God Exists, Her Name Is Petrunija - Gospod postoi, imeto i' e Petrunija (2019)

God Exists, Her Name Is Petrunija - Gospod postoi, imeto i' e Petrunija (2019)

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya
  1. , ,
  2. 100 Minuten

Filmkritik: Me-Too-Donia - Das Kreuz mit dem Kreuz

1. OutNow Film Festival 2020
Ein Becken voller Männer.
Ein Becken voller Männer. © trigon-film

Stip, eine triste Stadt in Nordmazedonien, feiert Kreschtschenie, das Fest der Taufe Jesu. Mitten im Winter springen Männer in einen Fluss und tauchen nach einem Kreuz, das der Dorfpfarrer von der Brücke wirft. Der religiöse Brauch verspricht dem, der das Kreuz als erster ergreift, Glück für 12 Monate. In diesem Jahr fischt sich aber die eher zufällig anwesende Petrunya (Zorica Nusheva) das Holzteil aus dem eisigen Fluss - und ist fortan Dorffeind Nummer 1.

All About That Bassin.
All About That Bassin. © trigon-film

Ein Video des Vorfalls macht die virale Runde. Eine TV-Journalistin (Labina Mitevska) glaubt, einer grossen Story auf der Spur zu sein. Und die Polizei nimmt Petrunja in Gewahrsam. Illegal war ihre Aktion nicht, aber gern gesehen eben ebenfalls nicht. Ein Männermob in Badehosen zeugt davon. Die Historikerin, arbeitslos und Mitte dreissig, wurde selbentags bereits sexuell bedrängt beim Vorstellungsgespräch und von der eigenen Mutter mal wieder drangsaliert. Nun beginnt Petrunya sich zu wehren.

Mit mal symmetrischen, dann wieder wackeligen Handkamera-Bildern prangert die Filmemacherin Teona Strugar Mitevska die patriarchalischen Strukturen in ihrer Heimat an. Das emanzipatorische Erdbeben der auf einem wahren Vorfall basierenden Story hat sein Epizentrum in der grobschlächtigen Zorica Nusheva, die gegen Kirche, Elternhaus und Staatsgewalt randaliert. Mal stumm, mal heftig legt sie sich in der gelungenen Parabel mit allem an. Trotz Tristesse vergnüglich.

In der allerersten Einstellung sieht es so aus, als könnte die Hauptfigur auf Wasser laufen. Die Heldin Petrunya, im leeren Schwimmbad aufgenommen, ist aber alles andere als eine Superkönnerin. Zählt man ihre Sorgen auf, ist die Liste lang: Sie lebt noch bei den Eltern, ist trotz Studium ohne Job, übergewichtig und Single. Die Mutter verdonnert sie zu Vorstellungsgesprächen im Blümchenkleid und will, dass sie sich zehn Jahre jünger ausgibt, als sie ist. Der Nähfabrik-Leiter sagt in einer gruseligen Szene im Glaswandbüro trotzdem geradeheraus, dass er Petrunya hässlich findet.

Mit stämmiger Statur und ihren warmen Knopfaugen spielt Zorica Nusheva die Heldin wütend und gleichzeitig verletzlich. Sie hat fast nur Männer gegen sich. Neben dem Nähfabrikanten sind da noch Pope, der Geistliche, Milan, der Polizeikommandant, eine halbnackte Schar Halbstarker und ein spuckender Beamter. Nur eine Journalistin ist auf Petrunyas Seite. Sie verkörptert die Medien als wachsames gesellschaftliches Element und den Übermittler von Volkes Stimme.

Nicht nur die Kameraarbeit ist stilistisch abwechslungsreich, auch die Stimmung im Film wechselt. Trotz einer Polizeistation als nur einem grossen Schauplatz für quasi die Hälfte des Films. Die tradierten Riten und das patriarchalische Gebären im Film bedienen Klischees. Der Kampf für Veränderung und mehr Ermächtigung für jederfrau ist im Gegensatz dazu erfrischend. Regisseurin Teona Strugar Mitevska gelingt es zu unterhalten und trotzdem eine Haltung zu übermitteln.

/ rm

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:33