Just Mercy (2019)

Just Mercy (2019)

Filmkritik: Schuldig seit der Geburt

44th Toronto International Film Festival
Beistand im Sitzen
Beistand im Sitzen

1987: Nach seinem Abschluss an der Universität in Harvard möchte der Junganwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan) jenen Leuten helfen, die kaum noch Hoffnung haben. Er eröffnet mit der lokalen Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) eine Kanzlei in Alabama, um Häftlingen rechtlichen Beistand zu geben, die bereits verurteilt wurden und auf die Todesstrafe warten. Dabei lernt er auch Walter McMillian (Jamie Foxx) kennen, der im November 1986 eine 18-Jährige brutal getötet haben soll.

Walters Verurteilung kam nur zustande, weil ein anderer Verbrecher gegen ihn aussagte. Bryan geht dem Fall unnachgiebig nach und merkt, dass es keine anderen Beweise gab und Walter eigentlich unschuldig im Gefängnis sitzt. Verzweifelt versucht Bryan den Fall wieder vor Gericht zu bringen, um Walter freizubekommen. Es beginnt ein jahrelanger Kampf gegen Ungerechtigkeit und Rassismus, bei dem die Gegenseite mit unfairen Mitteln agiert.

Das Gerichtsdrama Just Mercy gewinnt dem Genre zwar nicht gerade neue Seiten ab, ist aber trotzdem ein berührender Film um Schuld, Unschuld, Rassismus und ein kaputtes Rechtssystem. Im Gegensatz zu anderen Filmen dieser Art setzt Regisseur Destin Daniel Cretton angenehm wenig auf grosse Reden und Duelle von Schreihälsen. Stattdessen erzählt er mit der Hilfe seines starken Hauptdarsteller-Duos (Michael B. Jordan und Jamie Foxx) ruhig eine auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die einen ordentlichen emotionalen Punch besitzt.

In seinem dritten Film - und bevor er für Marvel Studios seinen ersten Blockbuster inszeniert - erzählt Regisseur Destin Daniel Cretton (bekannt geworden mit Short Term 12) die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Juristen und Bürgerrechtlers Bryan Stevenson. Auch wenn der Ausgang schnell mal klar sein dürfte, ist Cretton trotzdem ein aufwühlendes Gerichtsdrama gelungen.

Dabei ist es verwunderlich, dass nicht mehr geschrien wird - obwohl die gezeigten Situationen durchaus Anlass dazu geben würde. Nein, es gibt hier keine Schrei-Wettbewerbe à la A Few Good Men, sondern der im Film gezeigte Stevenson geht die Sacheüberlegt und mit Ruhe an. So gibt es eigentlich nur eine Szene gegen Ende, die einen Oscar-Clip für Michael B. Jordan hergeben würde. Emotionslos ist die ganze Verhandlung über Schuld und Unschuld aber keinesfalls. Weil der Film sich nicht nur auf das Schicksal von McMillian (toll gespielt von Jamie Foxx) fokussiert, sondern auch in die Gefängniszellen links und rechts schaut, zeichnet Cretton ein Bild eines kaputten Systems, bei dem die afroamerikanische Bevölkerung - laut den Worten von McMillian - bereits schuldig auf die Welt kommt.

Um ein paar Klischees kommt Cretton jedoch nicht herum. So wird die feige Gegenseite von einem etwas gar verschupften Rafe Spall personifiziert, ein zuvor gemeiner Wärter ist nach einer Anhörung plötzlich lieb und der Ablauf ist der gleiche wie bei 100 anderen Gerichtsdramen zuvor. Trotzdem nimmt einen die Geschichte mit, man möchte gewisse Figuren auf der Leinwand anschreien und sogar ein paar Tränen können verdrückt werden. Cretton hat hier zwar nicht gerade das Genre revolutioniert, jedoch einen gelungenen Beitrag und eine Huldigung an Bryan Stevenson auf die Leinwand gebracht. We rest our case!

/ crs

Trailer Englisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:24