Notre Dame (2019)

Notre Dame (2019)

Notre Dame - Die Liebe ist eine Baustelle
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  2. 88 Minuten

Filmkritik: Ist das Leben nicht schön?

Wer ist die Schönste im ganzen Land?
Wer ist die Schönste im ganzen Land? © Frenetic Films

Die Pariser Bevölkerung ist unzufrieden. Naturkatastrophen und wirtschaftliche Probleme bestimmen das Leben. Auch im Leben von Architektin Maud Crayon (Valérie Donzelli) läuft's nicht wie gewünscht. Sie ist nicht glücklich in ihrem Job und in ihrem Privatleben herrscht ebenfalls Chaos. Ihre zwei Kinder halten sie auf Trab und Martial (Thomas Scimeca), der Vater ihrer Kinder, steht immer wieder vor der Haustüre, da er mit seiner Freundin Probleme hat.

Oh nein Didi, jetzt haben sie uns
Oh nein Didi, jetzt haben sie uns © Frenetic Films

Durch ein Missverständnis gewinnt Maud die Ausschreibung zur Neugestaltung der Promenade bei Notre Dame. Dadurch winken ihr Ruhm und Reichtum. Die Bürgermeisterin von Paris (Isabelle Candelier) und ihr Geschäftspartner Didier (Bouli Lanners) unterstützen sie zwar bei der Umsetzung ihrer Pläne. Doch die Bevölkerung ist dem Vorhaben gegenüber skeptisch. Als auch noch ihre Jugendliebe Bacchus Renard (Pierre Deladonchamps) wieder in Mauds Leben auftaucht, ist das Chaos perfekt.

In dieser sehr speziell inszenierten Komödie über Architektin Maud Crayon werden alltägliche und andere Probleme im Leben einer alleinerziehenden Mutter dargestellt. Notre Dame wirkt ein wenig selbstverliebt. Valérie Donzelli ist Hauptdarstellerin, Drehbuchautorin und Regisseurin in Personalunion. Das merkt man diesem Film an, leider nicht nur positiv.

Multitalent Valérie Donzelli zeigt mit Notre Dame die Bandbreite ihres Könnens. Nicht zum ersten Mal ist sie nicht nur Regisseurin und Drehbuchautorin, sondern auch gleich Hauptdarstellerin ihres Films. Wie immer, wenn eine einzige Person die wichtigsten Positionen eines Films besetzt, ist dies Chance und Gefahr zugleich. Neben Donzelli spielen vor allem die wohl bekannteste Akteurin des Films, Virginie Ledoyen (The Beach), als ihre Schwester Coco und Thomas Scimeca als ihr Ex-Mann auffällig.

Notre Dame ist sehr speziell inszeniert, allerdings hat Valérie Donzelli versucht, etwas gar viele Inszenierungs-Ideen im Film umzusetzen. Ob sie dies gemacht hat, um damit die etwas gar dünne Story zu kompensieren, sei dahingestellt. Selbst für einen knapp 90-minütigen Film scheint zu wenig Material im Drehbuch vorhanden gewesen zu sein. Immerhin gibt es ein paar wenige Szenen, die zum Schmunzeln anregen können. Und auch die Musik trägt ein wenig dazu bei, dass die 90 Minuten dann doch irgendwann vorbeigehen.

Zudem werden die Details von einigen Pariser Gebäuden sehr schön gezeigt. Einige der Szenen des Films wurden im Innern der Kathedrale Notre Dame gefilmt, bevor im April 2019 ein Grossbrand das historische Bauwerk teilweise zerstörte. Wer an der grossartigen Architektur der Pariser Bauwerke seine Freude hat und daran interessiert ist, welche verschiedenen Formen der Inszenierung gewählt werden können, für den könnte der Film etwas sein. Für diejenigen, die eine unterhaltsame Komödie sehen möchten, ist Notre Dame hingegen nur bedingt geeignet.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:50