Mein Ende. Dein Anfang. (2019)

Mein Ende. Dein Anfang. (2019)

Filmkritik: Not so dark

2. OutNow Film Festival 2021
Am letzten Schliff.
Am letzten Schliff. © EuroVideo Medien GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Hätte es damals nicht geregnet, wären sich Nora (Saskia Rosendahl) und Aron (Julius Feldmeier) nie in der U-Bahn begegnet - und wären nie zum Paar geworden. Ein Zufall stand am Anfang ihrer Beziehung, und ein tragischer Zufall besiegelt auch deren Ende: Als sie sich in einer Sparkasse befinden, überfallen zwei maskierte Männer die Filiale. Als Nora versucht, heimlich die Polizei zu alarmieren, wird sie von einem der Räuber entdeckt. Aron will ihr zu Hilfe eilen, wird aber von einem Schuss tödlich verletzt. Nora muss fortan mit einer unfassbaren Trauer fertigwerden, während sie sich an die schönen, verliebten Tage in der Vergangenheit erinnert.

Wer gewinnt den Böse-Dreinschau-Wettbewerb?
Wer gewinnt den Böse-Dreinschau-Wettbewerb? © EuroVideo Medien GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Den jungen Familienvater Natan (Edin Hasanovic) plagen derweil andere Sorgen: Seine kleine Tochter ist an Leukämie erkrankt. Für ihre Therapie benötigt sie teure Medikamente, die zum Glück über die Versicherung seines Arbeitgebers gedeckt ist. Doch als er wegen einer Lappalie seinen Job verliert, drohen ihm die finanziellen Mittel auszugehen. Als er eines Tages Nora vor einem heranfahrenden Auto rettet, kommen sich die beiden vom Schicksal geprüften Menschen langsam näher. Doch können sie sich von ihrer Vergangenheit lösen?

Beginnt wie Dark, endet wie Verbotene Liebe: Mit ihrem Debütfilm präsentiert Mariko Minoguchi eine melodramatische Liebesgeschichte mit einem Schuss extistentialistischer Philosophie. Der Film gibt sich am Anfang rätselhaft und mysteriös, entpuppt sich aber je länger, je mehr als ziemlich konventionelles und vorhersehbares Drama, das zwar ein wenig das Herz, jedoch nicht das Hirn stimuliert. Entgegen dem Versprechen im Titel ist Mein Ende. Dein Anfang. kein Film, den man nach dem Ende gleich nochmals schauen möchte.

Als in der Eingangsszene der von Julius Feldmeier gespielte Physikstudent Aron in einer Uni-Vorlesung seine Theorien über den Zufall und der Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft darlegt, wähnt man sich beinahe in einem Neuaufguss von Dark - jener gefeierten deutschen Netflix-Serie also, die auf virtuose Weise solche abstrakten Konzepte zu einer vertrackten Geschichte verarbeitete. Nun, so vertrackt wird Mein Ende. Dein Anfang. - nur echt mit den Punkten hinter den Substantiven! - dann freilich nicht.

In einer zeitversetzten Erzählweise zeigt der Film Noras und Arons gemeinsame Zeit vor dessen Tod sowie ihre Zeit danach. Gleichzeitig erzählt er die Geschichte von Natan und dessen Kampf um die Therapie seiner Tochter. Während anfangs durch bewusst bruchstückhafte Informationen einiges noch unklar bleibt, offenbart sich den Zuschauern sehr bald, aber spätestens nach der Mitte des Filmes, worauf die Geschichte hinausläuft. Dieser «Mini-Twist» ist reichlich vorhersehbar - worauf allerdings nicht sicher ist, ob es denn wirklich als Twist angelegt war.

Die Spannung ist in diesem Moment jedenfalls nicht mehr oder nur noch beschränkt vorhanden, stattdessen geht der Debütfilm der deutschen Regisseurin Mariko Minoguchi eher in Richtung des (Melo-) Dramas. Durchaus ansprechend inszeniert ist der Kontrast zwischen den unbeschwerten Szenen aus der Vergangenheit und denjenigen aus der Gegenwart, in denen Nora mit ihrer Trauer fertigwerden muss. In diesen Momenten können die Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl sowie ihre beiden Kollegen Edin Hasanovic und Julius Feldmeier ihre schauspielerischen Qualitäten unter Beweis stellen und für den einen oder anderen berührenden Moment sorgen. Zumindest bevor ein seltsames Ende diese traurig-melancholische Stimmung wieder zunichte macht.

Denn am Schluss versucht Mein Ende. Dein Anfang. (der Filmtitel ist genauso symbolschwanger wie die Namen der Charaktere) dann wieder den Rank zum philosophischen Unterbau zu kriegen, den er sich am Anfang gelegt hat. Und dies erfolgt nicht nur überdramatisch, sondern auch reichlich überhastet. So hinterlässt der Film anstatt eines cleveren eher einen leicht kitschigen Gesamteindruck. So richtig «dark» war das alles dann leider doch nicht.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Twitter
  6. Instagram
  7. Letterboxd