Gundala (2019)

Gundala (2019)

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  2. 123 Minuten

Filmkritik: Blitzartig ein Universum lanciert

NIFFF 2020
Jetzt gibts eins aufs Dach!
Jetzt gibts eins aufs Dach! © NIFFF

Im Kindesalter muss Sancaka (Abimana Aryasatya) mit ansehen, wie sein Vater in einem Gerangel erstochen wird. Dieser setzte sich stets für die Rechte seiner Arbeitskollegen ein und schärfte dadurch Sanacaks Sinn für Gerechtigkeit. Seine Mutter verschwindet eines Tages zur Arbeit und kehrt nicht mehr zurück. Von da an ist er auf sich allein gestellt.

Töfflibueb mit Thorhelm
Töfflibueb mit Thorhelm © NIFFF

Fünfzehn Jahre später arbeitet er als Nachtwächter und Mechaniker in einer Druckerei. Ausserdem scheint ihn stets ein Gewitter zu verfolgen. Als an einem Abend seine Nachbarin und deren Sohn bedroht werden, schreitet er ein und verprügelt die Schergen. Mit dieser Tat zeigt er nicht nur seine wahre Gestalt, sondern legt sich auch mit dem vernarbten Mafiaboss Pengkor (Bront Palarae) an. Dieser hats auf die Zukunft Indonesiens abgesehen: Er will den Reis vergiften, um Kinder zu erschaffen, die gut und böse nicht auseinanderhalten können.

Gundala hat nicht nur die Aufgabe, eine packende Geschichte zu erzählen und gute Action zu zeigen, sondern muss noch ein ganzes Superhelden-Universum aufsetzen. Die Action ist dabei richtig gut gelungen und macht Spass. Doch der Film ist völlig überladen mit angerissenen Handlungen und einem mehrfach wechselnden Fokus der Hauptgeschichte. Das somit lancierte Bumilangit Cinematic Universe hat durchaus Potenzial, muss sich nach diesem Film das «Super» im Wort Superheld aber noch verdienen.

Das Superhelden-Kino geht längst über das MCU hinaus. Während Russland die Guardians ins Gefecht schickten, zieht Indonesien nun direkt mit einem Cinematic Universe basierend auf dem Label Bumilangit nach. Der Anfang macht Gundala, ein Held aus Jakarta, der die Energie von Blitzen nutzen kann.

Bei uns ist Indonesien als Filmland vor allem für knallharte Actionfilme wie The Raid oder The Night Comes For Us bekannt. Während sich diese voll und ganz auf Schlägereien konzentrierten, hat Gundala noch den Anspruch, eine spannende Geschichte erzählen und ein Filmuniversum aufbauen zu wollen. Und genau das behindert den Film.

Die Kampfszenen und Actionsequenzen sind nämlich auch in diesem Film stark choreografiert, wenn auch nicht ganz so brachial wie die vorher genannten Filme. Eine Prügelei zwischen Teenagern im ersten Drittel des Films schneidet aber besser ab als manche Hollywood-Produktion. Auch sonst sieht Gundala chic aus, die Spezialeffekte können sich sehen lassen. Sein Kostüm macht storytechnisch Sinn und er hilft als Held tatsächlich den Leuten und bekämpft nicht einen grossen, ungreifbaren Superschurken.

Ansonsten enttäuscht der Film aber. Es werden endlos viele Handlungsstränge angerissen, aber kaum einer wird zu Ende erzählt. Der etwas unsinnige Hauptplot des Films beginnt im letzten Drittel erst richtig und ist am Ende unheimlich schnell gelöst. Diverse der Nebenhandlungen dürften Setups für das Universum sein. Das wirkt alles überladen, und spätestens ab der Hälfte ermüdend und langweilig. Schade, denn die Ideen und behandelten Themen wären durchaus spannend gewesen.

Mit über zwei Stunden ist Gundala auch eher lang geraten. Auch dies dürfte den erwähnten Punkten geschuldet sein, kommt doch irgendwie alles zu kurz. Ausserdem dauert es eine gute Stunde, bis der Protagonist tatsächlich zum Helden wird. Da bekommt auch der Schurke kaum Leinwandzeit. Seine Absichten sind nachvollziehbar genug, er wird vor lauter Plot, von dem er kaum Teil ist, aber dermassen in den Hintergrund gerückt, dass man ihn stellenweise fast vergisst. Ist das Bumilangit Cinematic Universe einmal aufgesetzt, könnte sich da etwas Cooles entwickeln. Mit diesem Film allein aber leider noch nicht.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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