Initials S.G. - Iniciales S.G. (2019)

Initials S.G. - Iniciales S.G. (2019)

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  3. 93 Minuten

Filmkritik: Ein Unheil kommt selten allein

2. OutNow Film Festival 2021
Denn sie wissen nicht was sie tun
Denn sie wissen nicht was sie tun © trigon-film

Sergio Garces (Diego Peretti), ein Mann um die 50, verdient seinen Lebensunterhalt in Buenos Aires vor allem mit dem Drehen von Pornos. Doch nun möchte er ins seriöse Filmfach wechseln. Auf dem Heimweg verunfallt er mit dem Velo. Dann bleibt in seinem Haus wieder einmal der Aufzug stecken. Und für eine Prügelei wird er von einer Richterin zu sechs Monaten Sozialdienst verurteilt. Zudem wird er verpflichtet, einen Psychologen aufzusuchen, um seine Wutanfälle besser kontrollieren zu können. Durch einen Freund lernt er Jane (Julianne Nicholson) kennen. Nachdem sie zusammen einen Joint geraucht haben, verbringen sie ein wenig Zeit im Spa von Janes Hotel.

«Wo bin ich?»
«Wo bin ich?» © trigon-film

Sergio ist grosser Fan der argentinischen Fussball-Nationalmannschaft. Eine andere grosse Leidenschaft von ihm ist das Rauchen von Bongs auf seinem Sofa, meist nur mit einer Unterhose bekleidet. Auch dem Alkohol ist er nicht abgeneigt. Seinen ersten Termin beim Psychologen verpasst er, da er ein paar Minuten zu spät beim Gebäude eintrifft. Die Dame am Empfang lässt ihn nicht ins Gebäude und droht ihm schlussendlich sogar mit der Polizei.

In der Tragikomödie Initials SG geht es vor allem um die Beziehung zwischen den beiden von Diego Peretti und Julianne Nicholson gespielten Protagonisten. Der Film handelt von Einsamkeit und dem Unvermögen, einen anderen Menschen zu lieben. Vor allem Sergio fühlt sich oft von seiner Umwelt unverstanden. Der Soundtrack ist sehr unterhaltsam und die beiden Hauptdarsteller spielen ihre Rollen toll.

Bei Initials S.G führten Rania Attieh und Daniel Garcia Regie und sind auch für das Drehbuch verantwortlich. Der Film spielt im Jahr 2014 in Buenos Aires während der in Brasilien stattfindenden Fussball-WM. Diego Peretti spielt einen ziemlich kaputten Mann, der mit seinem Vorbild Serge Gainsbourg lediglich die Initialen teilt, nicht aber dessen Erfolg. Die Namenswahl des weiblichen Hauptcharakters Jane soll vermutlich an Gainsbourgs Lebensgefährtin, Jane Birkin, erinnern. Über den ganzen Film hindurch werden die Zuschauer von einer Erzählstimme (Daniel Fanego) begleitet, welche die Gedanken und die Gefühle Sergios ausdrückt.

Es passiert so einiges in diesem nur eineinhalbstündigen Film. Langweilig ist er zu keiner Sekunde. Dennoch fühlt es sich eher wie ein Episodenfilm mit dem immer gleichen Hauptcharakter an, denn wie eine zusammenhängende Geschichte. Neben den tollen Schauspielerleistungen ist vor allem der Soundtrack von Bill Laurance und Maciej Zieliński hervorzuheben.

Die grösste Leistung des Films schaffte die Filmcrew eindeutig mit der Darstellung von Sergio. Obwohl Sergio kein sehr sympathischer Zeitgenosse ist, schaffen es die Filmemacher, die Zuschauer zum Mitfiebern zu bewegen. Perettis Ähnlichkeit mit Al Pacino ist nicht zu übersehen. Übrigens: Peretti hat, bevor er Schauspieler wurde, als Psychiater gearbeitet. Einen solchen könnte der Protagonist wohl auch ganz gut brauchen.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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Trailer Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:40