Frozen II (2019)

Frozen II (2019)

Die Eiskönigin 2
  1. , ,
  2. 103 Minuten

Filmkritik: #NeverForget

Danke für die helfende Hand.
Danke für die helfende Hand.

Königin Elsa (Idina Menzel) und ihre Schwester Anna (Kristen Bell) geniessen das Leben in Arendelle. Doch Elsa behält für sich, dass sie immer wieder von einer Stimme aus der Ferne zu sich gerufen wird. Als sich eines Tages plötzlich das Wasser aus der Königsstadt zurückzieht, alle Feuer ausgehen, wilde Winde toben und die Erde wackelt, müssen die Bewohner Hals über Kopf aus Arendelle fliehen. Um herauszufinden was passiert ist, folgen die Schwestern der geheimnisvollen Stimme und reisen zusammen mit Kristoff (Jonathan Groff), dem Rentier Sven und dem Schneemann Olaf (Josh Gad) zum mystischen Wald, der seit Jahren von einem undurchdringlichen Nebel umgeben ist.

"And that's how I met your father!"
"And that's how I met your father!"

Die Geschichte des Waldes hatten Elsa und Anna als Kinder von ihren Eltern gehört: Einst lebte im Wald das Volk der Northuldra, die in Harmonie mit der Magie der Elemente Wasser, Feuer, Wind und Erde zusammenlebten. Doch bei einem Treffen zwischen den Northuldra und den Bewohnern Arendelles, bei dem der Vater der beiden Schwestern als Kind dabei war, kam es plötzlich zu einem Kampf. Daraufhin erschien die Nebelwand aus dem Nichts und hüllte die Northuldra und den Wald für immer ein. Auf ihrem Weg in den geheimnisvollen Wald und darüber hinaus erfahren Elsa und Anna mehr über die Vergangenheit ihres Reiches, ihrer Eltern und über die Ursprünge von Elsas Eismagie.

2013 warf Frozen die übliche Romanzenstoryline in Disney-Märchenverfilmungen ordentlich über den Haufen und wurde damit zu einem der ganz grossen Erfolge des Maus-Hauses. Auch die Fortsetzung feiert die Stärke der beiden Heldinnen und die enge Bindung zwischen den Schwestern Anna und Elsa, die es nun aber in deutlich ernsterem Ton mit Vergangenheitsbewältigung und Kulturkonflikt zu tun bekommen. Bilder und Songs wissen erneut zu gefallen, auch wenn der grosse Kracher dieses Mal ausbleibt. Dank herziger (tierischer) Nebenfiguren, witziger Einfälle und der positiven Botschaft trifft so auch Frozen 2 mitten ins Herz.

Ursprünglich als eine Adaption von Hans Christian Andersens Märchen "Die Schneekönigin" konzipiert, entwickelte sich Frozen im Laufe der langen Produktionszeit bald mal zu etwas völlig Eigenem. Zu verdanken war dies auch dem Song "Let it Go", der die eigentlich böse Schneekönigin aus dem Märchen zur unverstandenen Aussenseiterin Elsa machte, die sich selbst zu akzeptieren lernt. Seitdem hat sich der Film als wahre Goldgrube für Disney erwiesen, sind doch Elsa, Anna, Olaf und Sven kaum noch aus Spielwarenläden und Kinderkleiderabteilungen wegzudenken.

In der Bildsprache schliesst Frozen 2 nahtlos an den ersten Teil an. Wiederum verstecken sich in praktisch jeder Einstellung herzige Details; die eigentlichen Stars des Filmes sind die grossartig animierten Fabelviecher, allen voran die herzige Feuereidechse und das an den nordischen Nokk angelehnte Wasserpferd.

Auch die Songs nehmen die bekannte Klangkulisse auf und spinnen den Sound schön weiter. Dass keines der Lieder an "Let it Go" heranreicht, war eigentlich von Anfang klar, obwohl man es mit dem epischen "Into the Unknown" zumindest versucht hat. Die musikalischen Highlights sind dieses Mal aber ohnehin bei den humoristischen Songs zu finden. So ist etwa Schneemann Olafs Lied übers Erwachsenwerden ein ironisches Augenzwinkern für alle grossen Zuschauer, während Kristoffs Powerballade "Lost in the Woods" auf herrliche Weise - und inklusive Rentierchor! - auf Glamrock-Videos der Achtziger und Neunziger anspielt. Das gibt dem Film einen frechen, fröhlichen Anstrich, den er auch braucht, da er anderorts deutlich düsterer daherkommt als der Vorgängerfilm.

Auf der Handlungsebene überrascht Frozen 2 nämlich durch den erstaunlich ernsten Einschlag, geht es doch um die Aufarbeitung von Familiengeheimnissen, Vergangenheitsbewältigung, das Überwinden von Vorurteilen und das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen. Weil diese ernsteren Aspekte nicht belehrend oder aufgepfropft wirken, sondern aus den Figuren und der sorgfältig gezeichneten Welt herausgearbeitet wurden, ist diese Wendung zum Düsteren hin absolut schlüssig.

Wenn Frozen uns gezeigt hat, dass es einer Filmheldin auch bei Disney nicht darum gehen muss, einen Mann zu finden und in den Ehehafen zu schippern, dann zeigt uns die Fortsetzung, dass auch andernorts das Anderssein nicht zu fürchten ist. So ist Frozen 2 eine visuell beeindruckende, rundum gelungene Fortsetzung geworden, welche nicht wie so viele andere Sequels dasselbe noch einmal bietet, sondern die Welt und Figuren konsequent weiterdenkt.

/ pps

Kommentare Total: 3

solanumnigrum

Ich stimme Muri nur zur Hälfte zu. Klar, den ersten Teil zu "ersetzen" ist dem zweiten Teil alles andere als gelungen.
Aus der Sicht eines Kindes und mit dem Herzen für Disney darf ich folgendes bemerken:

- Er ist düsterer und actiongeladener als der erste Teil, somit haben auch die Jungs etwas mehr davon.
- "let it go" kann man zwar nicht ersetzen, man hat aber mit "into the unknown" und "show yourself" ebenfalls zwei starke Ohrwürmer.
- Plot Twists gibt es aber definitiv. Alleine wenn man bis zum Ende ausharrt, wird der eine oder andere WOW-Effekt hervorgerufen.
- Die Message in diesem Film ist tadellos. Gross und klein verstehen die Botschaft dieses Films

Einziger "Makel":
Es gibt zwar viele neue Figuren, dennoch bleibt der Fokus hauptsächlich auf den 5 Hauptfiguren Anna, Elsa, Olaf, Kristoff und Sven.
Das ist schade, weil es doch noch viel zu entdecken gäbe.

muri

Zielt sicher perfekt auf die Zielgruppe und lässt die Weihnachts-Geschenk-Maschinerie im Vollen laufen. Und auch wenn die Story scheinbar eine Vorlage hatte, so ist sie doch enttäuschend unwitzig und zäh inszeniert worden. Zum Lachen gibt es kaum etwas (Rentiere am singen, WOW), die Figuren so clean und glattgebügelt, dass es weh tut.

In dieser Welt voller Schneerössli, Eisfiguren und nervenden Schneemännern braucht es schon einiges an gutem Willen und Interesse, um nicht nach ein paar Minuten schon das geistige Garagentor zu schliessen.

Überraschungen oder Twists sucht man vergebens, die Songs sind austauschbar (werden aber mit Feuerwerk und Schneestürmen wunderbar opulent serviert) und dass am Ende der gute Olaf noch gefühlten 20 Minuten Abspann nochmals für knapp 30 Sekunden auftritt, macht den Braten auch nicht mehr feiss.

Teil 1 war klar besser - dieser hier macht den Eindruck einer perfekt inszenierten Merchandisemaschine, die vor allem darauf ziehlt, die Figuren nun in den Disneyparks noch besser platzieren zu können, die Spielzeugindustrie anzukurbeln und kleine Mädchen (und Jungs, natürlich) in Prinzessinnenoutfits auf die Strasse zu schicken.

Schön wars trotzdem, aber halt einfach ohne das Disney-Magic-Feeling, das man jeweils bei solchen Filmen haben sollte. Hoffentlich nächstes Mal wieder!

pps

Filmkritik: #NeverForget

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