Detention - Fanxiao (2019)

Detention - Fanxiao (2019)

Filmkritik: Die Geister, die wir riefen

NIFFF 2020
Wer ist der Verräter?
Wer ist der Verräter? © NIFFF

Taiwan 1962: Chong-tin (Mengo-Po Fu) und Ray-shin besuchen die gleiche Schule. Sie kennen sich nur flüchtig, auch wenn Chong-tin in Ray-shin verliebt ist. Eines Nachts, als die beiden als einzige noch im Schulhaus sind, bietet sich ihm die Chance, ihr näher zu kommen. Doch schnell ist klar, dass die Vorzeichen dafür alles andere als günstig sind. Sie sind nicht alleine, böse und gewaltbereite Geister treiben sie in die Enge - doch weswegen genau, wissen sie noch nicht.

An der Schule hat sich Chong-tin einem kleinen Kreis angeschlossen, der verbotene Bücher liest. Weil sich alle, insbesondere die beteiligten Lehrer, damit in Lebensgefahr bringen, muss dies geheimgehalten werden. Einen Maulwurf scheint es aber gegeben zu haben, denn es findet eine Untersuchung statt und ein Lehrer wird verhaftet. Die Mitglieder des Klubs haben geschworen, das Geheimnis unter Einsatz ihres eigenen Lebens zu bewahren. Wer war es dann?

Den Horror speist John Hsu in seinem Film aus der Verarbeitung einer historischen Epoche, die sich durch Repressalien und eine autoritäre Politik kennzeichnet. Dies wäre schon genug, um jedem das Grauen zu lehren. Seine Geschichte reichert der taiwanesische Regisseur aber mit Geistern und Monstern, die seiner Fantasie entsprungen sind. Es ist eine Mischung, die nicht immer aufgeht, ein bisschen forciert wirkt und nicht unbedingt hilfreich ist, die Spannung zu halten. Insgesamt ist Detention etwas überladen.

Als Inspiration für das Horror-Drama Detention gilt das Taiwan der Sechzigerjahre. Das Land steht unter einer autoritären Regierung, die kommunistisches Gedankengut im Keim ersticken will. Dazu gehört es auch, dass gewisse Bücher verboten sind. Alle, die verdächtigt werden, sich solche Lektüre zu beschaffen, werden verhaftet und bestraft, zum Teil mit dem Tod.

Ein autoritäres Regime braucht für sein Bestehen unter anderem Menschen, die sich als seine Helfer einsetzen. Von Spitzeln und Verrätern handelt dann auch Detention. Es geht um Vertrauen und Leidenschaft. Der Inbrunst, mit der die Protagonisten ihre Überzeugungen verteidigen, steht der eifersüchtigen Liebesschwärmerei einer Jugendlichen entgegen.

Um das Monster, das ihn uns selbst steckt, geht es im Film auch. Es geht um den Kontrollverlust, die Missgunst und die Rachegedanken, die in einem keimen können und sich manchmal einen Weg suchen. Schade, dass sich der Stoff nicht darauf konzentriert. Durch die Mischung aus fantastischen und realistischen Elementen will der Regisseur zwar eine (alp-)traumartige Atmosphäre erschaffen, doch entgleitet ihm die Motivik, so dass der Zuschauer sich in den Einzelelementen verliert. Es ist nicht unbedingt schwer, der Geschichte zu folgen, doch es mangelt ihr an Stringenz, sie weist dadurch verschiedene Längen auf.

Die Bildsprache und Ästhetik, die Hsu für seinen Film nutzt, kennt man aus verschiedenen Vorbildern. Die Geister gleichen mal dem Mädchen aus The Ring, ein anderes Mal kommen sie in Form von hirnlosen Riesenmördervogelscheuchen. Der Regisseur legt viel Wert auf die Ausstattung seines Films, die sorgfältig an die Sehzigerjahre angepasst ist, doch zeichnet sie sich nicht durch besondere Eigenständigkeit aus.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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