The Good Liar (2019)

The Good Liar (2019)

The Good Liar - Das alte Böse
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  2. 109 Minuten

Filmkritik: Gandalf der Schlaue

Gemeinsames Konto oder Gütertrennung?
Gemeinsames Konto oder Gütertrennung?

Der Trickbetrüger Roy Courtnay (Ian McKellen) nimmt sein nächstes Opfer ins Visier. Die einsame Witwe Betty McLeish (Helen Mirren) sucht auf einer Online-Partnerbörse eine neue Liebe. Die werte Dame ist einige Millionen schwer, und Roy schickt sich an, sie wie eine Weihnachtsgans auszunehmen. McLeish ist vom älteren Herrn sehr angetan und sie gibt sich ihm immer mehr hin. Was als einfacher Schwindel beginnen sollte, wird immer mehr zum Katz-und-Maus-Spiel. Dabei erhöht sich bei weitem nicht nur der finanzielle Einsatz der Beteiligten.

Mut zur Locke!
Mut zur Locke!

Roy Courtnay ist ein Hansdampf in allen Gassen, der es nicht nur auf das Konto der reichen Witwe abgesehen hat. Fast überall entdeckt er neue Möglichkeiten, um Menschen, die mit ihm zu tun haben, hinters Licht zu führen. Seine Gier lässt auch sein Risiko steigen, und das Eis, auf dem er geht, wird immer dünner. Seine Opfer wohnen nicht hinter dem Mond, und Roy muss sich immer mehr einsetzen, damit sein Kartenhaus nicht in sich zusammenfällt.

Mit zwei schauspielerischen Hochkarätern wie Ian McKellen und Helen Mirren kann in diesem Katz-und-Maus-Spiel eigentlich nichts falsch laufen. Das ist auch so. Dabei ist jedoch auch nicht viel richtig gelaufen. War es eine gute Idee, diesen Roman von Nicholas Searle zu verfilmen? Nach dem schwungvollen Anfang scheint die Bühne frei für ein spannendes Ränkespiel zu sein, doch dann kommt einfach nicht mehr viel.

Mit Schauspielern, die durch eine Rolle ihren Legendenstatus erreicht haben, ist das so eine Sache. Sie müssen sich viel mehr einsetzen, damit die Zuschauer nicht in jedem Film trotzdem nur diese eine Rolle sehen. Ian McKellen ist seit seiner Reise nach Mittelerde vor 18 Jahren der weisse Zauberer geblieben. Das schauspielerische Pingpong mit der Oscarpreisträgerin Helen Mirren ist eine Affiche, die den Zuschauern das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Ian McKellens erste Zusammenarbeit mit dem Regisseur Bill Condon brachte ihm seine erste Oscarnominierung für Gods and Monsters ein. Was kann da schon schiefgehen?

Dass die beiden Schauspieler als Trickbetrüger und Witwe schlussendlich brav und etwas blass bleiben, liegt nicht an ihren mimischen Fähigkeiten, sondern am Drehbuch und der Regie, die nicht über das Mittelmass hinauskommen. Der Anfang ist vielversprechend und lebt vom tollen Zusammenspiel von Ian McKellen und Helen Mirren. Die mysteriösen Wirrungen lassen die Zuschauer rätseln.

Was bewegt die Figuren? Auch Rückblenden in die Vergangenheit bringen nicht wirklich mehr Licht ins Dunkel. Die Figuren bleiben irgendwie unvollständig. Als Trickbetrüger bleibt Ian McKellen grauer als Gandalf der Graue. Mit einem guten Drehbuch hätten er und Helen Mirren genug Material für eine tolle Darbietung bekommen.

Es gibt durchaus auch weitere Figuren und Schauspieler, die in diesem Film mit von der Partie sind. Russell Tovey als Betty McLeishs Enkel lässt einfach nicht locker, und durch seine Nachforschungen wird er für Roy Courtnay immer mehr zur Bedrohung. Doch bleibt die Rolle kaum in Erinnerung. So geht es auch mit den weiteren Figuren, von denen nur Courtnays Treuhänder und ein geprellter Geschäftspartner ansatzweise nennenswert sind. Nach zwei Dritteln des Films erwartet die Zuschauer schliesslich ein Finale furioso, das jedoch zum Rohrkrepierer verkommt. Hier wäre mehr dringelegen.

/ gia