In the Tall Grass (2019)

In the Tall Grass (2019)

Im hohen Gras
  1. , ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: Wo ist der Rasenmäher, wenn man ihn braucht?

Antworten gibts dahinten auch nicht
Antworten gibts dahinten auch nicht

Der Weg auf der langen Landstrasse führt Cal (Avery Whitted) und seine schwangere Schwester Becky (Laysla de Oliveira) an einem grossen Wiesenfeld vorbei. Als sie kurz anhalten und aussteigen, hören sie die Stimme eines kleinen Jungen, der nach Hilfe ruft. Er habe sich im hohen Gras verlaufen und sie mögen ihn doch bitte retten und zurück auf die Strasse bringen. Natürlich machen sich die Geschwister sofort auf und wagen sich ins Dickicht. Doch bald werden sie im undurchdringlichen und hohen Gras getrennt und suchen nicht nur den kleinen Jungen, sondern auch sich selber.

Jetzt langed doch dä Stei aa!
Jetzt langed doch dä Stei aa!

Immer weiter laufen die Menschen ins Feld. Ihr Weg führt sie an toten Hunden vorbei und in die Arme von Ross (Patrick Wilson), den Vater von Tobin (Will Buie Jr.), der so verzweifelt nach Hilfe gerufen hat. Gemeinsam versuchen sie, das Feld zu verlassen, merken aber bald, dass es scheinbar keinen Ausweg gibt! Als Ross dann auch noch vom Wahnsinn gepackt wird und die Gruppe auf einen schwarzen Felsen mitten im Feld trifft, wird es definitiv dramatisch. Denn die Berührung dieses Steins soll nicht nur Erleuchtung bringen, sondern es taucht auch noch der Kindsvater von Beckys ungeborenem Baby auf... Und die Wehen werden auch immer heftiger. Aber hat das Gras nicht genau auf das gewartet?

In the Tall Grass mag dem grossen Hype, den King-Verfilmungen aktuell wieder haben, nicht gerecht werden. Zwar ist die Ausgangslage, wie meistens, interessant und die Story macht neugierig, nur leider schafft es Regisseur Natali nicht, den Schwung des Romans in den Film zu transportieren. So kriegen wir ein unübersichtliches Gruselding zu sehen, das nicht wirklich zum Fürchten ist und vielfach scheinbar recht unkoordiniert zwischen den Zeiten umherspringt. Das Ende versöhnt wieder ein bisschen, aber bis dahin ist zu viel daneben gegangen.

Basierend auf einer Geschichte von Stephen King und Sohnemann Joe Hill, wird uns mit In the Tall Grass ein Film präsentiert, der uns das Fürchten lehren und uns künftig von allerlei Wiesen und hohem Grass fernhalten soll. Das schafft die Netflix-Produktion in den ersten Minuten auch ganz gut, sie verliert dann aber bald ihren Reiz, da sich die Sequenzen wiederholen und die Szenerie ins Abstruse abdriftet.

Die Anfangssequenz mit der Kamerafahrt über das unendlich scheinende Grün und die ersten Opfer des Grases werfen uns schon mitten ins Gruseln. Die Story nimmt Fahrt auf, der Zuschauer bleibt verwundert zurück und hofft auf eine spannende Auflösung, die erklärt und packt. Leider verläuft sich In the Tall Grass jedoch bald in Szenen, die man schon kennt und lässt den Figuren nur sehr begrenzten Platz zur Entfaltung: Abgesehen von Patrick Wilson (Aquaman), der seinen Wahnsinn und die Veränderung seines Charakters noch am spannendsten und gruseligsten rüberbringt, ist der Rest der Crew leider nicht ganz so doll getroffen, sondern bleibt in den sehr bescheidenen Pfaden ihrer Charaktere.

Wenn Regisseur Vincenzo Natali (inszenierte 1997 immerhin Cube) dann die eigentliche Story zu vergessen scheint und die einzelnen Szenen ins Absurde aufbläst, wird es selbst dem hartnäckigsten King-Fan ein bisschen zu viel. Dann geht es weg vom Grusel im hohen Gras und hin zu skurrilen Momenten mit einem schwarzen Stein, der den Boden öffnet und komische Grasfiguren zum Vorschein kommen lässt. Strange!

/ muri