It Must Be Heaven (2019)

It Must Be Heaven (2019)

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  2. 97 Minuten

Filmkritik: Absurditätensammlung

72e Festival de Cannes 2019
Elia Su-allein-Mann
Elia Su-allein-Mann © Filmcoopi

Der Regisseur Elia Suleiman verlässt seine Heimat Palästina, um die Finanzierung seines neuen Filmes sicherzustellen. Dafür reist er unter anderem nach Paris oder New York, wo er sich mit Produzenten trifft, oder an Panels über Palästina teilnimmt. Doch obwohl seine Heimat mehrere tausend Kilometer weg ist, wird er immer wieder an Palästina erinnert. Durch Paris fahren Panzer, bei Sicherheitskontrollen am Flughafen wird er schikaniert und in einem amerikanischen Supermarkt laufen alle mit Waffen rum.

Auch im neuen Film des arabisch-israelischen Regisseurs Elia Suleiman werden vor allem absurde Situationen beobachtet, welche laut dem Regisseur die Welt zum Mikrokosmos von Palästina machen. Das klingt unglaublich schwerfällig, ist jedoch immer wieder saukomisch und bleibt so bis zum Schluss lockerleicht, auch wenn diese Aneinanderreihung von Absurditäten ein paar Längen mit sich bringt.

Seinem Stil ist Elia Suleiman auch in seinem neusten Werk treugeblieben. Wieder spielt der Regisseur eine Version seiner selbst, welche das absurde Geschehen um ihn wortlos beobachtet. Diese Art von stiller Comedy erinnert an alte Stummfilme oder an Monsieur Hulot aus den Jaques-Tati-Werken.

Schaute der von Suleiman gespielte Mann in den vergangenen Filmen vor allem dem Treiben in seiner Heimat zu, verlässt er nun diese und schaut sich unter anderem in Paris und New York um. Wo er früher Palästina als Mikrokosmos der Welt zeigte, zeigt er nun die Welt als Mikrokosmos von Palästina. Beispielsweise, wenn plötzlich Panzer durch Paris fahren, bei denen erst später klar wird, dass diese wegen des Nationalfeiertags unterwegs sind. Oder in Amerika, wo im Supermarkt Frauen und Männer mit automatischen Schusswaffen ausgerüstet sind und vor dem Laden ein Taxifahrer einem Kunden eine Panzerfaust aus dem Kofferraum holt. Oder wenn vor einem Brunnen Egoisten selbst alten Leuten die letzten Stühle fast unter dem Hintern wegklauen. Die Symbolik ist überall.

Das ist alles höchst absurd, doch leider traurige Realität. Traurig ist der Film jedoch keineswegs. Fast jede der Szenen bringt zum Lachen - auch wegen des leicht entgeisterten Blickes von Suleiman selbst. Ein kleines Highlight - im wortwörtlichen Sinne - ist ein kleiner Vogel, dem der Protagonist ein bisschen Futter gegeben hat, der jedoch nun nicht mehr verschwinden will und dem arbeiteten Suleiman immer wieder auf die Laptop-Tastatur hopst.

It Must Be Heaven wird aber wie auch schon The Time that Remains durch die Collagen-Struktur heruntergezogen. Eine Geschichte wird hier nicht wirklich erzählt und so schleichen sich immer wieder Längen ein und lassen den Film sich länger anfühlen, als er es mit seinen relativ kurzen 97 Minuten ist. Sehenswert und vergnüglich bleibt diese Absurditätensammlung aber bis zum Ende.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:52