Jacob, Mimmi and the Talking Dogs - Jekabs, Mimmi un runajosie suni (2019)

Jacob, Mimmi and the Talking Dogs - Jekabs, Mimmi un runajosie suni (2019)

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  3. 70 Minuten

Filmkritik: Bauriese vs. Hundegang

17. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2019
Trump fing auch mal klein an!
Trump fing auch mal klein an!

Jacob lebt mit seinem Vater in einem angesagten Viertel der lettischen Hauptstadt Riga und träumt davon, wie dieser einmal Architekt zu werden. Deshalb verbringt er auch seine ganze Zeit damit, detailgenaue Zeichnungen von seiner Umgebung anzufertigen. Doch als sein Vater verreisen muss, muss er zu seinem Onkel Eagle ziehen, der mit seiner Tochter Mimmi im etwas heruntergekommenen Viertel Maskachka wohnt. Jacob gefällt es erst gar nicht beim schrägen Onkel, der behauptet, einmal Pirat gewesen sein, und seine Cousine verbringt ihre Zeit lieber in den Bäumen im Park und zieht mit einem Ruder sprechender Hunde um die Häuser.

Ich weiss wirklich nicht, wer die Hunde rausgelassen hat!
Ich weiss wirklich nicht, wer die Hunde rausgelassen hat!

Jacob rächt sich für die schlechte Behandlung, indem er eine Zeichnung von Maskachka mit einem fetten Wolkenkratzer im Zentrum anfertigt. Jacob glaubt nämlich, dass alles, was er zeichnet, wahr wird. Tatsächlich rücken bald die Bagger an und wollen die Bäume im Park fällen, um ein Hochhaus zu bauen. Das können die inzwischen wieder versöhnten Kids aber nicht zulassen. Also machen sie sich mithilfe vom Hund Boss und seinem Rudel daran, ihr Viertel zu retten.

Edmunds Jansons farbenfroh inszenierte Animationsbuchverfilmung ist ein herziges Kinderabenteuer zwischen naseweiser Hunderotte, Kritik an kapitalistischem Bauwahn und Lob altmodischer Spieleecken im Freien. Die skurrilen Figuren sorgen für kurzweilige Unterhaltung, wobei die einfache Handlung aber doch einige Längen aufweist. Highlight sind definitiv die sprechenden Hunde, die mit pfiffigen Kommentaren die wahren Stars des Films sind.

Mit seinen animierten Kurzfilmen ist der lettische Regisseur Edmunds Jansons inzwischen fast schon so etwas wie ein Stammgast am Schweizer Fantoche-Filmfestival. Für seinen ersten Langfilm, den er in verschiedenen Stadien am Animationsfestival in Baden präsentieren konnte, hat er sich von seiner ältesten Tochter inspirieren lassen, die ihm das Kinderbuch "Dog Town" von Luīze Pastore vorgeschlagen hat. Dass das fröhliche Kinderabenteuer auch noch in Maskachka spielt, einem Viertel in der lettischen Hauptstadt Riga, das Jansons selber aus seiner Studienzeit kennt, war ihm da nur noch ein zusätzlicher Ansporn.

Der Film zeichnet sich durch eine farbenfrohe Optik aus und orientiert sich eher weniger an den Bleistiftzeichnungen der Buchvorlage. Obwohl eher matt gehaltene Erdtöne mit aufgerauter Pinselstrich-Oberflächen verwendet wurden, macht das Ganze einen kindlich-fröhlichen Eindruck. Stilistisch hat sich Jansons für eine Cut-Out-Animationsform entschieden, bei der die Bilder im Papierschnittverfahren gelegt und mit 2D-Computeranimation weiterbearbeitet wurden. Dies verleiht dem Film eine angenehme Mischung aus altmodischer Kinderbuchoptik und frecher zeitgenössischer Unterhaltung für Kids.

Jacobs und Mimmis Rettung ihres kleinen Kinderparadieses hat kaum den Anspruch, einen zeitlosen Klassiker zu präsentieren. Dafür ist die Geschichte etwas gar einfach gehalten und zieht sich mit verschiedenen Kapriolen um die schlaumeierigen Hunde und zufällig auftretende Pantomimen auch zu sehr in die Länge. Mit der positiven Message, dass man mit Engagement, Freundschaft und dem Herzen auf dem richtigen Fleck ziemlich viel schaffen kann, ist der Animationsfilm für kleine Zuschauer aber bestimmt kein Fehlgriff.

/ pps