Hope Gap (2019)

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Filmkritik: Liebling, lass uns scheiden

44th Toronto International Film Festival
Jetzt ist er weg! WEG! Und ich bin wieder allein, allein.
Jetzt ist er weg! WEG! Und ich bin wieder allein, allein.

29 Jahre sind Grace (Annette Bening) und Edward (Bill Nighy) bereits verheiratet, doch knistern tut es schon länger nicht mehr in der Ehe. Grace sammlet in ihrer Freizeit leidenschaftlich Gedichte, während Lehrer Edward nach einem langen Tag in der Schule nach Hause kommt, um Wikipedia zu lesen und zu bearbeiten. Es scheint, als hätten sie es sich etwas zu gemütlich gemacht in ihrem Haus auf dem Lande. Der erwachsene Sohnemann Jamie (Josh O'Connor) wohnt derweil alleine in der Stadt und kommt nur noch selten vorbei.

Doch als Edward seinen Sohn bittet, für ein Wochenende nach Hause zu kommen, ahnt dieser noch nicht, was sein Vater genau vorhat. Als Grace mal aus dem Haus ist, lässt Edward die Bombe platzen: Er führt schon seit einer Weile eine heimliche Beziehung mit der Mutter eines Schülers. Jetzt möchte er dies auch Grace gestehen und sich scheiden lassen. Und so nimmt das Drama seinen Lauf...

Das Scheidungsdrama Hope Gap zeigt ein Paar, bei dem der Mann nach 29 Jahren die Ehe beenden will. Anstatt tragisch ist das immer wieder unfreiwillig komisch, ärgerlich und wegen vieler Klischees einfach nur peinlich. Auch die unsägliche Symbolik fängt schnell an zu nerven. Die Schauspielgrössen Bill Nighy und Annette Bening haben so viel Besseres verdient.

Es ist halt schon Pech, dass Hope Gap gerade mal eine Woche nach dem anderen Scheidungs-Drama Marriage Story seine Weltpremiere feiert. Zugegeben: Gegen Noah Baumbachs grossartiges Werk darf man ruhig Zweiter machen - wie spektaklär Hope Gap jedoch auf diesen zweiten Platz klatscht, ist fast schon bemerkenswert.

Denn das von William Nicholson inszenierte und gedrehte Drama mit den Schauspielgrössen Bill Nighy und Annette Bening ist ein einziger Klischeehaufen. Dabei fängt alles so unspektakulär an, und die leisen Töne trifft der Film zu Beginn noch ganz gut. Doch dann kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die von Bening gespielte Grace nicht so eine Nette zu sein scheint. Man hätte da mit einem Zusammenschnitt aus fröhlicheren Tagen zu Beginn des Filmes Gegensteuer geben können. Aber offensichtlich war das von Nicholson nicht so eingeplant. Ihm geht es darum, eine Beziehung zu zeigen, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt war - auf wundersame Weise aber trotzdem 29 Jahre gehalten hat.

Die Zuschauer stecken somit mit einem Paar fest, bei dem man schnell erkennt, dass es besser ist, wenn es sich trennt. Während er schon abgeschlossen hat, krallt sie sich weiterhin fest. Das ist aber alles dermassen voller Klischees, dass es irgendwann nur noch lächerlich wird. In einer Szene schafft sich Grace einen Hund an, dem sie den Namen ihres Ex-Mannes gibt und dem sie dann Befehle wie «Edward, bleib» gibt. Soll das lustig sein? Es ist vor allem peinlich und lässt einen wünschen, dass man wie Edward nach einer Weile bei diesem Trauerspiel einfach davonlaufen könnte.

Es hilft auch nicht, dass der Film voller Symbolik ist, wobei Wikipedia, Napoleon Bonaparte und Gedichte dafür hinhalten müssen. Für Letzteres muss vor allem Dante Gabriel Rossettis «Sudden Light» herhalten, das mit den Worten «I have been here before» beginnt. Das passt! Wir waren kürzlich schon mal bei einem solchen Scheidungs-Drama. Liebend gerne würden wir jetzt nochmals auf den viel besseren Marriage Story verweisen und uns nun mit diesen letzten Worten definitiv von Hope Gap trennen.

/ crs