The County - Héraðið (2019)

The County - Héraðið (2019)

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  3. 92 Minuten

Filmkritik: County Roads

Milchstrasse
Milchstrasse © Xenix

Dalsmynni ist ein kleines Kaff in der isländischen Provinz, welches zum grössten Teil aus Bauernhöfen besteht. Hier betreibt Inga (Arndís Hrönn Egilsdóttir) mit ihrem Ehemann die eigene Milchfarm. Das Geschäft könnte besser laufen und das Paar ist hoch verschuldet. Nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Gattens steht Inga plötzlich alleine da. Die lokale Genossenschaft hat die Bauern fest im Griff. Durch Import- und Exportverbote werden sie in ihren Expansionsmöglichkeiten bedroht.

Kuhrios
Kuhrios © Xenix

Um dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken, beschliesst die rebellische Milchbäuerin, einen Bericht über die schwierigen Zustände zu verfassen, der bei den Medien grossen Anklang findet. Ihre Bauernfreunde, die zu eingeschüchtert wirken, um jemals etwas Schlechtes über die Genossenschaft zu sagen, überredet sie zu einem Treffen, an dem sie ihren Masterplan enthüllt. Damit möchte sie die Vorherrschaft endgültig rückgängig machen, damit wieder selbstständig und nach eigenem Ermessen gebauert werden kann.

The County erzählt eine wahre und eigentlich interessante Geschichte auf ziemlich trockene Art. Anfangs passen das gemächliche Tempo und die unspektakuläre und überraschend humorlose Inszenierung perfekt zur Landschaft und den Figuren. Geht es aber dann auf die Auflösung zu, legt der Film plötzlich einen Schlusssprint hin und schliesst mit einer gehetzten und antiklimatischen Szene, in der die Hauptfigur eine wichtige Rede hält. Diese ist so kurz und erstaunlich emotionslos gehalten, dass man meinen könnte, das Oscar-Orchester wolle Inga gleich von der Bühne spielen. Der Film verpasst so leider die Chance, eine spannende Geschichte auch spannend zu erzählen.

Veganer werden keine Freude haben an der grossen Szene des Filmes, in der die verärgerte Milchbäuerin Inga das Gebäude der unterdrückenden Genossenschaft mit einer Unmenge von Milch aus ihrem Tankfahrzeug «dekoriert». Diese doofe Verschwendung soll wohl als rebellisch rüberkommen, und das Publikum soll die Protagonistin anfeuern dabei.

Inga erinnert in ihrer Kluft (blaues Overall und Stirnband) an Mildred Hayes aus Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. Wie diese ist auch Inga auf Gerechtigkeit aus und nützt grosse Gesten, um ihre Stimme hörbar zu machen. Damit hat es sich dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Filmen. Sowohl den bissigen Humor als auch die ausgefeilten Charaktere findet man im isländischen Drama nämlich nicht.

The County krabbelt über weite Strecken ereignislos herum. Bei wenig Plot, könnte man meinen, sollte der Fokus auf den Figuren liegen. Aber auch diese sind wenig definiert und Mitfiebern wird dadurch schwierig. Über Ingas Leben gibt es wenig zu erfahren. Hockt sie nicht im Kabäuschen und schaltet die Melkmaschine an, schaufelt sie den Mist weg. Details über ihr Innenleben und ihre Beziehung zu ihrem Hof bleiben vage. Frech und rebellisch ist Inga nur bedingt. Diese schwache Figurenzeichnung zieht den ansonsten schön inszenierten Film zu sehr herunter, als dass man ihn als unterhaltsam bezeichnen könnte.

/ ma

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:59