The Informer (2019)

The Informer (2019)

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  2. 113 Minuten

Filmkritik: Der polnische Abgang

Zurich Film Festival 2019
Heiho, heiho, wir sind vergnügt und froh!
Heiho, heiho, wir sind vergnügt und froh!

Pete Koslow (Joel Kinnaman) ist ein Ex-Knacki, der seine kriminelle Karriere gerne hinter sich lassen und mit seiner Frau Sofia (Ana de Armas) und seiner Tochter neu anfangen möchte. Dafür hat er sich als Informant mit dem FBI zusammengetan. Agent Wilcox (Rosamund Pike) und ihr Boss Montgomery (Clive Owen) haben den ehemaligen Elite-Soldat und Drogenschmuggler der polnischen Mafia aus dem Gefängnis geholt, damit er ihnen bei deren Infiltration helfen, und dem Drogenhandel in New York damit ein Ende setzen kann.

Und jetzt alle Hände in die Höh.
Und jetzt alle Hände in die Höh.

Als der Plan unerwartet schief geht und Koslow beinahe auffliegt, wird er vom FBI im Stich gelassen. Sie geben ihm eine letzte Chance, die ihn aber vor eine grosse Herausforderung stellt: Er muss an den Ort zurückkehren, von dem er für immer entkommen wollte. Im Bale Hill Gefängnis muss er als Spitzel Informationen über den sich darin abspielenden Drogenhandel sammeln und eine Liste mit Namen auftreiben. Doch für Koslow ist es ein Spiel gegen die Zeit, denn er steht unter gewaltigen Druck und auch seine Familie ist immer noch in Gefahr.

Das Rezept von The Informer ist so simpel und uninspiriert wie der Filmtitel selbst. Man nehme einen Ex-Knacki mit krimineller Vergangenheit, ein paar vermeintlich hilfsbereite FBI-Agenten, grimmige Schurken aus Osteuropa und eine hübsche Ehefrau, die beschützt werden muss. Ja, Andrea Di Stefano geizt nicht mit Klischees und altbekannten Formeln. Dass sein Krimi-Thriller dennoch so gut unterhält und für knapp zwei Stunden durchgehend spannend ist, ist der Besetzung und der schnörkellosen Inszenierung zu verdanken.

Der schwedische Schauspieler Charles Joel Nordström, der unter dem Namen Joel Kinnaman bekannt wurde, kennt man als Rick Flag aus Suicide Squad oder als Hauptdarsteller aus dem Robocop-Remake. Auch in der Netflix-Serie Altered Carbon und der starken Krimi-Serie The Killing hatte Kinnaman sehr überzeugende Schauspielleistungen abrufen können. Im neusten Film von Andrea Di Stefano, der mit seinem Regiedebüt Escobar: Paradise Lost gleich einen Geheimtipp im Thriller-Genre verzeichnen konnte, übernimmt Kinnaman nun zum zweiten Mal in einer grösseren Produktion das Lead. The Informer ist ein grundsolider und spannungsgeladener Krimi mit Thriller- und Dramapassagen, bei dem man als Actionfan kaum was falsch machen kann.

Andrea Di Stefano verlässt sich bei seinem zweiten Werk, das auf dem Roman "Drei Sekunden" von Börge Hellström und Anders Roslund basiert, auf einen altbewährten Plot ohne grössere Überraschungen. Wer bereits Filme kennt, in denen ein Ex-Krimineller für die Polizei als Spitzel arbeitet, wird nicht viel Neues entdecken. Die Stärken sind anderswo auszumachen. Hauptdarsteller Kinnaman ist das Herzstück des Thrillers. Er trägt den Film, und auch wenn er kaum eine Miene verzieht, kauft man ihm den Leidensweg genauso ab wie seine harte und toughe Art. Mit Rosamund Pike (Gone Girl) und Clive Owen (Closer) auf der Seite des FBI hat Di Stefano zwei bekannte Gesichter aufgestellt, die im Verlauf der Story für die wenigen Wendungen verantwortlich sind. Etwas schade ist der kurze Einsatz von Film-Ehefrau Ana de Armas (Blade Runner 2049). Die talentierte Darstellerin kann nur wenig von sich zeigen und geht als "Damsel in Distress" fast ganz unter.

Natürlich kann man Di Stefano vorwerfen, dass The Informer eine Spur zu gewöhnlich daherkommt. Die fehlende Originalität ist sicherlich der Hauptkritikpunkt des Films und Genrefans dürften relativ rasch begriffen haben, wohin das Ganze führen wird. Interessanterweise kann der Regisseur trotz diesen Schwächen das Tempo angenehm hoch halten. Auch dank den vielen Locationwechseln kommt nie Langeweile auf und man fiebert als Zuschauer bis zum absehbaren Ende mit. The Informer ist ein solider Krimi-Thriller, der nicht viel falsch macht, aber auch nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Dennoch ist auch die zweite Regiearbeit von Andrea Di Stefano gelungen und stellt viele Genrekollegen problemlos in den Schatten.

/ yan