Children of the Sea - Kaijû no kodomo (2019)

Children of the Sea - Kaijû no kodomo (2019)

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Filmkritik: Live at Sea-Life

17. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2019
Sea happy!
Sea happy!

Die Schülerin Ruko wird in den Sommerferien von den Trainings ihres Handball-Teams ausgeschlossen, nachdem sie sich mit einem Ellbogenschlag an einer Gegenspielerin rächt. Was also tun mit der restlichen freien Zeit? Ihre Eltern sind geschieden, die Mutter trinkt und kümmert sich nur bedingt um ihre Tochter. Ihr Vater arbeitet im Aquarium der Stadt, welches Ruko aus Langeweile aufsucht. Ihren Vater findet sie dort nicht, in den Arbeitsgängen des Aquariums trifft sie auf einen kleinen Jungen namens Umi, welcher im Aquarium lebt. Umi und sein Bruder Sora sollen im Meer aufgewachsen und von Seekühen aufgezogen worden sein. Sie haben eine besonders enge Bindung zu Meerestieren, den Tiefen der Ozeane und scheinen mit den Meerestieren kommunizieren zu können.

Beim Unterwassershooting konnte Heidi glänzen.
Beim Unterwassershooting konnte Heidi glänzen.

Dies hat die Meeresbiologen des Aquariums auf den Plan gerufen, welche die beiden Brüder und deren merkwürdige Fähigkeiten untersuchen wollen. Auch Ruko hat eine besondere Beziehung zum Aquarium und den Tieren, sah sie als kleines Mädchen doch einen Geist in einem der Becken. Ruko verbringt ihre freie Zeit fortan mit den beiden Brüdern, taucht mit ihnen in die wundersame Unterwasserwelt ein, in welcher sich in Kürze ein spektakuläres Naturschauspiel abspielen soll. Angekündigt durch sich abspielende übernatürliche Phänomene wie dem Verschwinden von Aquarium-Tieren oder dem Stranden von Tiefsee-Fischen, gehen die drei den Geschehnissen auf den Grund.

Children of the Sea ist ein tiefgründiger Anime, welcher sich mit übernatürlichen Phänomenen und den Zusammenhängen zwischen dem Weltall und den Tiefen der Ozeane befasst. Leider wird dabei etwas vergessen, die Story plausibel verständlich zu machen, sodass einige Dinge ungeklärt bleiben. Optisch lässt der Film keine Wünsche offen und darf getrost als einer der schönsten und realistischsten gezeichneten Animes betrachtet werden.

Children Of The Sea basiert auf der fünfteiligen Manga-Serie von Daisuke Igarashi, welche zwischen 2007 und 2012 veröffentlicht wurde. 2019 folgt die Adaption auf der Leinwand, als sich Ayumu Watanabe der Mangas annahm. Und das Resultat ist eine Wucht. Wow, was für Bilder Children Of The Sea an den Tag legt! Der Anime setzt optisch neue Massstäbe und dringt in bis anhin nicht vorhandene Spähren vor. Diverse Animes wussten in der Vergangenheit optisch zu überzeugen, bestachen durch unglaublichen Detailreichtum oder hyperrealistische Abbildungen, welche beinahe fotorealistisch daherkamen. Children Of The Sea wurde von Hand gezeichnet, ist also keine reine Computer-Animation, wie es heute oftmals der Fall ist. Dies ist deshalb erwähnenswert, weil die Spiegelungen und Bewegungen im Wasser und die Unterwasserwelt, inklusive sämtlicher Fische, atemberaubend realistisch und wunderschön wirken. Nur bei näherer und genauer Betrachtung wird erkennbar, dass es sich um eine Animation handelt.

Manga- und Anime-Figuren besitzen seit jeher grosse, ausdrucksstarke Augen. Die Charaktere in Children Of The Sea übertreffen bisherige Manga-Augen nicht nur in der Grösse (und erinnern so etwas an Alita: Battle Angel), sondern auch in den sich darin spiegelnden Reflektionen und Strukturen. Die Bilder aus dem Deepspace, der Unterwasserwelt, sind wunderschön. Für den Soundtrack zeichnet sich Joe Hisaishi verantwortlich, notabene jener Komponist, welcher für eine ganze Reihe von Ghibli-Soundtracks zuständig war. Die musikalische Untermalung passt hervorragend zu der fantastischen Bildsprache des Filmes.

Die Story bleibt dabei etwas auf der Strecke, es geht schnell vorwärts und nicht alles wird zur vollen Befriedigung der Zuschauenden geklärt. So erfahren wir schlussendlich nicht, woher die beiden Jungs wirklich kamen, die Nachforschungen rund um die Ursprünge und den anatomischen Aufbau der beiden laufen schlussendlich ins Leere. Es gibt diverse Anzeichen, welche übersinnliche Phänomene und Meta-Ebenen andeuten, die dann aber schlussendlich nicht wirklich ausgeführt werden. Es wird nur erklärt, dass sich ein aussergewöhnliches Phänomen im Ozean abspielt. Ebenso werden die familiären Strukturen der Familie nur angedeutet und nie vollständig ausgeführt, der Einfluss der fehlenden Zuneigung Rukas durch ihre Familie wird zu beiläufig thematisiert. Der Fokus liegt mehr auf der Begegnung Rukas mit Umi und Sora und der gemeinsam verbrachten Zeit. Im Prinzip könnten die gemeinsamen Aktivitäten und die sich langsam entwickelnde, tiefe Freundschaft als Flucht vor der für Ruka schwer ertragbaren Realität gesehen werden.

Stets werden Meta-Ebenen angedeutet, welche durchaus philosophisch verankert sind und zum Denken anregen. So wird über die Ursprünge des Universums, des Lebens und die Zusammenhänge zwischen dem Deepspace und den Tiefen der Ozeane sinniert.

/ yab