In a Whisper - A media voz (2019)

In a Whisper - A media voz (2019)

  1. , ,
  2. 80 Minuten

Filmkritik: Eine wie keine

Da war die Welt noch in Ordnung.
Da war die Welt noch in Ordnung. © Solothurner Filmtage

Kuba im Jahr 1988. Patricia Pérez Fernández und Heidi Hassan, beide Jahrgang 1978, sind unzertrennlich als Kinder, wo sie zuerst die gemeinsame Liebe zum Schwimmen vereint und später die Liebe zum Film. Sie studieren beide an der internationalen Filmschule in San Antonio de los Baños bei Havanna. Sie drehen zusammen Kurzfilme. Doch ihre Freundschaft zerbricht, als Patricia nach einem Aufenthalt an einem Filmfestival in Holland nicht mehr nach Kuba zurückkehrt und mit Hilfe ihrer Cousine nach Spanien flieht.

Ich glaub mich knutscht ein Elch.
Ich glaub mich knutscht ein Elch. © Solothurner Filmtage

Heidi Hassan wollte eigentlich in Kuba bleiben, um Veränderungen im Land voranzutreiben. Doch nach einem Jahr verlässt auch sie desillusioniert Kuba und geht nach Genf. 15 Jahre später finden die beiden Frauen wieder zueinander und tauschen sich mittels Brief- und Videobotschaften aus.

Der Dokumentarfilm A media voz zeigt das intime Porträt zweier Freundinnen, die in ihrer Heimat Kuba zusammen durch dick und dünn gegangen sind. Der Film hat einige sehr schöne Bilder, teilweise kann man dem Ablauf aber nur schwer folgen. Wer von den beiden ist nun Heidi, wer Patricia? Wer ist nun gerade wo, Spanien, Kuba, Schweiz? Da werden die Zuschauenden leider nur eingeschränkt mitgenommen.

Mit A media voz versuchen die beiden Regisseurinnen Heidi Hassan und Patricia Pérez Fernández ihr anfänglich gemeinsames und danach für 15 Jahre getrenntes Leben zu porträtieren. Dies gelingt nur sehr eingeschränkt. Leider wird von ihrem tatsächlichen Leben nicht viel gezeigt, von ein paar Mojito-Verkaufs-Touren und ähnlichem einmal abgesehen. Die beiden sprechen sehr oft abseits der Kamera und es ist teilweise unklar, wer gerade spricht, geschweige denn, wo sie sich gerade befinden. Dadurch kann es passieren, dass man an den beiden Protagonistinnen zwischenzeitlich etwas das Interesse verliert.

Es passiert auch schon mal, dass der Film minutenlang Füsse zeigt, mal in Schuhen, mal nackt, weder mit Dialogen noch mit Sound unterlegt, von ein paar Zugfahr-Geräuschen abgesehen. Nur um dann die gleichen Szenen, wenn auch verkürzt, auf einer Leinwand nochmals zu sehen. Immerhin spürt man durch eine oder zwei Aussagen, dass die beiden ein sehr inniges Verhältnis zueinander haben oder zumindest hatten. Als Kinder hatten sie die Idee, später ihre Kinder miteinander zu verheiraten, damit sie gemeinsam Grosi sein könnten. An einer anderen Stelle kommt die Aussage «Nicht mal die Verwirrtheit des Alters soll uns trennen». Auch ihr fast schon zwanghaftes Verhalten, fast alles zu filmen, nimmt man den beiden Frauen ab.

Es ist zweifellos ein sehr intimes Porträt der beiden. Da reflektieren sie über Entwurzelung, es geht um Liebe, um Muttersein. Aber dafür, dass Film ein visuelles Medium ist, wird leider sehr wenig gezeigt. Aber vor allem sind es 80 unendlich lange Filmminuten.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. facebook
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd