The Irishman (2019)

The Irishman (2019)

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  2. 210 Minuten

Filmkritik: Dead Men Talking

Netflix
The Heat is on!
The Heat is on!

Amerika in den Fünfzigerjahren: Der Kriegsveteran und Lastwagenfahrer Frank Sheeran (Robert De Niro) bessert sich sein Gehalt ein bisschen auf, indem er einen Teil seiner Fleischladung an die Mafia verkauft. Als er jedoch einmal seine ganze Ladung beim organisierten Verbrechen abliefert, findet dies der Kunde am eigentlichen Bestimmungsort gar nicht lustig. Frank wird vor Gericht gestellt, doch wird er dank des cleveren Anwalts Bill Bufalino (Ray Romano) freigesprochen. Bill stellt Frank wenig später seinem Cousin Russell Bufalino (Joe Pesci) vor, welcher als Kopf der Mafiafamilie in Pennsylvania waltet.

GoodFellas
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Frank wird von Russell angeheuert, um kleinere Aufträge auszuführen. Der Beginn einer Mafia-Karriere, während der Frank auch nicht vor Gewalt oder Morden zurückschreckt. Zur gleichen Zeit arbeitet die Mafia auch mit dem Gewerkschaftsführer Jimmy Hoffa (Al Pacino) zusammen. Als dieser eines Tages einen Bodyguard benötigt, wird ihm Frank empfohlen, und es entsteht dabei eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden Männern. Doch Hoffa ist kein einfacher Zeitgenosse und seine Sturheit bringt bald nicht nur ihn, sondern auch Frank in des Teufels Küche.

Das melancholische Gangster-Drama The Irishman von Regie-Legende Martin Scorsese ist ein exquisit gefilmtes, toll geschriebenes, perfekt geschnittenes und vor allem von Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci grossartig gespieltes Epos. Die Verjüngungseffekte stören nur zu Beginn ein wenig, und die Laufzeit von 209 Minuten ist erst gegen Ende hin zu spüren. Für alle Gangsterfilm-Fans ist der Streifen ein Muss und eigentlich auch für alle, die gute Filme mögen.

The Irishman basiert auf dem Bestseller «I Heard You Paint Houses» über die Lebensgeschichte des Mafiosos Frank Sheeran. Mit dem Buchtitel sind nicht etwa Malarbeiten gemeint, sondern das Verspritzen von Blut bei einem Mord. Martin Scorsese wollte aus dem Stoff ein Gangsterepos machen, dessen Umsetzung sich aber lange hinzog. Zum einen war sein Religionsdrama Silence ein Flop, und zum anderen wollte der Oscarpreisträger seinen Altstar-Cast mit Hilfe von aufwändiger Computertechnik für viele Szenen verjüngen. Als das Studio Paramount die Produktionskosten von über 150 Millionen Dollar nicht aufbringen wollte, öffnete Netflix das Portemonnaie noch so gerne für dieses Passionsprojekt. Scorsese wurden alle Freiheiten gegeben, was sich am offensichtlichsten bei der Laufzeit von 209 Minuten bemerkbar macht.

Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci spielen - wie erwartet - einfach nur sensationell. Pesci hat für den Film nach langem Drängen von Scorsese sogar seinen Ruhestand unterbrochen. Hier zeigt der für seine Rolle in GoodFellas mit dem Oscar ausgezeichnete Schauspieler eine weitere feine Performance. Einen Schreihals porträtiert er dieses Mal jedoch nicht. Sein Russell Bufalino versucht mit Ruhe und Überlegtheit das grosse Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

Allgemein ist The Irishman ein sehr ruhiger Film. Auftragsmorde gibt es zwar zur Genüge, aber sind dies immer nur sehr kurze Affären. Auch zelebriert Scorsese mit wenigen Ausnahmen das Gangsterleben nicht, sondern zeigt seine Protagonisten auch mal gebrechlich im Altersheim, gebeutelt von den Taten, die sie in ihrem Leben begangen haben. Der Tod ist dabei während der ganzen Spielzeit allgegenwärtig. Wenn De Niros Sheeran auf für den Plot nicht sehr relevante Figuren trifft, wird das Bild kurz angehalten um aufzuzeigen, wann und wie die gerade begrüsste Person gestorben ist.

The Irishman ist so auch ein Abgesang auf den Gangsterfilm. Wie kaum ein anderer Genre-Vertreter arbeitet Scorsese hier nicht nur die physischen, sondern vor allem auch die psychischen Konsequenzen einer Mafia-Karriere heraus. Neben dem Tod schwingt auch immer eine Traurigkeit mit. Das nimmt einen mit - allen voran das Schicksal des von Pacino toll gespielten Jimmy Hoffa -, auch wenn die Figuren nicht gerade als Sympathieträger taugen. Doch spielt dies keine Rolle, denn der Film ist dermassen meisterhaft inszeniert, dass man gespannt auf die Leinwand blickt.

Obwohl hier sechs Jahrzehnte abgedeckt werden und die Handlung auf der Zeitachse mehrfach hin- und herspringt, kommt keine Verwirrung auf. Dank der Schnittarbeit von Thelma Schoonmaker wirkt alles wie aus einem Guss. Die Verjüngungseffekte stören derweil nur zu Beginn, wenn De Niro etwas gar wie eine Steve-Carell-Plastikfigur aus Welcome to Marwen aussieht. Doch ansonsten ist das ganz stark umgesetzt. Trotz über dreieinhalb Stunden gibt es eigentlich nur in der letzten 30 Minuten ein paar Längen. Ein schneller Schluss hätte der Erzählung zwar nicht gestanden, doch zieht sich das Ganze dann schon ein recht dahin. Doch ist das Meckern auf hohem Niveau. The Irishman ist ganz grosses Kino.

/ crs

Kommentare Total: 4

Narcissus

Das ist MEINE Gewerkschaft!

Die beste Eiscreme-Szene 2019!!

muri

Scorsese und Mafia, das passt. Dazu überragende Darsteller De Niro, Pacino und Pesci. Kaum zu glauben, dass über 200 Minuten so schnell vorbeigegangen sind.

Bravo!

nna

Ganz grosses Kino: Jetzt auf Netflix!

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