Lunana: A Yak in the Classroom (2019)

Lunana: A Yak in the Classroom (2019)

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  2. 110 Minuten

Filmkritik: Gibt es in den Bergen eine YAKuzi?

Sie ist hier der Boss.
Sie ist hier der Boss. © trigon-film

Ugyen kann es kaum erwarten, seine Ausbildung zum Lehrer abzuschliessen und seine Heimat Bhutan zu verlassen. Er beantragt ein Visum, um nach Australien zu reisen. Dort möchte er einen Traum erfüllen und sein Glück als Sänger versuchen. Bevor es so weit ist, wird er jedoch noch an eine neue Schule in Lunana geschickt.

Das abgelegenste Klassenfoto der Welt.
Das abgelegenste Klassenfoto der Welt. © trigon-film

Die abgelegenste Schule der Welt liegt weit oben in den Bergen, und schon die mühselig anstrengende Reise dorthin missfällt dem jungen Lehrer. Anstatt sich mit seinen Begleitern zu unterhalten, hört er lieber ununterbrochen Musik von seinem iPod und verpasst so die wunderschöne Umgebung. Einmal am Ziel angekommen, freundet er sich aber rasch mit dem ruhigen Lebensstil und den lernbegeisterten Kindern seiner Schule an.

Obwohl die Entwicklung der Hauptfigur schneller als das langsame Erzähltempo voranzuschreiten scheint, ist Lunana: A Yak in the Classroom ein wunderschöner, poetischer Film. Er zeigt, dass auch einfachste Lebensweisen Menschen glücklich machen können und die Reizüberflutung in den Grossstädten dieser Welt nicht unbedingt erstrebenswert ist. Wie Protagonist Ugyen könnte man noch lange in der Bergwelt von Lunana verweilen, die durch die tolle Kameraarbeit greifbar in Szene gesetzt worden ist. Es bleibt also ein melancholisches Gefühl am Ende des Filmes - ein Heimweh. Dass dies dem Film nach weniger als zwei Stunden Laufzeit gelingt, ist bemerkenswert.

Es überrascht nicht, dass dieser Film bereits an einigen Festivals mit Publikumspreisen ausgezeichnet wurde. Er nimmt das Publikum mit auf eine Reise, die noch lange nach dem Abspann in Erinnerung bleibt. Von Anfang an sehen wir die Welt durch die Augen des Protagonisten, der sich erst einmal von der Aussenwelt abschotten möchte und lieber seine Musik auf den Ohren haben möchten. Wie viele von uns lebt er nicht im Hier und Jetzt, sondern hat einen Drang nach Dauerberieselung und Unterhaltung. Erst als er die Kopfhörer ablegt und innehält, öffnet sich ihm die Welt.

Pawo Choyning Dorji setzt in seinem ruhigen Film vermehrt Laiendarstellerinnen und -darsteller ein und gibt dem Film so einen naturalistischen Touch, der durchaus mit Werken von Chloe Zhao oder Ramin Bahrani verglichen werden darf. Nach kürzester Zeit ist man transportiert in diesen stillen Ort in den Bergen, wo Strom nur ab und zu vorhanden ist und Yak-Mist zu den wertvollsten Gütern gehört. Die Kinder, die im Film mitwirken sind enorm gut gecastet und Klassensprecherin Pem Zam stiehlt allen die Show.

Der Sinneswandel von Ugyen mag auf den ersten Blick etwas rasch geschehen, da er ohne grosse Worte oder Beschreibungen stattfindet. Die Unterrichtsszenen zeigen uns auch nur rudimentär, wie er eine Beziehung zu seinen Schülerinnen und Schülern aufbaut. Dennoch schleicht sich dieses Gefühl der Ruhe und des Selbstfriedens, die er hoch oben in den Bergen erfährt, auch beim Publikum ein und findet gegen Ende einen emotionalen Höhepunkt, der tief im Herzen mitschwingt.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Jetzt auf Grossleinwand!

Der Film läuft aktuell an folgenden Tagen in den Schweizer Kinos:

Ausserdem kannst du ihn Openair sehen, das nächste Mal am 1. Juli 2021.

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:30