Maleficent: Mistress of Evil (2019)

Maleficent: Mistress of Evil (2019)

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  3. 119 Minuten

Filmkritik: Clash of Queens

Die Schöne und das Schwiegermonster
Die Schöne und das Schwiegermonster

Fünf Jahre ist es her, seit die dunkle Fee Maleficent (Angelina Jolie) den grausamen König besiegt und ihre Patentochter Aurora (Elle Fanning) zur Königin der verzauberten Moore gemacht hat. Wenig begeistert ist sie allerdings, als Prinz Philip (Harris Dickinson) seiner geliebten Aurora einen Heiratsantrag macht. Denn die Eltern des zukünftigen Bräutigams, König John (Robert Lindsay) und Königin Ingrith (Michelle Pfeiffer), wollen die Braut und ihre Ziehmutter unbedingt kennenlernen. Zähneknirschend lässt sich Maleficent auf ein Kennenlern-Abendessen am Hofe ein und bedeckt dafür sogar brav ihre Hörner.

Hagrids neuste Attraktion sprach nicht nur Ornithologen an.
Hagrids neuste Attraktion sprach nicht nur Ornithologen an.

Doch das Aufeinandertreffen der beiden Familien steht unter keinem guten Stern, denn Maleficent und Ingrith können sich nicht ausstehen. Als dann auch noch der König urplötzlich zusammenbricht, wird Maleficent umgehend beschuldigt, ihn verflucht zu haben, sodass sie fliehen muss und sich sogar Aurora von ihr abwendet. Noch ahnt niemand, dass längst ein finsterer Plan in Gang gesetzt wurde, um Maleficent und die anderen Feenwesen für immer loszuwerden. Doch für die sich anbahnende Schicksalsschlacht zwischen Menschen und Feenwesen erhält Maleficent ganz unerwartete Unterstützung.

Wie schon im Vorgängerfilm erzählt auch die Fortsetzung von Disneys Dornröschen-Neuinterpretation trotz des markigen Titels nicht die Geschichte eines Bösewichts, sondern spinnt ein gefälliges Fantasyabenteuer um eine vielfach verleumdete Feengestalt. Erneut wird diese von Angelina Jolie in tollem Design und mit unverkennbarer Coolness überzeugend verkörpert. Obgleich des für ein Disney-Märchen erstaunlich hohen Body Counts unterhält der Film dank zauberhafter Schauwerte, einem aktiveren Paar im Zentrum und der fabelhaften Michelle Pfeiffer, die wiedermal herrlich fies sein darf.

Unter den zahlreichen Trickfilmremakes, die Disney in den letzten Jahren auf den Markt geworfen hat, sticht Maleficent positiv heraus. Zwar handelt es sich bei der etwas anderen Variante von Dornröschen keineswegs um einen perfekten Film, jedoch ist es eindeutig jenes Disney-Remake, das am meisten Mut gezeigt hat. Anstatt die bekannte Geschichte einfach in neuer Medialität noch einmal zu erzählen, rückte der Regie-Erstling und Visual-Effects-Spezialist Robert Stromberg die Bösewichtin ins Zentrum und machte aus ihr eine unverstandene, durchaus sympathische Heldin. Dieses fast schon feministische Gegen-den-Strich-Lesen des Märchens kam beim Publikum so gut an, dass schon bald eine Fortsetzung angekündigt wurde.

Das vom norwegischen Regisseur Joachim Rønning (Kon-Tiki, Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales) inszenierte Sequel hat dann mit Dornröschen auch gar nicht mehr viel zu tun. Eigentlich muss man den Vorgängerfilm nicht mal gesehen haben - Vorwissen aus dem ersten Film braucht es höchstens, um die enge Beziehung zwischen Aurora und Maleficent zu verstehen. Diese Mutter-Tochter-Beziehung wird hier weiter ausgebaut und sorgt letztlich auch immer wieder für rührende Momente. Ansonsten kann man sich das Ganze auch einfach als actiongepackten Fantasyfilm zu Gemüte führen, ohne Näheres über das Vorleben der Figuren zu wissen.

Rein optisch weiss der Film immer wieder zu bezaubern: Die vielen Feenwesen bieten ein märchenhaftes Bildspektakel und sind zum Glück nur punktuell etwas zu zuckersüss geraten; gerade auf die drei leider immer noch recht schwach animierten Feen hätte getrost verzichtet werden können. Viel überzeugender sind da die dunklen Feen, die aber nicht digital animiert sind, sondern weitgehend durch Make-up und Kostüme in Szene gesetzt wurden. So fiebert man bald mit den beeindruckenden Fabelwesen im Kampf gegen die engstirnigen Menschen mit. Die verschiedenen Kampfsequenzen sind dabei zwar Disney-typisch ohne Ausnahme blutlos inszeniert, trotzdem verlieren erstaunlich viele Figuren im Laufe der Kampfhandlungen ihr Leben. Für kleine Zuschauer ist der Film deshalb nicht ohne Weiteres zu empfehlen.

Rein storymässig gibt es wenige Überraschungen, den meisten dürfte schnell klar sein, wo das Ganze hinführt. Positiv fällt hingegen die Figurenzeichnung auf: Neben der wie immer tollen Angelina Jolie, deren Coolness etwa so scharf ist wie ihre unheimlich eckigen Wangenknochen, dürfen endlich auch mal "Dornröschen" und ihr neu gecasteter Prinz (Brenton Thwaites wurde durch Harris Dickinson ersetzt) etwas aktiver handeln und um ihr eigenes Schicksal kämpfen. Eines der absoluten Highlights des Filmes ist aber natürlich Michelle Pfeiffer, die hier an ihre grossartigen Rollen als Bösewicht (Hairspray, Stardust) anknüpft und mit Engelsgesicht und grossartigen Kostümen den menschlich-bösen Gegenpol zu den fliegenden, krabbelnden und flatternden Fabelwesen gibt.

/ pps

Kommentare Total: 2

muri

Pfeiffer und Jolie passen hevorragend in ihre Rollen - das erste Aufeinandertreffen ist vor Kälte kaum zu übetreffen. Auch die Kamerafahrten und die Dekoration sind überdurchschnittlich gut gelungen. Trotzdem, die Story lässt kalt, die Figuren bleiben kaum weiter entwickelt und wenn Disney am Ende aus den "Vollen" schöpft, dann langweilt der Film sogar ein bisschen.

Hier hat man IMO verpasst, einen Schritt in eine Richtung zu machen, in welcher man Neuerungen, Überraschungen und sogar etwas "Disney-Grusel" hätte platzieren können. So ist es halt einfach ein Familienfilm geworden, der zwar schöne Gestalten zeigt und die Jolie mal wieder ins Kino bringt, aber mehr hat man sich dann doch nicht getraut. Schade eigentlich...

pps

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