Feedback (2019)

Feedback (2019)

  1. ,
  2. ,
  3. 97 Minuten

Filmkritik: Eine gewaltige Programmänderung

19. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2019

Die nächtliche Call-In-Show des kontroversen Londoner Radio-Talkers Jarvis Dolan (Eddie Marsan) hatte schon erfolgreichere Zeiten. Ein Co-Host (Paul Anderson) soll auf Geheiss der Chefs für bessere Quoten Sorgen. Jarvis ist mässig begeistert und startet seine Live-Show entsprechend mies gelaunt. Bald ist es aber nicht mehr nur die von Jarvis jeweils laut vorgelesene Hate-Mail, die für Aufregung sorgt. Brutale Eindringlinge mit Masken kapern das Studio und geben der Sendung mit Gewalt einen ganz anderen Spin. Ab sofort sind die Gangster die Programmchefs und Jarvis ist ihnen ausgeliefert.

Der geschlossene Raum als Drohkulisse funktioniert in der spanischen Produktion Feedback bestens. Der britische Schauspieler Eddie Marsan demonstriert gekonnt eine Machtlosigkeit gegenüber brutalen Bösewichten in einem bildstarken Thriller, der seine Spannung bis zum Schluss halten kann. Ein überzeugender Erstling von Pedro C. Alonso, einem Regisseur, den man im Auge behalten sollte.

Die Liam-Neeson-Masche vom älteren Herrn, der sich Gewalttätern stellen muss, hat Feedback-Produzent Jaume Collet-Serra schon in seinen eigenen Filmen (Unknown Identity, Non-Stop) durchexerziert. Feedback ist eine interessante Variation dieses Themas, weil sich das Geschehen in einem Radio-Studio abspielt. Das gelackte Ambiente vom Boss-Büro, die grellgelb ausgeleuchteten, schalldichten Kabinen und das Klaustrophobie erzeugende Radiostudio mit all seinen Lämpchen, Reglern und blickdichten Scheiben: Hier spielt für einmal nicht wegen der Musik die Musik sondern wegen des düsteren Grooves der Bedrohung.

Die stummen Gewalttäter mit ihren Satanisten-Tattoos und den Masken funktionieren darin bestens. Lustige Bildeinfälle mit Maskottchen-Kostümen sorgen nur bedingt für Entspannung. Der Zuschauer durchlebt zusammen mit Eddie Marsan als von Panik erfüllter Radiomann den einen oder anderen Plot Twist. Zwar ergeben nicht alle wirklich Sinn, dafür geht man über Strippenzieher, Opfer und Tatmotive werweissend ins Finale.

Das grosse Vorbild, Talk Radio von Oliver Stone, bleibt zwar unerreicht, ein Thriller der oberen Güteklasse ist der Film trotzdem. Der spanische Regisseur Pedro C. Alonso wird sicherlich noch von sich hören lassen.

/ rm