Hello World - Hello World: Harô wârudo (2019)

Hello World - Hello World: Harô wârudo (2019)

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  2. 97 Minuten

Filmkritik: alert("Faden verloren")

18. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2020
"Hesch du de Chleber vom Neymar?"
"Hesch du de Chleber vom Neymar?" © Tomohiko Itō

Naomi Katagaki hat nicht viele Freunde, sein Lieblingsort ist die Bibliothek. Zudem ist er Single, verliebt sich aber ein bisschen aus der Distanz in die neu dazugezogene Misuzu. Auf dem Heimweg klaut ihm ein dreibeiniger Rabe sein Buch, worauf er diesem hinterher rennt. Im berühmten Fushimi-Inari-Schrein kommt er zu Halt und sieht, wie ein Mann aus dem Nichts erscheint. Dieser entpuppt sich als Naomis Ich aus der Zukunft.

Der Mann, von Naomi nur Sensei genannt, will ihm dazu verhelfen, eine Freundin zu finden. Allerdings soll dies nicht die süsse Misuzu sein, sondern die eher zurückgezogene, etwas seltsame Ruri. Naomi versteht zuerst nicht, weshalb genau sie die Auserwählte ist, doch nachdem ihn Sensei in die Geschehnisse der Zukunft einweiht, willigt er ein und setzt alles daran, das Mädchen zu kriegen. Allerdings traf nicht nur Sensei in die Welt von Naomi auch, sondern gfürchige Wesen mit Fuchsköpfen, die Naomi zu jagen scheinen.

Hello World von Sword Art Online-Erschaffer Tomohiko Ito legt eine interessante Welt vor, die letztendlich aber unter all den eigenen Regeln in sich selbst zusammenfällt. Die Liebesgeschichte im Kern ist zwar herzig, der ungewöhnliche 3D-Artstyle funktioniert und der Film endet auf eine sehr coole Art und Weise, doch ist der Film einfach zu konfus erzählt. Da hilft auch der an sich gut umgesetzte Schluss auch nicht mehr, denn bis dahin dürfte man den Faden schon verloren haben.

Regisseur Tomohiko Ito hat sich mit Anime-Serien wie Sword Art Online und Erased einen Namen gemacht. Nun hat er erstmals einen Film abseits seiner bekannten Reihen inszeniert. Hello World erhielt seinen Namen, weil dies in der Regel die ersten Worte sind, die Neo-Programmierer in die Welt rausschicken. Denn Hello World spielt in Kyoto im Jahr 2027, wo nicht nur jeder Winkel der Stadt aufgenommen wird, sondern auch Personen, deren Erlebnisse, Gefühle und Erinnerungen.

Eine interessante Ausgangslage, die aber über die eigenen Regeln stolpert. Denn das erste Drittel wird vor allem damit verbracht, die Welt zu erklären und die Regeln zu definieren. Doch diese sind sehr konfus und inkonsequent. So behauptet Zukunfts-Naomi, er könne mit dieser Welt nicht interagieren - steht dabei aber auf einem Hochhaus. Dies lässt den Film auch recht undurchsichtig wirken, was den an sich sehr coolen Schluss abwertet.

Die Liebesgeschichte im Kern wird nämlich ordentlich erzählt und Naomi ist ein sympathischer Protagonist. Je mehr Hello World aber versucht, The Matrix zu sein, desto mehr verliert er sich. Ausserdem gibts einige Handlungsentscheidungen, die wirklich nur im Film sind, damit überhaupt eine Handlung entstehen kann, in der Welt aber herzlich wenig Sinn ergeben.

Zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, aber visuell letztendlich doch sehr gelungen ist der Artstyle. Dieser ist für Animes untypisch in 3D und zum Grossteil in der Game-Engine Unity entstanden. Teilweise arten die Situationen in eine etwas gar überwältigende Farbengeilheit aus, aber der Film bietet doch einige gelungene Visuals. Aber auch da gibt es bedeutend bessere 3D-Animes wie beispielsweise die Netflix-Produktion Beastars. Dies ist allgemein ein wenig der Tenor bei Hello World: Nicht wirklich schlecht, aber alles schon mal besser gesehen. Vor allem die total konfuse Welt schadet dem Film. Der Schluss, der das Ganze nochmal in einen neuen Kontext setzt, kann dies leider auch nicht mehr retten.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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