The Singing Club (2019)

The Singing Club (2019)

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  2. 112 Minuten

Filmkritik: Lasst uns zusammen singen, damit es möge ganz gut klingen!

Auf vier!
Auf vier! © Praesens Film

Uniformierte Männer und Frauen sind auf dem Weg zu ihrem Einsatz in Afghanistan. Die Stimmung der Ehefrauen auf der britischen Militärbasis ist bedrückt. Was gibt es für sie zu tun? Offiziersgattin Kate Taylor (Kristin Scott Thomas) kreuzt immer wieder die Klingen mit Lisa (Sharon Hogan). Beide versuchen so mit ihrer Anspannung umzugehen. Die Frauen treffen sich, um zu besprechen, was sie mit so viel leerer Zeit anfangen könnten. Stricken macht ihnen einfach zu wenig Spass und ihre Fingerfertigkeit wäre keine gute Basis dafür. Eine halb ernst gemeinte Idee sorgt bei den Frauen aber sofort für Begeisterung: Sie könnten gemeinsam singen. Keine von ihnen hat eine Ahnung von Musik, aber der Spass am Projekt ist sofort da.

Lasst uns eine Welle machen!
Lasst uns eine Welle machen! © Praesens Film

Die ersten Versuche sind harzig, denn die Frauen verkrampfen sich. Sie gehen spazieren, um sich zu entspannen. Unter einem Viaduktbogen gönnen sie sich eine Pause. Die hallende Akustik animiert sie zu Stimmversuchen und plötzlich erklingt eine tolle Stimme. Die Frauen merken, dass sie nicht die besten Musikerinnen sein müssen, um gemeinsam zu singen. Sie müssen die Musik und sich selbst spüren. Die spannende Entdeckungsreise kann losgehen.

Selten war Langeweile in einem Film so unterhaltsam inszeniert. Mit spielerischer Leichtigkeit erzählt Military Wives von den alltäglichen Herausforderungen, mit denen die Ehefrauen konfrontiert sind. Mit dem Beginn des gemeinsamen Singens im Chor beginnt der Spass erst recht. In dieser Komödie ist alles an seinem Platz. Der Regisseur von The Full Monty sorgt damit erneut für ein Highlight auf der grossen Leinwand.

Newcomerin Roseanne Flynn hat gleich bei ihrem Spielfilmdebüt ein hochstehendes Drehbuch geschrieben. Sie hat den komplexen Gefühlszustand der Ehefrauen auf der Militärbasis in bodenständige und auf den Punkt gebrachte Dialoge umgesetzt, die stets mit einer Prise Humor versetzt sind. Typisch britisch eben. Die Schauspielerinnen haben grossen Spass am Spielen, was in jeder Szene sichtbar ist. Besonders Kristin Scott Thomas geht in ihrer Rolle auf. Hinter der äusseren Bravour von Kate Taylor nagt etwas an ihrer Seele. Scott Thomas spielt diese innere Zerrissenheit mit viel Tiefgang und Raffinesse.

Die Frauen haben ein gemeinsames Ziel und ziehen am gleichen Strick. Sie merken, dass sie ihre Sorgen und Ängste selbst tragen müssen, aber dass sie dabei einander Windschatten geben können. Keine der Frauen versteht am Anfang etwas von Musik. Ihr Learing by Doing ist voll von amüsanten Szenen, und besonders Kate, die krampfhaft versucht, eine Dirigentin zu sein, sorgt für viele herzhafte Lacher. Sie spielt ihre Figur aber mit breiten Schultern, und oft haben die Zuschauer dabei ein lachendes und ein weinendes Auge.

Als sich die Frauen entscheiden, für den grossen Auftritt selbst ein Lied zu schreiben, entsteht ein Höhepunkt des Films. Sie müssen sich mit ihren Selbstzweifeln und Verlustängsten auseinandersetzen. Während der Entstehung des Liedes fällt ganz nebenbei ein Satz: «Wenn das Lied nicht toll ist, ist es wenigstens von uns.» Die Ehefrauen geben dem ein Gesicht, was sie in ihrem tiefsten Innern bewegt. Sie können so auch Dampf ablassen und ihre angestaute Anspannung kann raus. Dieser Film von Peter Cattaneo (The Full Monty) macht ganz viel Spass und hat auch eine unglaublich grosse inhaltliche Dichte.

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss, aber er hat diese Zeit genossen. Er liebt die grosse Anzahl an denkwürdigen Filmen, aber drei Leute bilden für ihn das Triumvirat: Sergio Leone, Robert De Niro und Marlon Brando.

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Kommentare Total: 2

Granunaile

Ein netter Film ohne Tiefgang. Es reicht eben nicht aus, eine Hauptrolle mit einer Spitzenschauspielerin, hier Kristin Scott Thomas, zu besetzen.

gia

Filmkritik: Lasst uns zusammen singen, damit es möge ganz gut klingen!

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