Human Capital (2019)

Human Capital (2019)

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  2. 95 Minuten

Filmkritik: Geld regiert die Welt

2. OutNow Film Festival 2021
«Leave, Liev!»
«Leave, Liev!» © Courtesy of TIFF

Der mässig erfolgreiche Immobilienhändler Drew Hagel (Liev Schreiber) möchte endlich auch bei den Grossen mitspielen und hofft, sich beim Luxus-Hedgefonds von Quint Manning (Peter Sarsgaard) einzukaufen. Er rechnet sich gute Chancen aus, da seine Tochter Shannon (Maya Hawke) mit Quints Sohn Jamie (Fred Hechinger) zusammen ist. Tatsächlich scheint alles optimal zu laufen und Quint versichert Drew zu helfen. Er müsse einfach mindestens 300'000 Dollar einbringen.

«Immer diese blöden Wortspiele, der OutNow-Redaktion...»
«Immer diese blöden Wortspiele, der OutNow-Redaktion...» © Courtesy of TIFF

Da Drew dieses Geld nicht auf der hohen Kante hat, holt er sich einen Kredit bei seiner Bank. Immerhin ist die Sache mit Quint ein todsicheres Ding, und so dürfte er innerhalb kürzester Zeit den Kredit zurückzahlen können und ordentlich Gewinn machen. Leider kommt alles anders. Als dann auch noch die Polizei wegen einer Fahrerflucht bei Drew vorstellig wird, könnte dies nicht nur Konsequenzen für ihn haben, sondern auch für die Mannings.

Human Capital, die Zweitverfilmung des gleichnamigen Romans und das Remake des italienischen Preisabräumers Il capitale umano, packt zu wenig in seiner relativ kurzen Laufzeit von 94 Minuten. Dem Film gelingt es nicht, ein Feuer zu entfachen, sodass man gespannt dranbleiben würde. Dies in Kombination mit blassen Figuren ergibt ein wenig berauschendes Seherlebnis.

Es gibt Filme, die sind ganz ok anzusehen, plätschern jedoch einfach vor sich hin, ohne grosse Emotionen auszulösen. Einer dieser Filme ist Human Capital. Es handelt sich hierbei um das US-Remake des mit sieben Italo-Oscars (der offizielle Preisname lautet «David di Donatello») ausgezeichneten Films Il capitale umano von Paolo Virzì, der wiederum die Verfilmung des Romans «Human Capital» des amerikanischen Autors Stephen Amidon ist.

Der italienische Film war trotz der vielen Auszeichnungen zwar auch nicht über jeden Zweifel erhaben, doch wollte man das interessante Filmpuzzle am Ende schon gelöst haben, bei dem jede Sichtweise auf die Handlung ein Puzzleteil war. Denn gleich zu Beginn wird ein Radfahrer angefahren und wir erfahren erst gegen Ende hin, wer am Steuer des Autos sass und was die genauen Umstände sind. Das Bedürfnis, diese herausfinden zu wollen, stellt sich hier auf Seiten der Zuschauer nicht wirklich ein.

Die Gleichgültigkeit beim Schauen von Human Capital liegt an den langweiligen Figuren und an der Unfähigkeit der Macher, Drama und/oder Thrill aus dem Plot zu kitzeln. An den Schauspielern liegt das nur bedingt. Ihre Charaktere sind einfach zu schwach gezeichnet, und zudem schaltet die Handlung immer weg, wenn es mal etwas dramatisch werden könnte.

Um den so zentralen Themen wie «Gier» und «Arm vs. Reich» gerecht zu werden, hätte das Ganze auch durchaus etwas überzeichnet daherkommen können. Doch fast alle Figuren sind so bieder, dass sie uns nicht gross kümmern. Die einzigen Ausnahmen werden von Maya Hawke (Stranger Things) und Alex Wolff (Hereditary) verkörpert, da ihre Figuren das eigentliche Herz des Filmes sind und so auch mal richtige Gefühlsausbrüche zeigen dürfen.

So gibt es beim Abspann dann ein einfaches Schulterzucken. Schlecht ist Human Capital nicht, aber letzten Endes nur ein weiterer Film, den man mal gesehen hat und recht schnell wieder vergisst.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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