Khun Phaen Begins (2019)

Khun Phaen Begins (2019)

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Filmkritik: Mix and Missmatch

NIFFF 2020
«Mach, dass die 140 Minuten bald vorbei sind!»
«Mach, dass die 140 Minuten bald vorbei sind!» © NIFFF

Der Dieb und Taugenichts Kaew (Mario Maurer) ist weit davon entfernt, ein Held zu sein, doch das Schicksal verlangt es von ihm. Um seine Jugendliebe wiederzugewinnen, die mittlerweile ein Auge auf einen mutigen Soldaten geworfen hat, entscheidet er sich für eine Anmeldung bei der Armee. Nebst seinem physischen Training unter einem strengen Offizier beginnt er gleichzeitig seine magischen Fähigkeiten zu entdecken. Ein alter, weiser Zauberer hilft ihm dabei.

Mit militärischer und übernatürlicher Ausbildung sollte es für Kwaen ein Leichtes sein, einen legendären Bösewicht und seine Untertanen zu besiegen, die ein Attentat und die Unterwerfung des gesamten Reiches planen. Dabei sollte er doch nur das Herz einer schönen Frau gewinnen. Widerwillig muss sich Kwae eingestehen, dass nur er gegen die grosse Bedrohung ankämpfen und seine Heldenrolle nicht mehr verbergen kann.

Durch das episodenhafte Genre-Hopping der 139 Minuten gibt es für die Zuschauer kaum Möglichkeiten, eine Verschnaufpause einzulegen. Dies macht den Film nicht unbedingt besser, aber zumindest stimmt der Unterhaltungswert. Jede Minute gibt es etwas anderes zu entdecken und an jeder Ecke lauert ein weiterer Subplot. In welchem anderen Film sieht man eine CGI-animierte Mischung aus nacktem Baby und Flaschengeist oder eine Annabelle in menschlicher Form, welche von einem Abklatsch des Insidious-Soundtracks unterlegt herumgeistert? Khun Phaen Begins ist ein Sammelsurium an Absurditäten, doch irgendwann ist dann auch genug.

Schon in den ersten 30 Minuten von Khun Phaen Begins, der lose auf einer thailändischen Sage basiert, gibt es eine Kutschenverfolgungsjagd im Hawaii-Hemd, eine Musicalnummer im Bollywood-Stil und einen einäugigen Magier mit einer Gruppe krasser Krieger. Es ist also von Beginn an klar, dass dieser wilde Genremix nichts, aber auch gar nichts auslassen wird. Und trotzdem wird man immer wieder mit einer neuen Blödheit (ein verliebtes Pferd!) aus dem Nichts überrascht.

Vor lauter Einfällen stolpern die Macher aber über ihren eigenen Blödsinn und vergessen dabei den Kern der Geschichte, und viele potenziell coole Figuren tauchen nur auf, um später wieder vergessen zu werden. Der debile Humor mit einigen homophoben Gags versalzt immer wieder mal die Suppe, und die hundertsiebenundsechzig (Übertreibung - Anm. der Red.) Figuren sind doch etwas zu viele.

Hauptdarsteller Mario Maurer macht als Keaw einen sympathischen Eindruck und die Chemie zwischen ihm und seinen beiden Buddies stimmt. Leider geht der Team-Aspekt unter, wenn sich die Handlung auf die zentrale Dreiecksgeschichte konzentriert. Einzig diese Szenen mit Yongwaree Ngamkasem bremsen den Wahnsinn immer wieder ab und, fügen noch eine grosse Portion Kitsch zu der überfüllten Handlung hinzu. Das Fantasy-Element ist zudem unausgegoren, und gerade den Bösewicht mit seinen coolen Schergen gibt es viel zu selten zu sehen. Beim finalen Showdown bleibt die Action enttäuschend und die Martial-Arts-Choreographie ist über den ganzen Film eher schwach und unspektakulär.

MVP des Filmes ist eindeutig der Komponist. Er klaut fröhlich Musik aus diversen Hollywoodblockbustern und macht so jede Szene weitaus epischer, als es die visuelle Komponente alleine wäre. Mit seiner übertrieben bombastischen Musik würde sogar ein abgefilmter Sonntagsspaziergang durch den Allschwiler Wald zur Heldenreise. Im Gegenzug dazu gibt es bei den visuellen Gags Cartoongeräusche und «Badum Tss». Niemand hatte also jemals die Absicht, Khun Phaen Begins mit irgendwelcher Ernsthaftigkeit zu inszenieren.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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