The Gentlemen (2019)

The Gentlemen (2019)

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  3. 113 Minuten

Filmkritik: Angezogen und ungezogen

I double dare you!
I double dare you! © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Der gerissene Drogenbaron Mickey Pearson (Matthew McConaughey) will aus dem Drogengeschäft aussteigen und seine hochprofitablen Marihuana-Plantagen verkaufen, um mehr Zeit mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) zu verbringen. Seine rechte Hand Raymond (Charlie Hunnam) kriegt dabei Besuch von Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant), der etwas gegen Charlies Boss Mickey in der Hand haben will. Raymond hört etwas widerwillig zu. Schnell wird klar, dass es ein paar Spieler mehr in diesem abgekarteten Spiel zu geben scheint.

Zeit für eine kleine Geschichte...
Zeit für eine kleine Geschichte... © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Zum einen ist das Medienmogul Big Dave (Eddie Marsan), den Mickey respektlos behandelt haben soll und der deshalb auf Rache aus ist. Zum anderen mischt auch der übermütige "Little Dragon" mit, der bloss Dry Eye (Henry Golding) genannt wird und glaubt, die Jungen seien den Alten längst einen Schritt voraus. Zu guter Letzt stolpert ein Kampfsport-Coach (Colin Farrell) eher unfreiwillig in den Konflikt, da einige seiner Schützlinge sich in den Mini-Drogenkrieg im Untergrund eingemischt haben. Sie alle sind in Mickeys Verkauf verwickelt, und dieser scheint langsam die Oberhand zu verlieren.

Nach Ausflügen zu Disney und King Arthur dreht Guy Ritchie wieder einen Gangsterfilm. Der Allstar-Cast verbreitet mit spritzigen Dialogen gute Laune und toll gekleidet sind sie auch. Allerdings gelingt Ritchie das Balancieren der verschiedenen Handlungsstränge mehr schlecht als recht. Kurzweilig, stellenweise ganz witzig und visuell angenehm, aber auch schnell wieder vergessen. Schade.

Nachdem er bei Disneys Aladdin seine Pflicht erfüllt hat und die geplanten fünf (sic!) King-Arthur-Sequels vorerst eingestampft worden sind, kehrt der Kultregisseur Guy Ritchie zu seinen Wurzeln zurück: dem britischen Gangsterfilm à la Lock, Stock und Snatch. Viele skurrile und wahnsinnig gut gekleidete Charaktere, überlappende Handlungsstränge und snappy Dialoge, dafür ist Ritchie als Regisseur wie auch als Autor bekannt. Doch nicht alles gelingt ihm einwandfrei bei The Gentlemen.

Was gelungen ist, sind die Figuren. Ritchie und sein Allstar-Cast erwecken die überzeichneten, cartoonigen Charaktere zum Leben. Vor allem Hugh Grant hat sichtlich Spass an seiner Rolle und steckt mit seiner guten Laune an. Selbst der ansonsten eher hölzerne Charlie Hunnam überzeugt, auch wenn er den gelassenen, leicht genervten Mittelpunkt der Handlung geben muss. Aber auch Colin Farrell und Henry Golding stechen positiv heraus. Zudem ist die Kostümierung klasse. Zeitlos und elegant geben sich die Damen und Herren. Schade, sind es so viele Figuren, die sehr unausgeglichene Leinwandpräsenz haben. Colin Farrell beispielsweise geht fast komplett unter.

Da helfen auch die mehreren Timelines nicht - im Gegenteil. Die Erzählstruktur ist zwar nicht schwer zu verfolgen, sorgt aber für zusätzliches Chaos in einer an sich schon ziemlich komplizierten Handlung. Dazu kommen gelegentliche Meta-Witze über das Medium Film und das Drehbuch. Dies lässt den Film letztendlich einfach verwirrt wirken.

The Gentlemen fühlt sich auch immer wieder sehr clever, macht dann aber nichts daraus. Einer dieser Meta-Witze: Hugh Grants Figur Fletcher erwähnt, alles, was er erzähle, sei Setup für grössere Neuigkeiten. Zwinker, Zwinker. Diese grosse Auflösung fällt dann aber ziemlich auf die Nase, da sie halb so clever und gewitzt ist, wie sie meint. Ausserdem ist sie schnell wieder verflogen und ziemlich egal. Zwar sind die Dialoge stellenweise richtig witzig und furchtbar britisch - das C-Wort wird Dutzende Male verwendet -, zu alter Stärke hat Guy Ritchie hier aber leider noch nicht gefunden.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Kommentare Total: 2

yan

Zu Beginn eher schwach. Die ersten 20 Minuten sind wirr und nicht besonders interessant. Aber der Film entwickelt sich und so auch seine Geschichte. Auch danach ist The Gentlemen weit weg von einem Meisterwerk, aber der heftige Gangsterkrimi ist angenehm unterhaltsam, witzig und die Darsteller wissen zu gefallen.

nna

Filmkritik: Angezogen und ungezogen

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