Ich war noch niemals in New York (2019)

Ich war noch niemals in New York (2019)

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  2. 128 Minuten

Filmkritik: Ü60-Party!

Another Day of Sun
Another Day of Sun

Das Wichtigste im Leben für Lisa Wartberg (Heike Makatsch) ist ihr Beruf als Fernsehmoderatorin. Da muss selbst Mutter Maria hintenanstehen, welche liebevoll einen Geburtstagskuchen für ihre gestresste Tochter gebacken hat. So muss die Mama alleine den Kuchen essen und das Geschirr danach ganz einsam abwaschen. Gesellschaft leistet ihr eigentlich nur Udo Jürgens, dessen Hit "Ich war noch niemals in New York" durchs Radio kommt. Doch während dem Abwaschen fällt Maria hin und löscht sich dabei selbst das Gedächtnis. Sie weiss nur noch, dass sie ganz dringend nach New York fahren muss.

Get down, get down...
Get down, get down...

So verschafft sich die Rentnerin heimlich Zugang zum Kreuzfahrtschiff MS Maximiliane. Beim Versuch ihre Mutter vor Dummheiten zu bewahren, landet Lisa selbst auf dem Schiff in Richtung New York. Da Mutter und Tochter keine Tickets besitzen, müssen sie den Preis für die Überfahrt als Putzkräfte abarbeiten. Dabei trifft Maria auf den Gigolo Otto (Uwe Ochsenknecht) und Lisa auf den eigentlich äusserst langweiligen, aber trotzdem irgendwie faszinierenden Professor Axel Staudach (Moritz Bleibtreu).

Alle Leute, die der Musik von Udo Jürgens negativ oder neutral gegenüberstehen, können diese Musical-Adaption getrost auslassen. Nach einem rasanten Beginn mit einigen Gute-Laune-Songs werden gleich drei Love-Storys aufgefahren, die jedoch aufgrund des Gehampels und des deutlich als Kulisse zu erkennenden Schiffs nie ernstgenommen werden können. Da bringt es auch nichts mehr, wenn sich die Schauspieler musikalisch ins Zeug legen. Es fühlt sich hier einfach zu viel falsch an.

Für die Fans von Udo Jürgens und dem auch in der Schweiz aufgeführten Musical "Ich war noch niemals in New York" ist es völlig Wurst, was wir hier schreiben. Die Karte für die Kinoadaption ist schon lange gelöst und das Zielpublikum wird mit einem riesigen Strahlen aus dem Kino kommen. Und genau hier liegt das Problem: Der Film möchte nicht der Masse gefallen, sondern vor allem "seine Leute" bedienen und wird so zur Qual für alle anderen.

Diejenigen, welche Udo Jürgens doof finden, werden sich ohnehin nicht in diesen Film verirren. Doch wie sieht es mit den neutralen Zuschauern aus? Können auch diese hier ihre Freude haben? Zu Beginn sicher, wenn innert kürzester Zeit Gassenhauer wie "Vielen Dank für die Blumen", "Aber bitte mit Sahne" und "Griechischer Wein" in schmissiger Art und Weise wiedergegeben werden. Die knallbunten Farben und allgemein das poppige Design des Ganzen macht hier mächtig Laune. Doch Jürgens ist neben diesen Hits, die auch jedes Jahr beim Oktoberfest schallend mitgegrölt werden, auch für viele schnulzige Lieder bekannt. Und werden diese dann erst aufgerollt, sinkt dieses Traumschiff von einem Film.

Denn die ganze Liebelei und der Herzschmerz (es werden gleich drei Liebesgeschichten erzählt) können nicht ernstgenommen werden. Hier wird der Film Opfer seines zu fröhlichen Beginns und des offensichtlich als Kulisse auszumachenden Hauptspielorts. Dies mit dem mehr schlecht als recht gemachten Schiff ist laut Regisseur Philipp Stölzl (Der Medicus) beabsichtigt, da das Ganze immer noch "ein Bein in der Welt des Theaters" haben sollte. Theater ist ja schön und gut, doch ein Film funktioniert erst, wenn er (positive) Emotionen beim Zuschauer auslösen kann. Das tut dieses Gehampel auf hoher See jedoch nicht, da hier so offensichtlich alles Fake ist. Ist die Hülle falsch, sind es auch die von den Schauspielern gezeigten Emotionen. Da können die Darsteller noch so fest tanzen und weinen.

Am ehesten könnte man Ich war noch niemals in New York mit der ABBA-Musical-Filmadaption Mamma Mia vergleichen, wo ebenfalls eine Story konstruiert wurde, um so viele Hits wie nur möglich hineinzuquetschen. Wo es dem Film von Phyllida Lloyd dank sonnigem Setting und mehr schmissigeren Hits gelang, durchaus gute Laune zu verbreiten, ist dieses Udo-Jürgens-Musical eher ein Mamma Mia 2. Auch hier war vieles da, um ein Mamma Mia überzeugend zu kopieren. Doch am Ende nervt das Gezeigte vornehm aufgrund zu vieler schräger Töne.

/ crs