Little Joe (2019)

Little Joe (2019)

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Filmkritik: Broken Flowers

72e Festival de Cannes 2019
Kafideckeli-Frisur "Dimitri Style".
Kafideckeli-Frisur "Dimitri Style".

Die Biologin und alleinerziehende Mutter Alice (Emily Beecham) hat zusammen mit ihrem Kollegen Chris (Ben Whishaw) eine neue Blumenart entwickelt, die in der Lage sein soll, Menschen glücklich zu machen. In wenigen Wochen soll die Wunderpflanze an der Weltmesse der Öffentlichkeit präsentiert werden, deshalb muss sie jetzt in der Entwicklung noch ein wenig Gas geben. So kommt ihr Sohn Joe (Kit Connor) zwischendurch ein wenig zu kurz. Auch deswegen schmuggelt Alice eine der Pflanzen mit nach Hause und schenkt sie ihm. Ihre Kreation nennt sie "Little Joe".

Q forscht an einer neuen biologischen Wunderwaffe.
Q forscht an einer neuen biologischen Wunderwaffe.

Doch gegen "Little Joe" regt sich Widerstand. Die frühere Leiterin des Labors, Bella (Kerry Fox), die kürzlich einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, behauptet, ihr Hund sei nicht mehr der gleiche, seit er den Blütenstaub der Blume eingeatmet habe. Alice tut dies anfänglich als Hirngespinst einer psychisch labilen Kollegin ab. Doch als sich auch Arbeitskollege Chris und sogar ihr Sohn Joe irgendwie seltsam benehmen, beginnt sie immer mehr zu grübeln, ob an Bellas Behauptungen doch etwas Wahres ist. Versprüht "Little Joe" ein gefährliches Virus? Oder ist alles nur Einbildung?

Mit ihrem englischsprachigen Debüt ist der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner ein stylischer kleiner Psychothriller gelungen. Er mag seine Längen haben, und wer auf den grossen Twist hofft, dürfte enttäuscht werden. Dafür bietet der Film ein bisschen Stoff zum Nachdenken über den Abspann heraus. Wer Blumen mag, sollte sich den Film anschauen. Wer Blumen nicht mag, erst recht.

Bin ich nun verrückt oder sind es alle um mich herum? Eine Ausgangslage, aus der viele Filme ihre Spannung ziehen. Nun, "Spannung" im landläufigen Sinne ist es nicht, was Jessica Hausner interessiert. Das war schon 2004 in ihrem Hotel so und hat sich in ihrem neuen Werk nicht geändert. Little Joe kann zwar dem Thriller-Genre zugeordnet werden, ist aber eben doch auch sehr arthouse. Dies zeigt sich beispielsweise im Spiel mit den Farben, dem Licht und den Kontrasten, aber auch in der Verwendung eines Soundtracks des japanischen Komponisten Teji Ito, der Experimentalfilme aus den Vierzigerjahren vertonte.

Ein anderer Vergleich für diejenigen, die diese Experimentalfilme gerade nicht mehr präsent haben: Die unvermittelt aufkreischenden dissonanten Töne erinnern ein klein wenig an The Lobster. Ebenso die etwas unterkühlte, leicht künstlich wirkende Atmosphäre, was in diesem Fall in der Natur der Geschichte liegt. Das Faszinierende daran ist, dass sie unter der stylischen Oberfläche viel Freiraum für Interpretationen lässt, dies aber nicht aufdringlich und mit dem Holzhammer tut wie andere Genrekollegen. Die Darsteller agieren dabei ein wenig wie auf Valium. Ben Whishaw, der immer ein wenig verschlafen aus der Wäsche zu schauen scheint, passt hierbei perfekt. Hauptdarstellerin Emily Beechum verfolgt derzeit mit grossen Augen das Geschehen um sie herum.

Letztendlich ist Little Joe eine mit schwarzem Humor gespickte Geschichte über das Verhältnis der Menschen zu ihren Mitmenschen. Die Forschungsanstalt, in der dieser Film spielt, ist eine Art Versuchslabor. Ob es nun die Menschen sind, die mit den Pflanzen experimentieren oder umgekehrt, das ist in diesem Film nicht so ganz klar. Ist das nun Invasion of the Body Snatchers für Intellektuelle, mit Blumen anstatt Aliens, oder eher eine Abwandlung von Shutter Island?

Die Antwort auf diese Frage lässt der Film lange offen - bis zum Ende. Dieses ist zwar mit einem Augenzwinkern aufgesetzt, beantwortet damit aber auch mehr Fragen, als es eigentlich müsste. Auch eher selten, dass man diesen Fakt einem Film als Negativpunkt ankreiden muss.

/ ebe

Kommentare Total: 2

schoggiglacé

Ich weiss noch nicht ganz, wie ich diesen Film einstufen soll;
Traumhafte Einstellungen (fast schon fad werdend gute Bilder), akustisch ohrenbetäubend anstrengend, Story ganz okay.

ebe

Filmkritik: Broken Flowers

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