrets ganz nach den Normen seines Genres. Überraschende Wendepunkte sind rar, wenn überhaupt, bietet diese eher der Nebenhandlungsstrang, welcher sich im Büro des Observers abwickelt. Vor allem diese Szenen und auch einige mit Ralph Fiennes, der Katherines Anwalt von der Kanzlei Liberty spielt, überraschen zudem mit einer grossen Prise Humor. Die witzigen Momente wirken zwar erfrischend, jedoch drohen sie zuweilen, den Film ins Lächerliche zu ziehen.

/ gli