Good Boys (2019/II)

Good Boys (2019/II)

  1. ,
  2. 90 Minuten

Filmkritik: South Park - The (Live Action) Movie

"Was ist?"
"Was ist?"

Die Sechstklässler Max (Jacob Tremblay), Thor (Brady Noon) und Lucas (Keith L. Williams) kennen sich schon seit Jahren und verbringen nicht nur in der Schule viel Zeit miteinander, sondern auch in der Freizeit. Dass sie unterschiedlich wahrgenommen werden, scheint den drei Jungs nicht wirklich aufzufallen. Während Max bei den coolen Kids gut anzukommen scheint, gehören Thor und Lucas eher zu den Aussenseitern. Doch das könnte sich nun ändern. Denn die drei wurden von einem Klassenkameraden zu einer sogenannten Kuss-Party eingeladen. Damit sich die Freunde dabei nicht blamieren, wollen sie im Vornerein in Erfahrung bringen, wie man überhaupt küsst.

Fahrerflucht
Fahrerflucht

Nach einer misslungenen Suche in den Weiten des Internets beschliessen sie, die Drohne von Max' Vater (Will Forte) zu benutzen, um die Nachbarin Hannah (Molly Gordon) auszuspionieren. Blöd nur, dass diese das Gerät bemerkt und es mit ihrer besten Freundin Lily (Midori Francis) gleich einkassiert. Die Jungs müssen nun versuchen, die Drohne wieder in ihren Besitz zu bringen, bevor ihre Eltern von dem Ganzen erfahren. Mit ihrer "Koste, was es wolle"-Attitüde verantworten sie unbewusst jedoch vor allem Peinlichkeiten und einiges an Blechschaden.

Fluchende Kinder, die sich aufgrund ihrer unüberlegten Taten unbeabsichtlich ins Chaos stürzen? Klingt nach South Park, und das ist Good Boys zu weiten Teilen auch. Es ist eine gelungene, weil lustige Realfilm-Kopie mit ein paar ruhigeren Momenten um Freundschaft und das langsame Erwachsenwerden, die einen zufrieden aus dem Kino entlassen. Well done, good boys.

Der Witz ist ein simpler: Man lässt kleine Jungs böse Schimpfwörter sagen und sie auch aufgrund ihrer Naivität und Planlosigkeit in turbulente Situationen reinkrachen. South Park funktioniert mit dieser Idee schon seit über 20 Jahren. Wieso sollte also nicht ein Realfilm mit dieser Ausgangslage funktionieren?! Das dachte sich wohl auch Produzent Seth Rogen, in dessen Good Boys die ersten Worte aus dem Mund von Jacob Tremblays Max gleich mal "Fuck, yeah" sind. Dieses Gefluche ermüdet zwar nach einer Weile, aber trotzdem ist die Komödie eine vor allem gegen das Ende bittersüsse Coming-of-Age-Story - einfach mit etwas mehr Sexspielzeugen und Drogen als andere Genrevertreter.

Es ist zwar schwer zu glauben, dass die Jungs auch mit Hilfe des Internets dermassen grosse No-Checker sind, doch sonst würde der Filmspass wohl schon nach kurzem zum Erliegen kommen. Die Drehbuchautoren Lee Eisenberg und Gene Stupnitsky - letzterer führte auch Regie -, wollen jedoch solche Fragen gar nicht aufkommen lassen. Stattdessen schicken sie die drei Protagonisten in halsbrecherischem Tempo regelmässig vom Regen in die Traufe. Das macht auch durchaus Sinn: Viele haben während ihrer Kindheit was Blödes gemacht und dann mehr schlecht als recht versucht, das Ganze in Windeseile wieder geradezubiegen, bevor jemand etwas bemerkt. So führt bei Good Boys logischerweise eines zum anderen, da die Jungs ihre Situation immer wieder verschlimmbessern. Besser wäre es, wenn sie mal schnell eine Pause machen würden, um nachzudenken, wie man sich einfacher befreien könnte. Aber auch in der Realität machen viele in diesem Alter halt einfach einmal - und sehen danach, wie es rauskommt.

Auch wenn Max, Thor und Lucas zwischendurch wie die Matrosen fluchen, sind sie ganz dem Titel entsprechend eigentlich ganz brave Jungs. Sie sind gut erzogen und wissen unter anderem, dass sie vor dem Küssen das scheue Gegenüber fragen sollten, ob man das auch dürfe. Mit solchen Figuren bangt der Zuschauer dann auch eher mit als mit Jungs, die einfach nur die Sau rauslassen. Letzteres wird zwar auch gemacht, doch sind es gegen Ende hin vor allem die ruhigeren Momente um Freundschaft, Zusammenhalt und das langsame Erwachsenwerden, die so wunderbar funktionieren und dem Film sein Herz geben. Wenn wir gleich beim menschlichen Körper sind: Der Humor ist meist deutlich unter der Gürtellinie angesiedelt, doch wird meist ins Schwarze getroffen. Etwas seltsam ist es jedoch, dass der Film nicht wirklich wie aus einem Guss wirkt, sondern zwischendurch mit seiner holprigen Aneinanderreihung von Szenen mehr an eine Sketchshow erinnert. Da das Ganze jedoch in knackige 90 Minuten gepackt ist, kann dies verziehen werden. Good Boys is/are good.

/ crs