Monos (2019)

Monos (2019)

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  2. 102 Minuten

Filmkritik: Fiebertraum im Dschungel

Zurich Film Festival 2019
Dschungelcamp
Dschungelcamp

Eine Gruppe von jugendlichen Guerillakämpfern hat den Auftrag, in einem abgelegenen Berggebiet die amerikanische Geisel «Doctora» (Julianne Nicholson) zu bewachen. Die jungen Wilden tragen Spitznamen wie «Hund», «Wolf», «Bigfoot» oder «Lady» und vertreiben sich die Zeit mit spielerischen Aktivitäten, teamfördernden Trainingsmethoden sowie rituellen Zeremonien. Als sie Besuch vom Kommandanten ihrer übergeordneten Organisation erhalten und von ihm geprüft werden, erteilt er ihnen einen weiteren wichtigen Auftrag. Er überbringt ihnen die Kuh «Shakira», welche von den Jugendlichen gut gehütet und regelmässig gemelkt werden soll. Unter keinen Umständen darf Shakira etwas zustossen.

Apocalypse Now
Apocalypse Now

Hund, der Anführer der Jugendlichen, nutzt die Gelegenheit, den Kommandanten zu fragen, ob er und Lady eine Liebesbeziehung eingehen dürfen. Da niemand etwas einzuwenden hat, erhalten sie vom Kommandanten seinen Segen. Während der Feierlichkeiten in der folgenden Nacht kommt es zu einem unglücklichen Ereignis, welches schwerwiegende Folgen hat und die Situation eskalieren lässt. Die Jugendlichen sehen sich gezwungen, ihren Standort zu verlassen und sich in den Dschungel zu begeben.

Alejandro Landes‘ Werk Monos ist ein fesselnder, atmosphärisch dichter und traumartig inszenierter Thriller. Spektakuläre Panoramabilder über dem Wolkenmeer in Kolumbiens Hochgebirge, rasante Verfolgungsjagden durch den Dschungel, skurrile Figuren und eine spannende Geschichte mit überraschenden Wendungen bieten ein atemberaubendes, surreales Filmerlebnis. In mehrfacher Hinsicht erinnert Monos an Francis Ford Coppolas Meisterwerk Apocalypse Now. Wie in dem Klassiker wird das Kriegselend auf originelle und bizarre Weise verarbeitet.

Während der letzten fünfzig Jahre kämpften in Kolumbien linke Guerillabewegungen gegen die kolumbianische Armee und rechtsgerichtete Paramilitärs. Mit involviert in die bewaffneten Konflikte sind zudem die Drogenkartelle. Im Jahre 2016 kam es zum Waffenstillstand und einem Friedensvertrag zwischen der FARC-EP, der grössten Guerillagruppe, und der Regierung. In diesem Jahr wurde der Vertrag jedoch bereits wieder aufgelöst, weil die Regierung ihre Versprechungen zur Armutsbekämpfung nicht einhielt.

Monos ist als eine Art Metapher für den bewaffneten Konflikt zwischen den Guerillakämpfern und der kolumbianischen Regierung zu betrachten, wobei der Film sich in keiner Weise auf Fakten bezieht. Den Wahnsinn und das Elend des Krieges verarbeitet er auf seine ganz eigene, originelle Weise. Wer gegen wen kämpft, spielt hier weniger eine Rolle. Es geht mehr darum, den nackten Überlebenskampf zu demonstrieren und aufzuzeigen, wie sich die Umstände auf die Menschen auswirken. Und bei der Darstellung dieser Auswirkungen hält sich Landes nicht zurück. Die Jugendlichen machen einen drastischen Wandel durch. Während sie zu Beginn noch spielend zu sehen sind, verfallen sie im Verlaufe des Films zunehmend dem Wahnsinn, bis sich einige gar in Bestien verwandeln. Der Konsum von Pilzen versetzt sie zudem in Rauschzustände, worauf sie ausgefallene Zeremonien abhalten.

Hautnah miterleben muss den ganzen Wahn die amerikanische Geisel «Doctora» - stark verkörpert von Julianne Nicholson. Dem Publikum dient sie als gute Identifikationsfigur. Ihre hoffnungslose Situation und ihre verstörten, hilflosen Blicke intensivieren die albtraumartigen Geschehnisse.

Unterstützt wird das Erzählte von einer umwerfenden Bildsprache und einem psychedelischen Synthie-Soundtrack. Mit seiner surrealen Wirkung, seinen prächtigen Panoramabildern und seinen skurrilen Figuren erinnert Monos unweigerlich an Francis Ford Coppolas Apocalypse Now.

/ gli