Little Women (2019)

Little Women (2019)

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  2. 134 Minuten

Filmkritik: March for Women's Rights

Jetzt bloss keine falsche Bewegung.
Jetzt bloss keine falsche Bewegung.

Amerika während des Bürgerkriegs: Die vier Schwestern Jo (Saoirse Ronan), Amy (Florence Pugh), Beth (Eliza Scanlen) und Meg (Emma Watson) leben mit ihrer Mutter (Laura Dern) zusammen in einem kleinen Haus, während der Vater (Bob Odenkirk) für den Norden gegen die Sklaverei kämpft. Das Leben ist zwar nicht gerade leicht für die Frauen, doch machen sie das Beste draus. Vor allen Jo hat eine unbändige Energie, welche sie unter anderem für das Schreiben von kurzen Theaterstücken einsetzt. So passt es dann auch, dass ihr grösster Traum es ist, eines Tages als Buchautorin ihr Geld zu verdienen. Ganz anders Meg, welche von einer Karriere als Schauspielerin träumt, ihre Zukunft jedoch hauptsächlich an der Seite eines Mannes sieht. Die mit dem Pinsel sehr gehabte Amy hat derweil einen möglichen Ehemann bereits auserkoren. Es ist dies der charmante Nachbarsjunge Laurie (Timothée Chalamet), welcher aber eher an Jo interessiert scheint.

Schwestern halten zusammen.
Schwestern halten zusammen.

Sieben Jahre später: Während Amy als Malerin bei ihrer reichen Tante (Meryl Streep) in Paris lebt, versucht Jo sich in New York mit einer ihrer Geschichten bei einem Verleger Gehör zu verschaffen. Meg ist derweil bereits verheiratet und hat zwei Kinder. Als Beth krank wird, kehren die Schwestern in ihr altes Zuhause zurück.

Greta Gerwigs Adaption von Little Women ist eine herzensgute, berührende und gefühlvolle Umsetzung, die einen zum Weinen bringen kann, aber die Zuschauer trotzdem mit einem unglaublich warmen Gefühl wieder entlässt. Gerwigs Experiment, die Geschichte auf zwei Zeitebenen zu erzählen, geht wunderbar auf und schafft es so, herzzerreissende Momente noch zu verstärken. Auch dank seiner durchs Band grossartigen Darstellerriege ist dieser Film ein kleines Wunder und einer der besten der vergangenen Jahre. 6 Sterne!

Stell dir folgendes vor: Du sitzt in den Wintermonaten bei Schneefall drinnen und hast es dir vor einem Kamin mit einer kuschligen Decke so richtig gemütlich gemacht. Die Wärme und das Knistern des Feuers lassen dich vor Glück lächeln. Tönt schön, oder?! Genau dieses Gefühl hat Greta Gerwig mit ihrer Adaption von Little Women auf die Leinwand gebracht und so ein Meisterwerk geschaffen.

Dies ist wahrlich nicht das erste Mal, dass der ursprünglich in zwei Teilen erschienene Roman von Autorin Louisa May Alcott verfilmt wurde. So existieren unter anderem Versionen mit Elizabeth Taylor und Janet Leigh sowie Winona Ryder und Christian Bale. Doch anstatt die bei uns auch unter dem Titel "Betty und ihre Schwestern" bekannte Geschichte eins zu eins zu verfilmen, hat Regisseurin und Drehbuchautorin Gerwig eines ihrer absoluten Lieblingsbücher genommen und eine neue Art gefunden, diese Story der March-Schwestern umzusetzen: Sie springt zwischen den beiden Zeitebenen hin und her. Dass dabei trotz des gleichen Personals und ohne Zeitsprünge ankündigende Texteinblendungen keine Verwirrung entsteht, liegt zum einen am Hair- und Make-up-Department und zum anderen an der verwendeten Farbpalette bei den Bildern. So macht es Gerwig den Zuschauern ganz leicht, nie die Orientierung zu verlieren.

Diese Erzählart hat sie jedoch nicht gewählt, weil es lediglich etwas anderes sein soll. Es geht darum zu unterstreichen, wie die Leidenschaften und Prioritäten die eingeschlagenen Wege der jungen Frauen beeinflussten. Der Blick zurück ist dabei nie kitschig, sondern aufgrund der Farbgebung und der Gütigkeit der Charaktere berührend. Die herzensguten und inspirierenden Taten der starken March-Frauen gehen richtig nahe, womit der Film dann eine Wärme ausstrahlt, die ihresgleichen sucht. Die ständig wechselnden Zeitebenen nutzt Gerwig auch, um die emotionale Wirkung gewisser Abschnitte zu verstärken, ohne dass sich das Ganze dabei manipulativ anfühlt. Zudem hat sich Gerwig beim Ende Freiheiten genommen und überlässt die Deutung des Ganzen dem Zuschauer. Äusserst clever, wenn man bedenkt, dass Alcotts "Little Women" vor allem auch eine Geschichte über Selbstbestimmung ist.

Gespielt ist Little Women grossartig. Es darf ein weiteres Mal Saoirse Ronan zu einer grandiosen Leistung gratuliert werden, doch es ist die Britin Florence Pugh, die mit ihrer frechen Amy am meisten begeistert und aus dem Ensemble, zu dem auch Laura Dern, Meryl Streep und Timothée Chalamet gehören, noch herausragt.

Es kann noch so viel gelobt werden: Die Musik von Alexandre Desplat, die Kostüme, die Kamerarbeit von Yorick Le Saux und noch einiges mehr. Little Women ist trotz Herzschmerz und auch mal gemeinen Schwestern ein richtiger Wohlfühlfilm, der Freude, Leichtigkeit, Humor und Tragik spielend miteinander verbindet. Einer der wunderschönsten Filme der letzten Zeit.

/ crs

Kommentare Total: 2

yan

Stark gespielt (vor allem Pugh hätte den Oscar verdient gehabt), schön bebildert und toll ausgestattet. Beim Drehbuch kann ich die Lobgesänge aber nicht ganz nachvollziehen. Das Drama wirkte auf mich etwas aufgesetzt und irgendwie wurde ich auch mit dem Stoff nicht richtig warm.

crs

Filmkritik: March for Women's Rights

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