Lan Xin Da Ju Yuan (2019)

Lan Xin Da Ju Yuan (2019)

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Filmkritik: Monochrom und monoton

76. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2019
Back in town: Jean Yu
Back in town: Jean Yu

Dezember, 1941. Shanghai befindet sich unter japanischer Besatzung. Die beliebte Schauspielerin Jean Yu (Li Gong) reist in die Stadt, um in dem Theaterstück "Saturday Fiction" mitzuwirken. Dieses wird von ihrem ehemaligen Geliebten Tan Na (Mark Chao) inszeniert. Die lokalen Geheimdienste aber vermuten, dass die Aktrice anderes im Schilde führt. Denn Jean Yus Ex-Mann wurde vor Kurzem von den Japanern inhaftiert. Will sie ihm zur Freiheit verhelfen?

I spy, you spy?
I spy, you spy?

Doch auch die Schauspielerin weiss nicht, wem sie vertrauen kann. Der Direktor ihres Hotels (Tom Wlaschiha), Nachwuchsschauspielerin Bai (Huang Xiangli) und der Produzent ihres Stücks (Joe Odagiri) - sie alle scheinen ihr wohlgesonnen. Doch spielen sie vielleicht ein doppeltes Spiel? Oder ist Jean Yu diejenige, die alle an der Nase herumführt?

Mit Saturday Fiction erzählt der chinesische Regisseur Ye Lou eine Spionagestory, die über weite Strecken völlig unverständlich ist. Motive und Motivationen der Hauptfigur werden erst am Ende grob angedeutet. Komplett in schwarz-weiss und ohne nennenswerten Soundtrack plätschert die Geschichte dahin, bis sie die Zuschauer in den letzten dreissig Minuten für den grossen Showdown aus dem Sekundenschlaf holt.

Ye Lou ist auf Festivals ein gerngesehener Gast, der in seiner Heimat China allerdings immer mal wieder aneckt. Sein Debütfilm Weekend Lover wurde zensiert. Und der politisch aufgeladene Summer Palace sorgte sogar dafür, dass Ye Lou fünf Jahre dem Land fernbleiben musste. Nun präsentiert der Regisseur auf den Filmfestspielen in Venedig sein neuestes Werk. Mit am Start ist ein internationaler Cast, an dessen Spitze die gefeierte Schauspielerin Li Gong (Memoirs of a Geisha, 2046) steht. Die Schauspielerin hat eine verführerisch mysteriöse Präsenz. Leider reicht das allein nicht aus, um dem Film eine innere Logik zu verleihen.

Welche Absichten Jean Yu während ihres Aufenthalts in Shanghai verfolgt, ist den Zuschauern lange nicht klar. Das führt dazu, dass man über weite Strecken vergeblich einen Orientierungspunkt sucht. Wer will was? Warum? Mit wem kann ich mitfiebern? All diese Fragen finden erst kurz vor Schluss ihre Antwort. Und auch die fallen recht spärlich aus. Weswegen Jean Yus Mann zum Beispiel inhaftiert ist, wird nie erklärt.

Für weitere Verwirrung sorgt das Theaterstück im Film, dessen Szenen fliessend in die Haupthandlung übergehen. In einem Moment treffen Jean Yu und Tan Na sich privat, im nächsten ist dies Teil einer Szene bei ihrer Theaterprobe. Nach anderthalb Stunden verwirrenden Katz-und-Maus-Spiels, das den Zuschauern in seinen flachen schwarz-weiss Bildern die Augenlider herunterklappen lässt, geht es dann auf einmal richtig zur Sache. Es wird geschossen und erstochen. Die Masken der Figuren fallen. Zu dem Zeitpunkt hat man allerdings längst den Überblick verloren - sofern man jemals einen hatte.

/ swo