Hustlers (2019)

Hustlers (2019)

  1. , ,
  2. 110 Minuten

Filmkritik: Sisterhood of the Dropping Pants

44th Toronto International Film Festival
On the floor for J.Lo
On the floor for J.Lo

Die Asiatin Dorothy (Constance Wu) arbeitet unter ihrem Künstlernamen Destiny in einem Stripclub in New York. Ihre Auftritte an der Stange könnten jedoch noch etwas mehr Geld abwerfen. Immerhin möchte sie mit dem verdienten Geld auch ihre Grossmutter (Wai Ching Ho) finanziell unterstützen. Eines Abends sieht Dorothy den Auftritt von Berufskollegin Ramona (Jennifer Lopez), bei der die männliche Kundschaft ihre Geldbörsen regelrecht ausleert. Um ebenfalls so erfolgreich zu sein, hängt sich Dorothy an Ramona und erhält vom Star des Ladens viele nützliche Tipps. Fortan scheint es kein Limit mehr zu geben.

C.Wu & J.Lo
C.Wu & J.Lo

Dann kommt die Finanzkrise 2008. Den Leuten an der Wall Street hängt das Geld plötzlich nicht mehr so locker, was auch die Stripperinnen zu spüren bekommen, die nun um ihre Existenz bangen müssen. Doch Ramona will nicht so einfach aufgeben. Mit ein paar Kolleginnen beginnt sie Männer in einer Bar aufzugabeln. Die Herren werden mit Drinks und heimlich verabreichten Medikamenten gefügig gemacht und innerhalb eines Abends um bis zu 5'000 Dollar erleichert. Aber wie lange wird das gut gehen?!

In Lorene Scafarias Hustlers rächen sich Stripperinnen an den Leuten der Wall Street. Das macht nach einer etwas lahmen Hälfte durchaus Spass, da diese Gruppe von Frauen äusserst sympathisch ist und ihre Entscheidungen bis zu einem gewissen Grad verständlich sind. Jennifer Lopez als Ringleaderin Ramona zeigt zudem eine der besten Performances ihrer (Schauspiel-)Karriere und macht den Film fast alleine sehenswert.

In Martin Scorseses The Wolf of Wall Street gibt es eine Szene, in der nach einem erfolgreichen Deal-Abschluss alle Türen des Grossraumbüros geöffnet werden und sogleich Musiker sowie leicht bekleidete Frauen hineinstürmen, um zu feiern. Scorsese zeigte da den ganzen Exzess, welchen die Leute an der Wall Street für lange Zeit genossen. Regisseurin und Drehbuchautorin Lorene Scafaria (Seeking a Friend for the End of the World) schaut in ihrem Hustlers nun auf diese mitfeiernden Frauen und ihren Platz in dem ganzen Wahnsinn. Dabei fokussiert sie sich in der zweiten Hälfte auch auf eine Zeit, in der dieser Exzess endete, auf die damit verbundenen Kopfschmerzen und wie Rachegelüste nicht nur Gedankenspiele blieben.

Die Geschichte in Hustlers ist nämlich eine, die sich tatsächlich ereignet hat. Scafaria arbeitete hier nach dem "The Cut"-Artikel von Jessica Pressler mit dem Titel "The Hustlers at Scores". Wie Pressler selbst schreibt, ist es eine moderne Robin-Hood-Story um eine Gruppe, die von den Reichen nimmt, um es den Armen - also, sich selbst - zu geben. So hat das Ganze schon mal eine gelungene Ausgangslage, denn wer mag schon reiche Snobs und hofft nicht auf die Underdogs? Dass die Underdogs dann selbst kriminell werden, ist heikel, doch Scafaria wertet dabei nicht, sondern überlässt es den Zuschauern, über die Handlungen der Figuren zu urteilen.

Zum Glück sind diese überzeugend gezeichnet und zudem auch toll gespielt. Crazy Rich Asians-Star Constance Wu nimmt mit ihrer Figur Dorothy/Destiny die Zuschauer an die Hand und führt so durch die Story. Sie schildert ihre Erlebnisse in einer Rahmenhandlung einer von Julia Stiles gespielten Journalistin, welche natürlich für Pressler selbst steht. Es geht in der Erzählung um Freundschaft, Betrug und Gerechtigkeit. Wenn die Banker bescheissen dürfen, dann ist dies ja wohl auch den Stripperinnen erlaubt. Wu spielt gut, jedoch wird ihr durch Jennifer Lopez die Show gestohlen - ganz ähnlich wie bei J.Los erstem Auftritt im Striplokal. Lopez ist beeindruckend in der Rolle der Ringleaderin, die knallhart ihr Ding durchzieht. Es ist jedoch gut, dass sie nicht die Hauptrolle spielt. Denn Lopez' Ramona denkt scheinbar nicht gross über ihre Taten nach, was sie nicht ideal für eine Identifikationsfigur macht. So zeigt Lopez in erster Linie eine verdammt coole Performance, die dem Film immer dann einen Tritt in den Arsch gibt, wenn sich Längen einschleichen. Diese hat Hustlers ein paar Mal nötig, denn der Ausgang der Geschichte ist eigentlich von Anfang an klar und zwischendurch besitzt der Streifen etwas viel "Shopping Porn".

Auch hätte der Film durchaus etwas böser sein dürfen. Zu lachen gibt es zwar einiges, doch Scafaria wollte hier den Zusammenhalt dieser Frauen aufzeigen und entscheidet sich so für Realismus anstatt Übertreibung. Unterhaltung bietet der Streifen aber genug und darf deshalb als kleine Überraschung des Kinojahres 2019 bezeichnet werden.

/ crs