Midway (2019)

Midway (2019)

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  3. 138 Minuten

Filmkritik: The Patriots

Bitte den Piloten nicht füttern, sonst kotzt er später ins Flugzeug.
Bitte den Piloten nicht füttern, sonst kotzt er später ins Flugzeug.

Nach dem verheerenden Angriff am 7. Dezember 1941 auf die Pazifikflotte in Pearl Harbor schwören die US-Amerikaner Vergeltung gegenüber den Japanern. Doch von der Feuerkraft her sind die USA ihrem Gegner momentan deutlich unterlegen. Etwas, dass auch das Flieger-Ass Dick Best (Ed Skrein) und seine Mannen erkennen müssen. So schaffen sie es jeweils nur aufgrund ihrer sensationellen Flugkünste und mit einer guten Portion Glück, ihre vereinzelten Angriffe auf die Japaner zu überleben.

Mut antrinken?
Mut antrinken?

Die einzige Hoffnung auf einen Sieg auf hoher See besteht darin, die Japaner in eine Falle zu locken, um dann deren mächtige Seeflotte zu versenken. Unter dem Befehl von Chester W. Nimitz (Woody Harrelson) versucht der Offizier Edwin T. Layton (Patrick Wilson), abgefangene Funksprüche der Japaner zu entschlüsseln, um den Plan umzusetzen. So kommt es schliesslich im Juni 1942 zur Schlacht um Midway.

Roland Emmerich bringt die Schlacht von Midway mit spektakulären Fliegerszenen auf die Leinwand. Dabei hält sich der Regisseur nahe an die historischen Fakten und bietet somit einige Handlungsorte sowie viele Helden, jedoch nicht viel Tiefgang. Kein zweiter Dunkirk, aber wer schon des Regisseurs The Patriot mochte, wird hier seine Freude haben.

Blockbuster-Spezialist Roland Emmerich hat sich nach The Patriot mit Midway erneut die US-amerikanische Geschichte vorgenommen, genauer gesagt einer vorentscheidenden Schlacht im Zweiten Weltkrieg. Das bringt der schwäbische Regisseur mit atemberaubenden Flugmanövern spektakulär auf die Leinwand, und die Liebe zum Detail bei der Ausstattung ist beeindruckend.

Es ist dies nicht das erste Mal, dass die Schlacht um Midway auf die grosse Leinwand gebracht wird. Unter anderem gab es die Version von 1976 mit Charlton Heston, Henry Fonda und James Coburn. Auch dort wurde schon auf kernige Helden gesetzt, die in die Schlacht zogen, wobei beim Film von Jack Smight auch eine Lovestory zwischen einem Amerikaner und einer Japanerin Platz hatte, um dem Ganzen noch etwas emotionalen Pfeffer zu geben. Darauf verzichtet Emmerich fast komplett. Zwar darf Ed Skreins Pilot Dick Best (einen Herrn mit diesem Namen hat es tatsächlich gegeben) eine besorgte Frau und eine kleine Tochter haben, doch das wäre es eigentlich schon mit dem Drama-Potential. Stattdessen interessierten Emmerich und sein Autor Wes Tooke vor allem die Schlachten - neben dem Kampf auf hoher See ist auch die Attacke auf Pearl Harbor zu sehen - und auf einen historisch korrekten Ablauf der Ereignisse. So kommt es, dass der Bombenangriff auf Tokio auch im Film vorkommt und dafür gerade einmal 15 Minuten aufgewendet werden. Auch der Tatsache, dass Meisterregisseur John Ford (The Grapes of Wrath) während dieser Zeit seinen Oscar gekrönten Dokumentarkurzfilm The Battle of Midway gedreht hat, wird Tribut gezollt.

Bei einem derart gedrängten Programm bleiben die Figuren oberflächlich. Der bereits angesprochene Skrein ist blass in der Rolle des tollkühnen Piloten und man wird das Gefühl nicht los, dass ein paar Szenen mit Patrick Wilsons Strategen Edwin Layton fehlen. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor verkündet dieser Layton nämlich, dass er vor einem Angriff der Japaner gewarnt hätte. Eine reine Behauptung, denn sehen wir diese Warnungsszenen nicht.

Aber Emmerichs Stärken liegen ohnehin in der Inszenierung von Action. Zwar sehen einige visuellen Effekte aufgrund des vergleichsweisen tiefen Budgets von 100 Millionen Dollar etwas unbefriedigend aus, aber wenn die Piloten beim Sturzflug gezeigt werden, bietet das genug Nervenkitzel, um über einige Schwächen hinwegzusehen. In einer Liga mit Christopher Nolans Dunkirk spielt Emmerichs Werk zwar nicht, aber Blockbuster-Fans werden hier trotzdem auf ihre Kosten kommen.

/ crs