La fameuse invasion des ours en Sicile (2019)

La fameuse invasion des ours en Sicile (2019)

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  2. 82 Minuten

Filmkritik: Bär sucht Mini-Bär, bitte melde dich!

17. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2019
Let's go to the mall!
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Der Geschichtenerzähler Gédéone und seine kleine Helferin Almerina sind auf Sizilien unterwegs, um in den Dörfern und Städten ihr Geld mit dem farbenprächtigen Aufführen von Geschichten zu verdienen. Als sie in einen Schneesturm geraten, suchen sie in einer Höhle Unterschlupf. Dort führt aber bereits ein alter Bär seinen Winterschlaf. Um diesen davon abzuhalten, sie zu fressen, erzählen die beiden die Geschichte des Königs der Bären, der vor vielen Jahren zum König von Sizilien wurde.

Die Rahmengeschichtenerzähler beim morgendlichen Aufwärmen
Die Rahmengeschichtenerzähler beim morgendlichen Aufwärmen

Vor vielen Jahren, als es noch Bären auf Sizilien gab, lebten diese friedlich in den Bergen. Der Bärenkönig Léonce brachte seinem Sohn Tonio das Bärensein bei - doch eines Tages ging Tonio beim Fischen verloren und sein Vater konnte ihn trotz verzweifeltem Suchen nicht finden. Weil er vermutet, dass Tonio bei den Menschen im Tal sein könnte, führt Léonce seine Bärenarmee ins Tal. Dort herrscht jedoch ein fieser Herzog, der einen Krieg mit den Bären anzettelt und dafür auch vor dem Einsatz von Zauberei, Geistern und Trollen nicht zurückschreckt.

Mit der Verfilmung des gleichnamigen italienischen Kinderbuchklassikers setzt Comiczeichner und Illustrator Lorenzo Mattotti auf einen einfachen 2D-Zeichenstil, der zwischen Comicästhetik und den Original-Buchillustrationen liegt. Die Farbigkeit sowie wiederkehrende optische Symmetrien lassen den Film wie ein kleines Gesamtkunstwerk wirken. Inhaltlich steht die Bärengeschichte zwischen Fabel, Märchen und politischer Allegorie; dank Wortwitz, sympathischen Figuren und witzigen visuellen Einfällen wirkt dies aber keineswegs steif, sondern kann auch kleine Zuschauer gut unterhalten.

Setzte Illustrator, Maler und Animationskünstler Lorenzo Mattotti für seinen Teil der Animationsanthologie Peur(s) du noir noch ganz auf Schwarzweissstil und grausigen Inhalt, folgt mit seinem ersten eigenen Langfilm die Kehrtwende. Ausgesucht hat er sich dafür das italienische Kinderbuch "La famosa invasione degli orsi in Sicilia" (dt. u.a. als "Das Königreich der Bären" erschienen) aus dem Jahr 1945. Rein visuell bleibt er dafür teilweise sehr nahe an den Buchillustrationen (etwa bei den zu Luftballons gewordenen Wildschweinen und den verschiedenen Monstern). An anderer Stelle, besonders bei den Figurendesigns, erinnern die abstrahierten Formen und Gesichtsformen auch deutlich an die "Ligne claire" von Hergé.

Zusammen mit den prächtigen Farben, die meist in Erdtönen gehalten sind, sowie den stilisiert gezeichneten Figuren wirkt der Film wie ein aufwändig inszeniertes Gesamtkunstwerk. Dieser Eindruck wird durch zahlreiche visuelle Wiederholungen, auffällige Symmetrien, Vervielfachungen und wiederkehrende Bewegungsabläufe zusätzlich verstärkt. Hier wird nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch mit Stilelementen experimentiert. Gerade wegen der durchkomponierten Bildabfolgen und Farben hinterlässt dies optisch einen tollen Eindruck. Weil die Geschichte allerdings recht einfach gehalten ist und die besonderen Wiederholungen doch sehr prominent sind, kommt man trotz einer kurzen Laufzeit kaum darum herum, dass ein paar Längen auffallen.

Die Geschichte der Bären ist gleichzeitig zeitloses naives Märchen wie auch politische Allegorie und Warnung vor den negativen Eigenschaften von Menschen. Habgier, Genusssucht, Eifersucht und Machtstreben wollen so gar nicht zu den liebenswerten Bären passen, doch auch sie müssen sich mit diesen Lastern auseinandersetzen. Mit sympathischen Figuren, die dank witzigen Dialogen und emotionalen Momenten zunehmend ans Herz wachsen, und einer Rahmengeschichte, welche das Erzählte entgegen Erwartung nicht überladen wirken lässt, ist La fameuse invasion des ours en Sicile kurzweilige Unterhaltung, ohne anspruchslos oder zu moralisierend zu sein.

/ pps

Kommentare Total: 2

solanumnigrum

Ich durfte den Film in Locarno anschauen und bin zu folgender Erkenntnis gekommen:

+ Der Film ist bunt und strotzt nur so von sich wiederholenden Sequenzen. Eine Art von Kaleidoskop durch die Animationswelt
+ Dieser Film ist im grossen und ganzen eher für Erwachsene gemacht. Kinder verstehen die komplexe Geschichte mit Intrigen, Krieg, usw. wohl eher nicht.

- Die Story ist ein wenig eintönig und absehbar.
- Die Gesichter (vor allem bei den unzähligen Bären) sind ebenfalls ohne Kreativität. Es sieht so aus, als hätte man das Gesicht jedes Bären kopiert und beim anderen eingefügt.

Aus künstlerischer Sicht ist der Film sicherlich toll. Für Feinschmecker des Films ist er aber fast ein wenig zu langweilig.

pps

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 00:46