Leberkäsjunkie (2019)

Leberkäsjunkie (2019)

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  2. 93 Minuten

Filmkritik: Schalt emol 's Blaulicht ei, hol' Lääberkäs - aber warm!

Ein Ötzi in Niederkaltenkirchen?
Ein Ötzi in Niederkaltenkirchen?

Es brennt mal wieder in Niederkaltenkirchen und heuer nicht im übertragenen Sinne. Der Hof der Mooshammerin (Eva Mattes) steht in Flammen, worauf eine völlig verkohlte Leiche gefunden wird. Der Dorfpolizist und frischgebackene Vater Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) wird als leitender Ermittler an den Tatort bestellt. Das kommt ihm nun wirklich ungelegen, sollte er sich doch um seinen Sohn Paul kümmern. Von dessen Mutter Susi (Lisa Maria Potthoff) lebt der Beamte getrennt und die hat sich gerade eine Woche kinderfrei genommen.

«Zweimal die grosse Portion, bitte!»
«Zweimal die grosse Portion, bitte!»

«Riecht wie Schweinsbraten», bemerkt der über die Leiche gebeugte Arzt. Das soeben zu sich genommene fettige Frühstück mit Eier und kross gebratenem Speck noch zwischen den Zähnen, bekommt Eberhofer der Spruch nicht sonderlich gut. Kurze Zeit später fällt er in Ohnmacht. «Das kommt vom Fressen», ist für alle klar. Somit sollte nun für einige Zeit fertig sein mit exzessivem Leberkäs- und Bierkonsum. Eberhofer sieht das freilich anders, vor allem jetzt als er seine Energie eigentlich auf die Polizei und seinen Sohn verwenden sollte. Doch an Regeln hat er sich ohnehin noch nie gehalten.

Es ist als wäre man nie weggewesen. Gewohnt schonungslos und voller Haudrauf-Komik bleibt die Krimi-Serie um den überforderten Franz Eberhofer auch hier ihrem bisher verwendeten Bauplan treu. Viele anerzählte Stränge sollen den bayerischen Dorfmief etablieren; da sie alle aber nur selten näher ausgeführt werden, wirkt das Ganze zu sehr aufgesetzt. Auch der sechste Streich der Krimiserie nach der Buchvorlage von Erfolgsautorin Rita Falk ist wie ein Leberkäs, der kein Geheimnis um sein Rezept macht - und das ist für die Verdaulichkeit nicht immer das Beste.

Everybody's Darling ist er bestimmt nicht, dieser Leberkäsjunkie Franz Eberhofer, der selbst pausenlos frisch von der Leber weg nur Käse rauslässt. Doch so sind sie nun mal, die Niederkaltenkirchner, eckig, kantig und irgendwie belanglos wie so viele Stories, die mit dem aktuellen lokalen Mordfall verflochten sind. Die zu Beginn so wichtig scheinende Diät des Polizisten wird mit der Zeit genauso fallengelassen wie die Geschichten um eine Hotelüberbauung, eine sexsüchtige Kellnerin, die abgefahrene Mooshammerin oder den ghanaischen «Fuss Gottes» Buengo. Schlussendlich verkommen alle Schauspieler zu Statisten, wenn sie sich ihre Präsenz nicht mit einer überdurchschnittlichen Leistung (dieses Mal Eisi Gulp und Robert Stadlober) erkämpfen.

Auch die Seele der «menschlichen Geheimwaffe» Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) leuchtet dieses Mal höchstens seines Heilfastens wegen. Er kann die Krimikomödie für einmal nicht davor bewahren, dass sie ihr offenkundiges Bemühen um subtile Situationskomik verzweifelt offenbart. Die Pointen werden mit der Sorgfalt aufgesetzt, über die der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen maximal verfügt. Immerhin, das Publikum weiss so stets, wann es gefälligst zu lachen hat.

Gewohnt schonungslos wird einem die wortwörtlich zum Kotzen ausufernde Sauf- und Fresserei entgegengeschleudert. Das kann nun als brachiale Gesellschaftskritik oder Indiz mangelnden Einfallsreichtums gedeutet werden, denn um ersteres ist die Erzählung sehr bemüht und darin auch vornehmlich dann stark, wenn sie den Zuschauer nicht damit belästigt.

Allen rezyklierten Parametern zum Trotz - den Dialogen zwischen frontal gefilmten Figuren merkt man ihre Montage noch immer an - sorgt Leberkäsjunkie auch für unerwartete Momente. So bietet die Geschichte einmal Platz für eine melancholische Szene, die für eine kurze Dauer den Figuren enorme Tiefe verleiht. Ausserdem gipfelt das Geschehen in der Sphäre ungekannter psychopathischer Perversionen. Es ist schwierig zu entscheiden, ob sich der Film damit bloss den Anstrich eines grossen Thrillers geben will oder ob das Ganze wirklich schlüssig ist.

Wie schon sein Vorgänger Sauerkrautkoma wurde auch bei Leberkäsjunkie grossen Wert auf eine umweltfreundliche Produktion gelegt. Das ist zwar lobens- und nachahmenswert, allerdings sollte man dann auch die (exorbitante) Fleischfresserei im Zaum halten. Sich als «Leberkäsjunkies» zu betiteln, liefert auch hier keine Entschuldigung dafür.

/ arx