Parasite - Gisaengchung (2019)

Parasite - Gisaengchung (2019)

  1. 132 Minuten

Filmkritik: Familienbande

72e Festival de Cannes 2019
Der Empfang ist voll scheisse.
Der Empfang ist voll scheisse.

Südkorea: Der Familie von Ki-taek (Kang-ho Song) hat es gerade wahrlich nicht leicht. Ehefrau Chung-sook (Hyae Jin Chang), Sohnemann Ki-woo (Woo-sik Choi) und Tochter Ki-jung (So-dam Park) sind wie das Familienoberhaupt arbeitslos. Gemeinsam leben sie in einer mickrigen Untergeschosswohnung, und wenn man WiFi braucht, muss man hoffen, dass gerade eines ohne Passwortschutz in der Nähe ist. Durch einen Kollegen erhält Ki-Woo jedoch die Möglichkeit, die Zukunftsaussichten seiner Familie zu verbessern. Die reiche Familie Park ist auf der Suche nach einem Englischlehrer für ihre Tochter Da-hye (Jung Ziso), da ihr jetziger ins Ausland zieht. Ki-woo erhält die Stelle tatsächlich und bringt nun regelmässig einen ordentlichen Batzen nach Hause.

Lieber ein Tipi als ein Hippie in der Familie.
Lieber ein Tipi als ein Hippie in der Familie.

Das ist zwar schön und gut, doch sind die anderen Familienmitglieder auch auf der Suche nach Arbeit. Wie gut, dass die Parks auch noch einen Sohn (Jung Hyeon-jun) haben, für den gerade dringend eine Kunstpsychologin gesucht wird. Ki-jung macht sich kurz über das Internet über dieses Themenfeld schlau und bewirbt sich bei den Parks...

In seinem wunderbar unterhaltsamen Parasite treibt Bong Joon-ho (Memories of Murder, Snowpiercer) mit schwarzem Humor, Tragik und Thrillerelementen das Thema Klassenkampf auf die Spitze. Es ist dabei erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit der Regisseur diese unterschiedlichen Genres miteinander verbindet, ohne dass der Erzählfluss ins Stocken gerät. Eine nahezu perfekt inszenierte und durchkomponierte Filmperle.

Wie die Russo-Brüder vor Avengers: Endgame und Quentin Tarantino bei Once Upon a Time in Hollywood bat auch Bong Joon-ho bei seinem Parasite im Vorfeld die Kritiker darum, bei ihren Rezensionen nicht zu viel über den Inhalt des Filmes auszuplaudern. Aus diesem Grund besteht die obige Inhaltsangabe nur aus Punkten, die wir laut dem Regisseur preisgeben dürfen. Und das ist auch ok so. Denn Parasite schaut man sich am besten ohne viel Vorwissen an. Es ist einer jener Filme, dessen "Twists & Turns" einen am besten unerwartet treffen.

In Parasite geht es laut Bong Joon-ho darum, wie der Kapitalismus die Menschen getrennt hat. Es ist ein wiederkehrendes Thema in der Filmographie des Regisseurs, man erinnere sich zum Beispiel an den brachialen Actionreisser Snowpiercer. Die Reichen und die Armen treten bei ihm eigentlich nur in Kontakt, wenn es ein Angestellten-Verhältnis zwischen den Parteien gibt. Mit seinem Job als Privatlehrer nistet sich hier der Sohnemann der armen Familie langsam immer mehr bei den Reichen ein. Der Titel ist nicht zufällig gewählt.

Ein Monsterfilm ist der neuste Streifen des Regisseurs des grossartigen The Host aber keineswegs. Ein schwerfälliges Drama ist es aber auch nicht, obwohl es die Worte des Regisseurs vermuten lassen würden. Bong Joon-ho war schon immer ein Spezialist, Tragik mit schwarzem Humor und Spannung zu vermischen. So stammen von ihm unter anderem auch die nicht minder tollen Memories of Murder und Mother. Die besten Arbeiten des Koreaners bringen meistens Figuren in schwierige, für die Zuschauer gut nachempfindbare Situationen, aus denen sie sich herauszulösen versuchen.

Sein Parasite reiht sich ein in diese besten Arbeiten. Je mehr Zeit wir mit dieser schrecklich netten Familie verbringen, desto mehr hoffen, lachen und bangen wir mit ihren Mitgliedern mit. Deprimierend wird es selten, der Unterhaltungswert ist während der ganzen 135 Minuten äusserst hoch. Wo andere einfach nur Anklage und keine gute Story bieten, geht beim Südkoreaner beides. Ein Werk mit einigen Metaphern, über das man wunderbar diskutieren kann, aber nicht muss, um es so richtig toll zu finden. Nur der Schluss ist etwas holprig, doch mag man das verzeihen. Dieser Film über das Klassensystem ist so richtig klasse.

/ crs

Jetzt auf Grossleinwand!

Der Film läuft aktuell an folgenden Tagen in den Schweizer Kinos:

Ausserdem kannst du ihn Openair sehen, das nächste Mal am 19. Juli 2019.

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:50