Good Omens (2019)

Good Omens (2019 / Mini-Serie)

  1. ,
  2. ,
  3. 60 Minuten

Miniserie-Review: Eine himmlische Bromance

Tüüfeli und Ängeli
Tüüfeli und Ängeli

Seit der Dämon Crowley (David Tennant) als Schlange im Paradies Adam und Eva verführt und der Engel Aziraphale (Michael Sheen) den beiden daraufhin Verstossenen zum Schutz sein flammendes Schwert überlassen hat, sind die beiden übernatürlichen Wesen so etwas wie Freunde. Zwar stehen sie auf gegenüberliegenden Seiten im Kampf zwischen Himmel und Hölle, doch beide haben Gefallen an den Menschen und dem Leben auf der Erde gefunden. Als dann verkündet wird, dass nun endlich der Antichrist auf die Welt kommen und elf Jahre darauf der Weltuntergang eingeläutet werden soll, missfällt ihnen dies gleichermassen.

I'm the archangel fucking Gabriel!
I'm the archangel fucking Gabriel!

Engel und Dämon schliessen deshalb einen Pakt: Sie wollen den Jungen, der die Apokalypse einleiten soll, durch persönlichen Einsatz derart beeinflussen, dass es erst gar nicht zum Weltuntergang kommt. Was weder die Vertreter des Himmels noch der Hölle ahnen: Eine dumme Verwechslung hat dazu geführt, dass der eigentliche Antichrist nicht bei einem reichen US-Botschafter mit dämonischen Erziehern aufwächst, sondern ganz unbedarft bei Spiessbürgern in Oxfordshire.

Basierend auf dem Kult-Roman von Neil Gaiman und Terry Pratchett, bringt die Miniserie Good Omens das Ende der Welt in ungekannt lüpfiger Weise auf den Fernsehbildschirm. Dass die Apokalypse mehr oder weniger familienfreundlich bleibt und niemals ins Düstere abdriftet, ist dem lockeren parodistischen Ton mit dem (hell-) schwarzen britischen Humor zu verdanken. Neben dem starbesetzten Cast sowie dem riesigem Produktionsaufwand bilden besonders die "Frenemies" David Tennant und Michael Sheen als Dämon und Engel das Highlight, die dem Ganzen ihren ganz eigenen liebenswürdig-schrägen Stempel aufdrücken.

Zwar gab es schon seit Jahren Versuche, den 1990 erschienenen Roman "Good Omens" - eine Parodie auf alles Mögliche von John Miltons "Paradise Lost" bis zum Horrorfilm The Omen - zu verfilmen. Nach dem leider viel zu frühen Tod von Comedy-Fantasy-Autor Terry Pratchett im Jahr 2015 nahm sich Neil Gaiman (unter anderem Autor der Buchvorlagen von Stardust und American Gods) fast drei Jahre Schreibauszeit, um sein Versprechen an Pratchett einzulösen, aus dem gemeinsamen Buch eine Miniserie zu machen. Für diese hat dann Amazon Prime Video auch eine ganze Stange Geld springen lassen, was auch deutlich zu sehen ist. Die sechs Folgen bieten immer wieder tolle Schauwerte, coole Designs, für eine TV-Serie erstaunlich gute Spezialeffekte und ein wunderbar animiertes Intro, das den schrägen Ton der Serie bereits zu Beginn richtig gut bildlich einfängt.

Gaiman selbst fungierte als Showrunner und holte sich mit Douglas Mackinnon, der unter anderem bei Sherlock und Doctor Who mitgewirkt hatte, einen erfahrenen Regisseur an seine Seite. Zudem konnte ein beachtlicher Cast versammelt werden, der unter anderem Jon Hamm, Nick Offerman, Miranda Richardson, Frances McDormand (als die Stimme von Gott) sowie Benedict Cumberbatch (als Stimme von Satan) umfasst.

Herausragend im Cast sind aber natürlich die beiden, die so etwas wie die Hauptdarsteller in dieser Geschichte ohne eigentliche Hauptrollen einnehmen. David Tennant und Michael Sheen geben als Dämon Crowley und Engel Aziraphale ein richtig tolles Paar ab. Die beiden stehen zwar auf unterschiedlichen Seiten um das Schicksal der Welt, sind aber irgendwie doch sowas wie Freunde (oder sogar mehr?). Der ehemalige "Doctor" Tennant gibt sich dabei herrlich punkig-böse und darf dabei immer wieder zu Songs von Queen auftreten. MVP ist aber zweifellos Sheen als liebenswürdig-naiver Engel, der mit schlohweissem Haar, piekfeinem Anzug und körperlichem Einsatz - etwa einer herrlich Meme-würdigen Tanzeilage - allen anderen die Show stiehlt. Der Freundschaft der beiden durch den Lauf der Menschheitsgeschichte zu folgen, ist schon alleine ein Grund, sich die Serie anzuschauen.

Good Omens überzeugt durch tolle Bilder, witzige Einfälle und viele überraschende Castauftritte. Zweifellos ist es aber keine Serie für jedermann. Dies liegt einerseits an dem eher speziellen Humor der Buchvorlage und an der etwas verworrenen Erzählweise, tummeln sich doch zahlreiche Figuren und Handlungsstränge, die alle um Aufmerksamkeit heischen. Wer geradlinige Handlungen bevorzugt, wird es eher schwer haben, mit der Serie - die mit sechs Folgen tatsächlich etwas lang geraten ist - warm zu werden. Für alle, die Fantasy nicht nur im epischen Modus geniessen können, sondern auch Spass an absurden Situationen, schrägen Figuren und wahnwitzigen Wendungen haben, ist die Miniserie aber definitiv einen Blick wert.

/ pps