Ride Your Wave - Kimi to, nami ni noretara (2019)

Ride Your Wave - Kimi to, nami ni noretara (2019)

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  2. 94 Minuten

Filmkritik: Love after death

17. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2019
Selfie mit Blob
Selfie mit Blob

Hinako ist eine junge Frau, welche ihre Zeit am liebsten auf dem Surfbrett verbringt. Für ihr Studium hat sie sich an einer Universität an der Küste Japans eingeschrieben. Wenn sie auf dem Meer surft, wird sie vom jungen Feuerwehrmann Minato beobachtet, welcher schon lange ein Auge auf sie geworfen hat. Als durch ein illegal abgebranntes Feuerwerk das Studentenheim von Hinako brennt, ist es Minato, welcher sie aus dem Flammeninferno rettet. Die beiden treffen sich, lernen sich kennen und bald schon lieben. Eine romantische Beziehung beginnt, in welcher die beiden viel zusammen unternehmen und einander ihre Leidenschaften näherbringen. So erlernt Minato durch Hinako das Surfen. Hinako erzählt ihm, die Wellen nach Schneefall seien besonders zu surfen und würden ihm, bei einem erfolgreichen Gelingen, einen Wunsch offerieren. Minato will üben, um seine Freundin beeindrucken zu können, doch es misslingt: Er ertrinkt und kann nur noch tot geborgen werden.

Guguseli!
Guguseli!

Hinako ist am Boden zerstört. Unterstützung in dieser schweren Zeit erhält sie von Minatos Schwester und seinem Feuerwehr-Kollegen Wasabi, welche ihr wieder auf die Spur helfen wollen. Hinako bemerkt, dass sie Minato weiterhin sehen kann: Minato erscheint im Wasser, wenn sie das Lied "Brand New Story" singt, welches die beiden oftmals zusammen gesungen haben. Hinako muss feststellen, dass sie loslassen muss, um in ihrem Leben weiterzukommen. Sie muss lernen, ihre eigene Welle zu reiten.

"Die Liebe ist ein wildes Tier." Manchmal ist sie jedoch auch zahm und scheint unbezwingbar. Genau dieses Gefühl vermittelt Ride Your Wave zu Beginn, bevor das Leben zuschlägt. Die Story sorgt kaum für Überraschungen, wegen einem hohen Erzähltempo wird sie dennoch nie langweilig. Der Anime ist endlos romantisch und schafft es, auch in negativen Lebensphasen das Positive zu finden. Mit spielerischer Naivität wird aufgezeigt, dass alles im Leben seine Gründe und Rechtfertigung hat.

Ride Your Wave ist ein Liebesfilm. Von Anfang an macht er nie einen Hehl daraus, was er sein möchte und was er sein wird. Die Charaktere werden kurz eingeführt, nicht zu zeitintensiv, nicht zu kurz, genau so, dass sie für die Zuschauer fassbar und interessant werden. Kurze Zeit später, werden sie bereits aufeinander losgelassen, die Umstände, welche zum erstmaligen Treffen führen, sind durchaus realistisch und einen Twist zum Schluss gibt es auch noch, welcher die Vorgeschichte aufgreift und entschlüsselt.

Der Film ist lebensfroh, positiv und voller Referenzen auf das moderne, junge Japan: Es wird gesurft, Liebesschlösser werden mit Versprechen an Geländer gekettet und Reis-Omeletten gegessen, welche vorwiegend bei den jüngeren Generationen Japans grosse Beliebtheit geniessen. Dazu gesellt sich eine Message, welche sich manch einer zu Herzen nehmen könnte: "Mein Ziel ist dann erfüllt, wenn du deine eigene Welle reiten kannst!" Es geht um die Loslösung vom Elternhaus, darum, auf eigenen Beinen zu stehen im Leben, sich selbst und seinen Werdegang zu finden. Liebe zu (er)leben, die glücklichen Momente des Lebens zu schätzen, auszukosten und die tragischen zu überstehen, auszuhalten. Denn es kommt, wie es nicht hätte kommen sollen: Das Unfassbare geschieht, der für Hinako in diesem Moment wichtigste Mensch stirbt. Aber Minato steht ihr weiter bei der Selbstfindung bei. So scheint der Tod nur im ersten Moment tragisch, viel mehr zeigt ihr Minato, wie sie ihre eigene Welle surfen kann, wie sie ihr eigenes Leben zu ihrer Zufriedenheit meistern kann. Die ganze Liebesgeschichte wirkt unheimlich kitschig, aber irgendwie auch wunderschön.

Es sind liebenswürdige Charaktere, welche Masaaki Yuasa hier entworfen hat. Zum harmonierenden Paar Hinako und Minato passt dessen Schwester, welche den Gegenpol gibt. Optisch kommt Ride Your Wave in Pop-Stil daher: Die Bilder sind bunt und könnten aus einem Candy-Store stammen, wobei auffällt, dass der Film von zwei Farbgebungen dominiert wird: Orange und Blau. Hinako mit ihrer orangen Haarpracht und dem orangen Surfbrett trägt zumeist Kleidung in warmen Farbtönen, während Minatos Haare und Kleidung in blau gehalten sind. Die Farben symbolisieren die Gegensätze Feuer und Wasser, zu welchen sich die beiden Charaktere hingezogen fühlen, wenn auch komplementär: Die surfbegeisterte Hinako trägt die Farbe des Feuers, während der Feuerwehrmann Minato die Farbe des Wassers charakterisiert.

Die Computeranimationen sind stilisiert, ohne dabei Detailreichtum vermissen zu lassen. Untermalt wird das Szenario durch leichte, lockere J-Pop-Musik und die Gesangseinlagen der beiden Turteltauben, welche übrigens durch einen ganz speziellen Effekt unverwechselbar wirken: Die beiden kichern ganz verliebt-verlegen, während sie zusammen singen. Ach Herz, was willst du mehr?

/ yab