Glass (2019)

Glass (2019)

Oder: Der Glaube versetzt Berge - oder verbiegt Stahl

Bisch du glücklich und du weisch es, klatsch i d'Händ.

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Es sind 19 Jahre vergangen seit der Securitymann David Dunn (Bruce Willis) als einziger ein verheerendes Zugunglück überlebt hat. Durch den Comicexperten Elijah Price (Samuel L. Jackson) erfuhr Dunn später, dass er unverwundbar ist. Seine Kräfte setzt er seither ein, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Dabei wird er durch seinen inzwischen erwachsenen Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) unterstützt. Als Dunn erfährt, dass ein Mann mit einer dissoziativen Identitätsstörung und übermenschlichen Kräften mehrere Frauen ermordet hat und nun auf freiem Fuss ist, setzt er alles daran, dieses Monster zur Strecke zu bringen.

When Your pre-workout kicks in...

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Es gelingt ihm tatsächlich den gefährlichen Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) aufzuspüren, doch werden beide nach einem Kampf von der Polizei gestellt und in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Dort behandelt Dr. Ellie Staple (Sandra Paulson) Leute, die glauben, dass sie übernatürliche Kräfte haben. Doch nicht nur David und Kevin werden in dieser Anstalt behandelt, sondern auch Elijah Price. Das Aufeinandertreffen dieser Personen wird alles verändern...


Film-Rating

In Glass kommen die Helden und Bösewichte aus den Filmen Unbreakable und Split zusammen. M. Night Shyamalan macht daraus einen Liebesbrief an Comicbücher, der weniger durch Action, sondern mehr mit seinen Figuren glänzt, die auch mal das Genre dekonstruieren. Ein cleverer Comic-Psycho-Thriller, in dem James McAvoy als Mann mit 24 Persönlichkeiten das grosse Highlight ist.


Als grosse Überraschung entpuppte sich Split in seiner allerletzten Szene als Sequel zum Superhelden-Drama Unbreakable. Mit einem Schlag wurde klar, dass Regisseur und Drehbuchautor M. Night Shyamalan mit seinem 2016er-Film eine Originstory für James McAvoys Bösewicht inszeniert hat, nachdem er mit Bruce Willis' unzerbrechlichem Helden vor 16 Jahren bereits das Gegenstück eingeführt hatte.

Man könnte jetzt also annehmen, dass dieser überraschende Trilogie-Abschluss mit dem Titel Glass der grosse Showdown ist, in dem sich Gut gegen Böse zwei Stunden lang die Fresse polieren. Doch weit gefehlt: Trotz all seinen bekannten Twists und Schocks ist Shyamalan in erster Linie immer noch ein Drama-Regisseur, der sich mehr für seine Figuren als für Action interessiert, und so unterläuft er hier angenehm die Erwartungen.

Dabei fängt das Ganze recht klassisch an. Wie Bruce Willis in den Anfangsminuten für Gerechtigkeit sorgt und dabei mit einem Knopf im Ohr mit seinem Sohn verbunden ist, hat dies was von Batman und Alfred - der Rächer und sein hilfreicher "Guy in the Chair". Damit werden die Fans befriedigt, die es am Ende von Unbreakable nicht erwarten konnten, den geschaffenen Helden jetzt richtig in Aktion zu sehen. Da ist es fast schon fies, dass Glass hauptsächlich in einer psychiatrischen Klinik spielt und kaum grosse Set-Pieces mehr zu bieten hat.

Stattdessen formuliert Shyamalan einen Liebesbrief an Comicbücher, ihre Verfilmungen und an die Fans. Am deutlichsten ist das bei der Farbpalette, welche wie in Comics die Hauptakteure visuell voneinander trennt: Um Held David Dunn ist es meistens grün, das Biest steht auf Gelb und Mastermind Mr. Glass hat es mehr mit Violett. Für Kenner der vorherigen Filme gibt es viele Anspielungen, wobei es sich Shyamalan auch nicht hat nehmen lassen, seine zwei Cameos zu einer Figur zu verbinden und mit Spencer Treat Clark, Charlayne Woodard und Anya Taylor-Joy drei wichtige Figuren aus den anderen Filmen mit den exakt gleichen Schauspielern zu besetzen. Zudem erlaubt es sich Shyamalan, mit der von Sarah Paulson gespielten Psychiaterin das Genre auch ein wenig zu dekonstruieren, nur um danach den Glauben an das Aussergewöhnliche zu feiern.

Das ist alles faszinierend, doch was Spannung und Intensität betrifft, kommt Glass nicht ganz an seine Vorgänger heran. Dies, weil eben die Erwartungen unterlaufen werden und einem ein epischer Showdown verweigert wird. Das kann frustrieren. Auch dass Bruce Willis wieder mehrheitlich durch einen Film schlafwandelt, kann nerven. Doch gibt er damit die Bühne frei für James McAvoy, welcher alle an die Wand spielt. Die Spielfreude des Schotten ist eindrücklich und reisst einen richtiggehend mit. Samuel L. Jackson als finstere Titelfigur holt derweil das Meiste aus seine Rolle heraus, in welcher er aufgrund des Drehbuchs erst gegen Ende hin etwas mehr zeigen kann.

Glass ist aber nichtsdestotrotz ein gelungener Trilogie-Abschluss, da er während der zwei Stunden durchgehend unterhaltsam ist und das Thema Comics wie schon bei Unbreakable erfrischend anders angeht.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

09.01.2019 / crs

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