Lucy In The Sky (2019)

Lucy In The Sky (2019)

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  2. 124 Minuten

Filmkritik: Houston, wir haben ein Problem mit diesem Film

44th Toronto International Film Festival
Lucy Cola, nicht Pepsi.
Lucy Cola, nicht Pepsi. © Courtesy of TIFF

Die Astronautin Lucy Cola (Natalie Portman) kehrt nach einer Mission im Weltall wieder auf die Erde zurück, wo sie von ihrem liebevollen Ehemann Drew (Dan Stevens) und ihrer Nichte Blue Iris (Pearl Amanda Dickson) empfangen wird. Doch allzu lange möchte Lucy nicht auf dem blauen Planeten bleiben. Es scheint etwas mit ihr im Weltall passiert zu sein. Sie sei dort oben in der Stille mit dem Blick auf die Erde richtig glücklich gewesen. So beginnt sie sofort mit dem Training, um bei einer nächsten Weltall-Mission wieder in der Rakete zu sitzen.

Immer mehr scheint Lucy dabei die Verbindung zum Hier und Jetzt, sowie zu ihren Liebsten zu verlieren. Sie beginnt sogar eine Affäre mit dem Astronauten-Kollegen Mark Goodwin (Jon Hamm). Als Mark dann aber mit der Astronautin Erin Eccles (Zazie Beetz) anbandelt, die auch eine Kandidatin für die nächste Mission ist, dreht Lucy langsam aber sicher durch.

Houston, wir haben ein Problem mit diesem Film. Noah Hawleys Astronauten-Drama beginnt interessant, schleppt sich dann jedoch sehr langsam durch eine lahme Story, die melodramatisch endet und so dem starken Anfang nicht gerecht wird. Eine frustrierte Angelegenheit, denn es wäre alles dagewesen, um ein aufwühlendes Filmerlebnis zu schaffen. Herausgekommen ist ein Werk, das am Schluss so unbedeutend wirkt, wie Lucy das Leben auf der Erde nach ihrer Mission sieht.

Nachdem er mit den TV-Serien Fargo und Legion grosse Erfolge feierte, greift Noah Hawley nun nach den Sternen - und mit ihm Natalie Portman in dem Astronauten-Drama Lucy in the Sky.

Hawleys Spielfilmdebüt beginnt mit wunderschönen Bildern aus dem Weltall, welche an jene traumhaften aus Gravity erinnern. Der hier gezeigte Blick auf unseren blauen Planeten ist atemberaubend, jedoch für Lucy umso fataler. Denn das Leben Zuhause ist nach einer solchen Erfahrung einfach nur banal und nichtssagend. Portmans Astronautin sucht so in den folgenden zwei Stunden nach Kicks, die dem entsprechen könnten, was sie in diesen Anfangsmomenten des Filmes fühlte - und erhofft sich dies unter anderem vom Penis von Jon Hamms Astronauten, der einer Actionfigur ähnelt, die dafür lebt, schnell zu sein. Das sind nicht unsere ungehobelten Worte, sondern jene von Lucy Grossmutter, welche von Ellen Burstyn mit Freude gespielt wird.

Burstyn ist als einzige für Lacher zuständig, denn Lucy in the Sky ist ein Drama, welches von wahren Begebenheiten inspiriert wurde - auch wenn dies weder zu Beginn noch beim Abspann von den Machern erwähnt wird. Lucy Cola steht hier für die Astronautin Lisa Nowak, die wegen aus Eifersucht ausgelösten Taten 2007 einen Skandal auslöste. Nowak wurde später für versuchte Entführung, bewaffneten Diebstahl und Körperverletzung angeklagt. Auf diesen Skandal arbeitet der Film auf mühsame und anstrengende Weise hin und wird gegen Ende hin immer melodramatischer. Wie schon Trey Edward Shults in Waves versucht auch Hawley die Gefühlswelt der Protagonisten mit dem Bildformat zu unterstreichen. Mal sind die schwarzen Balken oben und unten, mal links und rechts. Lucy wirkt so wie eine Gefangene in ihrer eigenen Welt. Doch die Seitenverhältnisse wechseln zu oft, sodass es schnell mal zu nerven beginnt - wie auch der ganze Film mit seiner Symbolik (Schmetterlinge spielen eine grosse Rolle) und einer peinlichen Szene, in welcher Lucy zu einer Cover-Version des Beatles-Hits "Lucy In The Sky With Diamonds" durch die Szenerie gleitet.

Hawley spielt hier sicherlich mit interessanten Elementen, doch bringt er diese nie zu einem überzeugenden Ganzen zusammen. Auf den Mond schiessen möchte man Lucy in the Sky zwar nicht, aber ein guter Film sieht anders aus.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Englisch, 02:30