Le Mans '66 (2019)

Le Mans '66 (2019)

Le Mans 66: Gegen jede Chance
  1. , ,
  2. 152 Minuten

Filmkritik: Miles Ahead

44th Toronto International Film Festival
Batman and Mattman
Batman and Mattman

1964: Dem Automobilhersteller Ford geht es gar nicht gut. 65 Jahre nach der Gründung durch Henry Ford sind die Verkaufszahlen richtig mies und verzweifelt versuchen die Verantwortlichen das Ruder herumzureissen. Die Marketingabteilung kommt schliesslich auf die Idee, dass Ford doch beim 24-Stunden-Rennen im französischen Le Mans antreten könnte. Der Plan wird weiterverfolgt und sogar eine Kooperation mit Ferrari in Betracht gezogen. Der Rennstahl von Enzo Ferrari gewann in den letzten paar Jahren schliesslich immer das prestigeträchtige Rennen.

Gwunne hämer - händs eus gseit.
Gwunne hämer - händs eus gseit.

Doch als Enzo stattdessen eine Partnerschaft mit Fiat eingeht, will es Henry Ford II (Tracy Letts) den Italienern jetzt richtig zeigen. Der ehemalige Rennfahrer Carroll Shelby (Matt Damon) erhält eine Carte Blanche, damit Ford in Le Mans triumphiert. Shelby engagiert daraufhin die Dienste des britischen Rennfahrers Ken Miles (Christian Bale), der jedoch in der Branche nicht gerade als der Pflegeleichteste gilt. Zusammen wollen sie Ford zum Titel verhelfen. Etwas, das ihnen durch Machtspiele und Marketingüberlegungen bei Ford nicht einfach gemacht wird.

Matt Damon und Christian Bale brillieren als rebellische Autobauer in James Mangolds Rennfahrer-Film Le Mans '66, der mit einer tollen Inszenierung, dem Humor und dem Kampf zweier Getriebener gegen Anzugsträger nicht nur Autofans ansprechen wird, sondern alle, die einfach gerne gute Filme sehen. Trotz einer Spielzeit von 152 Minuten gibt es keine Längen, denn das Ganze ist durchgehend unterhaltsam. Oder um es im Rennfahrer-Jargon zu sagen: ein ungefährdeter Start-Ziel-Sieg.

Nein, in Ford v Ferrari - so der Originaltitel - knallen mal abgesehen von den Autos auf der Rennstrecke nicht Ford und Ferrari direkt aufeinander, wie dies im anderen "V-Film" Batman v Superman der Fall war. Es geht um den Kampf der Autogiganten beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans im Jahre 1966. In Europa trägt der Film deshalb den Titel Le Mans '66 - für die Amis wohl eine Spur zu französisch. Dabei ist aber auch der europäische Titel nicht optimal. Das Ziel für die Figuren mag zwar schon das Rennen sein, doch ist dies vor allem die Geschichte einer Männerfreundschaft zwischen zwei rebellischen Getriebenen, die trotz der Involvierung von Grossfirmen ihr Ding durchziehen möchten. "Shelby and Miles vs. the World" wäre der bessere Titel gewesen.

Doch genug über den Titel lamentiert, denn dieser ist eigentlich fast der einzige Kritikpunkt, den man James Mangolds Rennfahrer-Film vorwerfen kann. Für Mangold ist dies übrigens der erste Film seit 2010 ohne Hugh Jackmans Wolverine, dessen Geschichte er so genial mit dem brutalen und emotionalen Logan abgeschlossen hat. Die übernatürlichen Elemente hat er hier wieder auf die Seite geschoben mit seinem wunderschön altmodisch wirkenden Rennfahrerfilm, der mit seiner Inszenierung, seinem Setting und den kantigen Kerlen an grosse Hollywood-Filme wie The Right Stuff erinnert und sogar Ron Howards hochgelobten Formel-1-Streifen Rush überholt.

Gross bzw. lang wirkt auf den ersten Blick auch die Laufzeit von 152 Minuten. Doch ist sie eigentlich nie zu spüren, da Mangold während seiner Erzählung eigentlich wie Ken Miles fast immer Vollgas gibt. Das Erzähltempo ist zackig, aber nie ermüdend und es macht einfach eine grosse Freude, diesen Schauspielern zuzusehen. Matt Damon ist wie immer äusserst zuverlässig in seinem Spiel und hat mit Christian Bale eine tolle Chemie. Der gebürtige Waliser Bale hat für die Rolle des Ken Miles mal wieder ordentlich an Gewicht verlieren müssen. Nachdem er sich für die Darstellung von Dick Cheney in Vice massenhaft Gewicht anfutterte, verlor er für Le Mans '66 innert sieben Monate wieder über 30 Kilos. Der Einsatz hat sich gelohnt.

Miles mag auf den Papier zwar wie ein soziopathisches Arschloch klingen, doch kämpft er eigentlich nur für seinen Traum. Dies bringt die Zuschauer schnell auf seine und Shelbys Seite, wobei sich die beiden in einer herrlichen Szene auch mal verkloppen dürfen. Hinzu kommen dann noch böse Anzugsträger aus dem Hause Ford, welche eigentlich nur aus Marketinggründen nach Le Mans wollen und glauben, dass ihre Angestellten auf der Rennstrecke ihnen folgen müssen. So hofft man, dass es die beiden Rennfahrer den Snobs, die während dem 24-Stunden-Rennen auch mal mit einem Helikopter den Ort des Geschehens verlassen, so richtig zeigen werden. Mit dem immer wieder eingestreuten Humor und dem gelungenen, weil lüpfigen Score von Marco Beltrami ergibt das so einen durch und durch sympathischen Film, bei dem sich in der Mitte langsam ein Lächeln auf dem Gesicht des Zuschauers bildet: «Verdammt, ist das gut!», werden sich viele denken. Le Mans '66 ist allerbeste Unterhaltung und einer der besten Filme des Kinojahres 2019.

/ crs