Gemini Man (2019)

Gemini Man (2019)

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  3. 117 Minuten

Filmkritik: Ansichten eines Klons

Zurich Film Festival 2019
Fresh Prince of DIA
Fresh Prince of DIA

In naher Zukunft: Der 51-jährige Henry Brogan (Will Smith) arbeitet schon Jahrzehnte als Auftragskiller für den amerikanischen Geheimdienst DIA. Noch 72 aufgeführten Aufträgen soll für ihn jedoch Schluss sein. Er möchte sich aus dem Geschäft zurückziehen, da die vielen Tötungen langsam an ihm zu nagen beginnen. Doch nach seiner offiziell letzten Mission hat Henry mächtig Ärger am Hals.

Smithy und Smith
Smithy und Smith

Denn plötzlich steht er auf der Abschussliste von Clay Verris (Clive Owen), der das Geheimprojekt «Gemini» führt. Zusammen mit der DIA-Agentin Danny Zakarweski (Mary Elizabeth Winstead) sowie seinem Kumpel Baron (Benedict Wong) versucht Henry in Kolumbien unterzutauchen. Das geht aber nicht lange gut. Schon bald wird Henry vom besten Profikiller aus der Gemini-Schmiede gejagt: einem 27 Jahre jüngeren Klon (Will Smith) seiner selbst. Wird es Henry gelingen, dem hochmotivierten und agilen Jungspund zu entkommen?

Der mit 120 Bildern pro Sekunde gedrehte Blockbuster Gemini Man von Ang Lee ist vor allem von der Technik her richtig beeindruckend. Jede Actionszene bietet dank der gestochen scharfen Bilder einen Wow-Effekt, und ein um 27 Jahre jüngerer Will-Smith-Klon aus dem Computer ist sensationall umgesetzt. Die Story vermag leider wegen ihrer Oberflächlichkeit nicht ganz zu überzeugen. Trotzdem gibt es eine Empfehlung für den Kinobesuch. Denn diesen durchaus unterhaltsamen Film schaut man am besten in 3D auf einer Leinwand.

Neben James Cameron hat sich vor allem der taiwenesische Regisseur Ang Lee mit dem Ausprobieren neuer Techniken beim Film hervorgetan. Life of Pi gehört immer noch zu den atemberaubendsten 3D-Filmen aller Zeiten, und mit Billy Lynn's Long Halftime Walk drehte er einen Film, der anstatt der üblichen 24 mit gleich 120 Bildern pro Sekunde umgesetzt wurde. Zum Vergleich: Peter Jackson setzte bei seinen Hobbit-Filmen auf «nur» 48 Bildern pro Sekunde. Da Billy Lynn nie in die Schweizer Kinos kam, ist Gemini Man nun der erste abendfüllende Spielfilm dieser Art, der es auf die hiesigen Leinwände schafft.

Vor allem zu Beginn zeigt Lee, was die Vorteile sind: Die Bilder bleiben selbst bei Kameraschwenks oder beim Filmen eines mit über 200 Stundenkilometern vorbeidonnernden Zuges gestochen scharf. Sogar bei einer herumschwirrenden Biene bekommen die Zuschauer das Gefühl, dem Insekt mit blossem Auge folgen zu können. Ein Nachteil der hohen Bildfrequenz ist zwar immer noch, dass das Ganze nicht sehr "filmmässig" wirkt, sondern als würde man ein teuer produziertes Home-Video schauen. Doch anders als noch beim Hobbit, wo viele Sets, Figuren und Kämpfe aus dem Computer kamen, setzt Lee hier vor allem auf handgemachte Action. In Kombination mit der fünffach höheren Bildrate gegenüber einem normalen Film ergibt das realistisch wirkende Sequenzen, bei denen man sich mittendrin statt nur dabei fühlt. Das war beim Hobbit noch ganz anders, wo die Effekte aufgrund der scharfen Bilder schnell mal lächerlich wirkten. Bei Gemini Man wird jede Schiesserei und jede Verfolgungsjagd zu einem visuellen Highlight - vor allem in 3D.

Das zweite technische Wunder, das Lee hier präsentiert, ist ein digital verjüngter Will Smith, der seinem Original im Film das Leben schwer macht. Mit Ausnahme einer Sequenz gegen Ende ist die Umsetzung klasse geworden. Vor allem in Nachtszenen, in denen die Macher aufgrund der Lichtverhältnisse natürlich auch ein paar Mängel verstecken können, ist das Ergebnis beeindruckend.

Trotz dieser vielen Trick-Spielereien muss der Film aber auch ohne diese was taugen, und genau hier schwächelt Gemini Man ein wenig. Das Drehbuch entstand in den Neunzigern und wurde damals nur nicht umgesetzt, weil die Tricktechnik damals noch nicht so weit war, um einen überzeugenden Klon eines Megastars aus dem Computer zu generieren. So erinnert Gemini Man von der Story her an Nineties-Filme wie John Woos Face/Off, wo ebenfalls ein abgefahrenes Konzept präsentiert wurde das die Zuschauer einfach akzeptieren mussten, damit sie ihren Spass haben konnten.

Anders als jedoch Face/Off bleibt diese Jerry-Bruckheimer-Produktion auf der emotionalen Ebene zu kühl, und auch in Bezug auf die philosophischen Themen kratzt das Ganze gerade einmal an der Oberfläche. Das hier ist kein zweiter Blade Runner 2049. Es ging Lee und Co. klar ums Spektakel und die Technik. Das macht Gemini Man zwar zu einem kurzweiligen Blockbuster, aber nicht zu einem, der lange in Erinnerung bleiben wird.

/ crs

Kommentare Total: 3

muri

Guter, spannender und stark produzierter Actionfilm, der in den ersten 3/4 des Films eigentlich nicht viel falsch macht. Dass man dann aber aufs Happy-End drückt und so dem ganzen Spannungsbogen einen Tritt verpasst, schmälert das Filmvergnügen.

Technisch hat es ausserdem ein paar happige Ungereimtheiten drin (zu schnelle Bewegungen, Gesichtszüge entgleisen), was wir aber gerne in einem Actionfilm akzeptieren.

Hat Spass gemacht. Eben halt bis aufs Ende..

Jacky71

Für das Bild kann ich leider "nur" 6 Sterne geben, noch nie so ein geniales 3D gesehen!!
Für die Story gibts 4,5

Aber eben, wegen der Bildtechnik kann ich nicht anders - Es muss 6 Sterne geben.

crs

Filmkritik: Ansichten eines Klons

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